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Wohnwagensiedlung „Slab City“ Das soll euch eine Leere sein

In einer Wohnwagensiedlung in der kalifornischen Wüste steigen die ab, die nicht mehr aussteigen können. Im Sommer leben in „Slab City“ hundert Menschen in ihren Wohnwagen, im Winter mehrere tausend.

© Sonja Hartwig Mehr Camping wagen? Kein Strom, kein fließendes Wasser - aber irgendwas zieht die Menschen nach Slab City, eine Wohnwagensiedlung in der kalifornischen Wüste

Die Reise ins amerikanische Krisengebiet beginnt in Los Angeles. Sie führt über 300 Kilometer Palmen-Highways, vorbei an luxuriösen Wüstenstädten und endet auf kargem, trockenem Land, an einem bemalten Grenzhäuschen, auf dem steht: „The last free place“ - der letzte freie Platz. Slab City heißt der Ort, der keine Stadt ist und auf keiner Landkarte zu finden. Es gibt keine Häuser mit Vorgärten; es gibt keinen Bürgermeister und keine Polizei, keinen Strom und kein fließendes Wasser.

Im Sommer leben hier hundert Menschen in ihren Wohnwagen, im Winter mehrere tausend; offiziell ist es eine illegale Kommune, vom Staat aber wird sie geduldet. Der Ort liegt in der Colorado-Wüste im Süden Kaliforniens. Bis zum nächsten Dorf mit einem kleinen Einkaufsladen, einem Restaurant, einer Tankstelle und tausend Einwohnern sind es sechs Kilometer, bis zur Grenze Mexikos sechzig. Der Ort, der sich der letzte freie Platz Amerikas nennt, ist ein Ort für all jene, die keinen Platz gefunden haben im weiten Amerika.

Ein neues Leben im Wohnwagen

Ein Ort für Arme, Aussteiger und Alternative. „Jeder ist aus einem bestimmten Grund hier, jeder hat seine persönliche Krise erlebt“, sagt einer, der es wissen muss. Es ist Bill, den alle nur Builder-Bill nennen, Bauarbeiter-Bill, er wohnt in der Mitte von Slab City. Wenn es einen Bürgermeister gäbe, dann wäre es wohl dieser alte, starke Herr mit den schulterlangen weißen Haaren. Seit 13 Jahren ist er ein „Slabber“, so heißen die Bewohner dieses Wüstenorts, von denen viele mit weniger als zweihundert Dollar im Monat leben. Einige haben Gelegenheitsjobs, andere bekommen ein bisschen Geld vom Staat. Als Builder-Bill 1999 das erste Mal über den Wüstenboden ging, sagte er sich: „Das ist genau der richtige Ort für eine Country-Bar, dieser Ort braucht eine Country-Bar!“

Er stellte sich vor, wie Musiker auftreten und Menschen johlen, applaudieren und feiern. Er begann zu bauen und zu zimmern und nannte den Ort „The Range“. Eine Bühne aus Holzplatten, rechts und links rostet je ein alter Bus vor sich hin, davor abgewetzte Sofas und alte Kinositze, aus denen der Schaumstoff quillt, darüber sind kreuz und quer Lichterketten gespannt.Jeden Samstag, wenn die Sonne untergegangen ist, sitzt Builder-Bill mit seiner Gitarre auf der Bühne, singt Country-Lieder, ein bisschen was aus seiner Jugend, ein bisschen was von Johnny Cash. Er eröffnet die Talent-Show, bei der jeder Bewohner auftreten kann, und die Menschen johlen, applaudieren und feiern. Die Show ist das wöchentliche Unterhaltungsprogramm.

21993049 „Slab City“-Bewohner Bill: „Slab City ist der einzige Ort, wo du willkommen bist, wenn keiner dich mehr haben will“ © Sonja Hartwig Bilderstrecke 

„Eigentlich sind wir alle wegen der Ruhe hier. Und der Freiheit“, sagt Builder-Bill. „Slab City ist der einzige Ort, wo du willkommen bist, wenn keiner dich mehr haben will. Und wenn du dein altes kaputtes Leben nicht mehr willst.“ Builder-Bill erzählt, warum er sein altes kaputtes Leben nicht mehr wollte. Er arbeitete in Fabriken und auf Baustellen, schuftete in der sengenden Sonne von San Diego und hatte nie Geld auf dem Konto. Irgendwann renovierte er ein Haus, schritt über die Türschwelle und dachte, dass er niemals über die Türschwelle seines eigenen Hauses schreiten würde.

Er ging dann nicht mehr zur Arbeit, und als immer mehr Rechnungen kamen, flüchtete er in die Wüste und begann sein neues Leben im Wohnwagen. Drei Schritte in die eine, einen Schritt in die andere Richtung. Ein durchgelegenes Bett, vergilbte Bilder von alten Lieben, Blätter mit Gitarrengriffen und Liedzeilen, ein Holzschrank mit vier Konserven: Erbsen, Spinat, Tomatensauce, Tomatensuppe. Gekocht wird mit Solarenergie, gebadet nur draußen, in einer heißen Mineralquelle.

„Selbst habe ich nichts“

Builder-Bills Zuhause steht auf einem Slab, einem Betonfundament. Es sind Überreste einer ehemaligen Kaserne. Während des Zweiten Weltkrieges war auf diesem Land eine Militärbasis, seit den Fünfzigern leben hier die Camper. „Um Slab City besser zu verstehen“, sagt Builder-Bill, „solltest du Frank treffen. Er betreibt hier ein Internetcafé und ist ein cooler Typ. Er kam etwa zur gleichen Zeit wie ich in die Wüste: auf seinem Fahrrad.“

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