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Veröffentlicht: 03.10.2012, 16:00 Uhr

Wetten, dass..? Meine Saalwette für Markus Lanz

Finden Sie einen Ort, der sich nach Ihrer Spieleshow nennt. In Amerika ist das einem Moderator gelungen - und aus Hot Springs in Neu-Mexiko wurde Truth or Consequences.

von
© Nick Waplington Jetzt rechts abbiegen: Der Ort Truth or Consequences hat viel Umgebung, aber sonst nur wenig zu bieten.

Die Parade war vorüber, als ich Truth or Consequences erreichte, aber die Fiesta dauerte an. Eine Nacht noch und einen Tag. Viel verpasst hatte ich offensichtlich nicht. So toll sei die Parade in diesem Jahr nicht gewesen, sagten alle, mit denen ich sprach. Die meisten von ihnen sogar, ohne dass ich nach der Parade gefragt hatte. Sie waren sichtlich enttäuscht.

Freddy Langer Folgen:

Zu wenige Wagen, zu wenige Einfälle. Nur das Übliche, irgendwie. Sagten sie. Und meinten die paar alten Traktoren, mit denen ein paar alte Farmer über die Hauptstraße geknattert seien. Und die alten Damen irgendeines Sozialvereins, die von einem Anhänger herunter gewunken hatten. Die Feuerwehr war mit ihren Löschzügen aus der ganzen Region angerückt. Die Mitglieder des Ford Mustang Clubs hatten ihre Autos in Kolonne spazieren gefahren. Und natürlich waren Cowboys auf ihren Pferden durch die Stadt geritten. Ihretwegen, also wegen der Pferde, findet die Parade stets am frühen Vormittag statt. Den Tieren würde es sonst zu heiß, erklärte man mir. Aber so heiß, wie es in der Wüste Neu-Mexikos werden kann, war es an diesem Tag gar nicht; im Gegenteil. Man konnte von frühlingshaften Temperaturen sprechen.

Der vergessene Staat

Truth or Consequences liegt in einer Senke am Ufer des Rio Grande, im Süden von Neu-Mexiko, einem der größten Bundesstaaten Nordamerikas. Dennoch wird er oft übersehen. Schon in Texas, dem direkten Nachbarn im Osten, denken die Bewohner, er gehöre zu Mexiko. Und wenn man mit Mexikanern spricht, zucken auch sie nur mit den Schultern. „Alt? Neu? Was soll’s?“, sagen sie. Erst wenn man die Hauptstadt nennt, Santa Fe, grinsen sie über das ganze Gesicht und schlagen sich mit der Hand an die Stirn: „Sí, sí, Colorado!“ Mehr als einmal habe ich das selbst erlebt. Die Bewohner von Neu-Mexiko haben sich gut damit arrangiert, dass niemand sie wahrnimmt.

So leer ist das Land, staubtrocken, wüst und öde, dass die amerikanische Regierung dort im Juli 1945 unbekümmert die erste Atombombe zündete und später ungestört eine Raketenbasis nach der anderen errichtet hat. Und als im Sommer 1947 Außerirdische in ihrem Ufo die Erde besuchten, wie man hier beharrlich erzählt, landeten sie vielleicht nicht zufällig nahe Roswell, nur einen Steinwurf von Truth or Consequences entfernt, in dieser absolut unirdischen Landschaft - geradeso, als habe sie die Gegend an ihre Heimat erinnert. Es bedarf wohl einer eigenen Mentalität, sich von all dem nicht sonderlich irritieren zu lassen. An einem Jahrmarktstand der Fiesta gab es T-Shirts zu kaufen mit der Aufschrift: „We are all here, because we are not all there“, was man fast wörtlich übersetzen kann: Wir sind alle hier, weil wir nicht ganz da sind. Es ist so etwas wie das Glaubensbekenntnis der Stadt.

Truth or Consequences ist riesengroß - im Vergleich zur Einwohnerzahl. Dreiunddreißig Quadratkilometer Fläche für weniger als sechseinhalbtausend Menschen. Da könnte man meinen, dass jeder jeden kenne. Doch wenn man auf dem kahlen Hügel oberhalb des Ortszentrums steht und all die flachen Holz- und Lehmhäuser sieht, die jenseits der beiden Hauptstraßen weit verstreut in der Landschaft liegen, am Fluss entlang, die Berge hinauf und weit hinein in die Wüste, wird klar, dass hier keine eingeschworene Gemeinschaft lebt. Und gerade während der Fiesta wurde offenkundig, wie die Bevölkerung noch einmal auseinanderfällt. Denn es wurde an drei verschiedenen Orten gefeiert.

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