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Weingeschmack Das Château von morgen

 ·  Der Weingeschmack ist weltweit eine flüchtige Angelegenheit. Was chinesischen Käufern heute schmeckt, hütet im nächsten Jahr vielleicht den Laden. Gibt es dennoch krisenfesten Weinhandel?

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Die Chinesen sind ein rätselhaftes Volk, zumindest wenn es um ihren Weingeschmack geht. Das bekommt die große deutsche Weinhandelsgruppe Hawesko im Moment zu spüren. Im vergangenen Jahr bestellten chinesische Kunden noch wie verrückt teure Weine bei Château Classic, einer Tochtergesellschaft des Hamburger Unternehmens. Doch in diesem Jahr halten sie sich deutlich zurück. Château Classic wird deshalb nach Schätzung von Hawesko nur noch 10 bis 15 Millionen Euro zum Umsatz des Mutterkonzerns beitragen. Im vergangenen Jahr waren es noch 27 Millionen Euro. Warum die Chinesen plötzlich keine Lust mehr auf teure Tropfen haben, darüber rätselt man am Hamburger Firmensitz. Vielleicht hätten sich die Käufer im vergangenen Jahr eingedeckt und seien nun fürs Erste versorgt, heißt es dort.

Das Bestellverhalten in China gibt den Hamburgern Rätsel auf, ein ernsthaftes Problem ist es nicht. Hawesko macht mehr als 85 Prozent seines Umsatzes (im Jahr 2011: 411 Millionen Euro) in Deutschland. Insgesamt will der Konzern im Jahr 2012 um 10 bis 12 Prozent wachsen. Nach dem ersten Halbjahr sind die Aussichten dafür gut. In der Zeit von Januar bis Juni stieg der Umsatz um 13 Prozent auf mehr als 212 Millionen Euro. Weil Weinliebhaber mehr edlere Weine kauften, legte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 18 Prozent auf 12 Millionen Euro zu. Analysten werten das als gutes Zeichen. Die Hälfte der Fachleute, die Hawesko derzeit beobachten, rät zum Kauf der Aktie. Laut Nachrichtendienst Bloomberg beträgt das durchschnittliche Kursziel der Analysten knapp 40 Euro. Am Montagnachmittag kostete die Aktie gut 37 Euro.

Durchschnittlicher Flaschenpreis von 8 Euro

Ein knappes Drittel der Anteile gehört dem Vorstandsvorsitzenden Alexander Margaritoff. Er führt das Unternehmen seit mehr als 30 Jahren und hat das Geschäft durch Übernahmen und organisches Wachstum erweitert. Zu seinen jüngsten Käufen gehört der Schweizer Händler Global Wine, der seit dem Jahr 2009 zu Hawesko gehört, und der Berliner Versandhändler Wein & Vinos. Dieses Unternehmen hat Margaritoff im Januar 2012 gekauft. Aus Sicht der Analysten hat er mit seinen Akquisitionen bislang ein gutes Händchen bewiesen. Wein & Vinos füge sich gut in die bisherige Unternehmensstruktur. Hawesko ist im stationären Handel (Jacques’ Weindepot), im Großhandel (Wein Wolf und CWD Champagner & Wein) sowie im Versandhandel vertreten. Mit Wein & Vinos ist nun ein Internethändler dazugekommen. Dank geringer Fixkosten wirft dieses Geschäft hohe Renditen ab und wird das Ergebnis in den kommenden Jahren stabilisieren.

Mit einer Hawesko-Aktie investiere man in die Managementqualitäten des Vorstandsvorsitzenden Margaritoff, sagt Jürgen Elfers von der Commerzbank. Das Papier sei für zwei Sorten von Investoren geeignet: Wegen der kontinuierlichen Kursentwicklung in den vergangenen zehn Jahren sei es für langfristig orientierte Anleger interessant, wegen der attraktiven Dividendenausschüttung aber auch für Anleger mit hohen Renditeerwartungen. Im Jahr 2011 hat Hawesko 80 Prozent seines Nettogewinns an die Aktionäre ausgeschüttet. Neben Margaritoff selbst gehört dazu vor allem der ehemalige Textilunternehmer Detlev Meyer. Über seine Tocos Beteiligung GmbH ist er mit 28 Prozent an Hawesko beteiligt. Die übrigen Anteile sind größtenteils im Streubesitz.

Sollte sich die Konsumlaune in Deutschland spürbar abschwächen, würde das wohl auch Hawesko treffen. Allerdings ist der Markt für hochwertige Weine relativ krisenfest. Mit einem durchschnittlichen Flaschenpreis von 8 Euro ist Hawesko vor allem in diesem Preissegment unterwegs. Zudem soll die Abhängigkeit von Deutschland sinken. Zurzeit treibt das Unternehmen die Expansion in Skandinavien voran. In Schweden läuft eine Werbekampagne. Und auch das zuletzt volatile Geschäft in China soll mittelfristig wieder zulegen, heißt es bei Hawesko.

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