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Weihnachtsduft Zum Weihrauchkauf in die Wüste

Oman war in der Antike das Weihrauchland. Und bis heute wächst dort der Baum, dessen glimmendes Harz die Sinne erfrischt - und böse Geister vertreibt.

© Fricke, Helmut Vergrößern Der Duft der Götter

Auf einer Kuppe zwischen Stadt und Meer erhebt sich das Wahrzeichen von Muscat: eine gigantische Fußballtrophäe.Unsinn. Die weiße Kugel auf dem stämmigen Stiel ist natürlich kein Ball, sondern die überdimensionale Nachbildung eines Weihrauchbrenners. Aus den Öffnungen, durch die im Originalgefäß der würzige weiße Rauch strömt, blickt der Besucher hier auf die palmengesäumte Corniche und den Hafen der omanischen Hauptstadt mit Kränen und Kreuzfahrtschiffen und der königlichen Yacht von Sultan Qaboos Al Said. Das Wahrzeichen von Muscat ist ein Aussichtsturm, der an das Stöffchen erinnert, auf dem für ein Jahrtausend der Reichtum des Sultanats Oman begründet war: eben Weihrauch.

Heute sind Öl und Gas die Motoren der Wirtschaft, und Muscat ist eine autogerechte Stadt, die nur noch in Teilen den Zauber des Morgenlandes verströmt. Im Jahr 1970 hatte Sultan Qaboos seinen paranoiden Vater abgesetzt, der als oberster Nachtwächter abends die Tore der Hauptstadt verrammeln ließ und sein Gold unter dem Bett hortete. Der Vater verlebte noch zwei entspannte Jahre im Londoner Dorchester Hotel; der Sohn brachte derweil einen modernen Staat auf den Weg und wird dem Augenschein nach hochgeschätzt. Sein mildes Gesicht mit dem weißen Bart ist im Stadtbild allgegenwärtig. „Die Vulgarität Dubais und die Brutalität Irans sind einfach nicht sein Stil“, schreibt der englische „Guardian“, gleichwohl herrscht Sultan Qaboos uneingeschränkt.

Kanonen beschützen das Heimatmuseum

Für seinen Stadtpalast Qasr Al Alam, der aussieht, als würden Imelda Marcos’ Pudel darin wohnen, und das neue Regierungsviertel ließ er ein Drittel des alten Muscat abreißen. Dafür wurden Verkehrskreisel und die Ränder der sechsspurigen Stadtautobahn verschwenderisch mit Palmen, Frangipani, Bougainvilleen, Bäumchen im Formschnitt und Millionen von Petunien bepflanzt. Der Sultan, der schon 1974 ein Umweltministerium einrichtete, hält gleichwohl nichts von der Spartaste. Außer Qasr Al Alam besitzt er im ganzen Land sechs weitere Paläste. Vom Weltraum aus betrachtet müssen sie wie grüne Flecken im gelben Fell der Wüste liegen.

Eines der großen Handelshäuser, das der Einebnung widerstand, ist Bait Al Zubair, die weiße, zinnengekrönte Residenz der Familie Zubair, die ihre ethnografische Sammlung in ein privates Museum überführt hat. Zwei alte Kanonen bewachen den Eingang. Im ummauerten Garten wachsen Dattelpalmen, Oleander und indisches Blumenrohr. Ein kleiner Kanal zitiert das hoch entwickelte Bewässerungssystem des ländlichen Oman. Neben silbernen Krummdolchen, Textilien, Schmuck und Schnitzereien ist eine ganze Abteilung dem Harz des Weihrauchbaums gewidmet: Flakons, Kupferdosen und Räuchergefäße sowie kegelförmige Körbe, über die man Kleider zum Beduften breitet.

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