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Veröffentlicht: 21.01.2005, 20:05 Uhr

Vereinigte Arabische Emirate Die Zukunft läuft wie geschmiert

Weil das Öl eines Tages versiegen wird, bauen die Vereinigten Arabischen Emirate schon heute vor - und erfinden spektakuläre Tourismusparadiese: Künstliche Inselgruppen in Palmenform oder Luxushotels der Extraklasse.

von Ivo Goetz
© Ivo Goetz Dubai: Bauten wie aus einem Science-Fiction

Dubai im Jahr 2020

Die längste künstliche Skipiste der Erde liegt müde in der Wüste. Der perfekte Schnee kommt aus Schneekanonen so groß wie Reihenhäuser. 1500 Meter hoch über dem Persischen Golf liegt die Bergstation über einem künstlichen Gebirge aus Sand. Die Abfahrt verläuft vollständig unter einem Glasdach, das sich wie eine riesige Raupe mit tausend Beinen den Berg hinunterschiebt. Eine Solarenergieanlage liefert den Strom für die Raupe, in deren Leib ein Sessellift die Skifahrer nach oben befördert. Aus dem Maul der Raupe werden sie dann in den Schnee gespuckt.

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Unten vor der Küste liegen die Unterwasserhotels und künstlichen Inselgruppen in allen möglichen Symbolformen. Die größte der Inselgruppen heißt "The Galaxy". Sie ist eine Ansammlung von tausend künstlichen Sandflecken, etwas wirr angeordnet in Milchstraßenform. Kleinere Behausungen unter Wasser und baumhausartige Wohnplattformen auf Stelzen geben dem Ganzen dann eine dreidimensionale Ordnung in Form unserer Galaxie. Unter der Wasseroberfläche schweben die Menschen in wendigen U-Booten, die wie große Glasquallen aussehen, zwischen den Fischen herum.

Dubai Burj al Arab © Ivo Goetz Vergrößern Blick in die Kuppel des Luxushotels Burj al Arab

Dubai im Jahr 2005

Die Palme gilt als Symbol für ewiges Leben. Die erste Inselgruppe in Palmenform, "The Palm Jumeirah", wird im Frühjahr 2006 eröffnet. Villen und Hotels können dann bezogen werden. Im offenen Meer vor der Küste von Dubai wurden die Inseln aus Sand aufgeschüttet. Die zweite Palme, "The Palm Jebel Ali", wird Ende 2007 fertig. Die Kosten für die Infrastruktur beider Palmen betragen bisher rund drei Milliarden Euro. Das Geld kommt aus dem Sand der Wüste: Rohöl. Der Sand für "The World", eine dritte Inselanhäufung, wird seit Ende 2004 ins Meer geschüttet. Über 300 begrünte Kleckse im blauen Persischen Golf bilden, aus der Luft gesehen, zusammen eine riesige Weltkarte.

Anfang Oktober 2004 gab der Kronprinz von Dubai und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate (V.A.E.), Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, zusätzlich den Auftrag für die dritte Palme, "The Palm Deira", die vor Deira Beach ins Meer gesetzt wird. Die Arbeiten haben begonnen, die ersten Inselteile ragen über die Meeresoberfläche und sind wie die beiden anderen Palmen und "The World" auf Satellitenbildern zu erkennen. Die Investoren, die bei den ersten Palmwedeln und "Der Welt" leer ausgingen, können nun doch noch ihr Kapital mehren. Die Eilande werden mit Hotels, Appartements, Ferienhäusern, Jachthäfen und natürlich allen Versorgungsmöglichkeiten bebaut.

Es wird an nichts fehlen

Diese Vorhaben, Urlaubs- und Erlebniswelten zu erschaffen, sind nur wage Andeutungen dessen, was da in den Vereinigten Arabischen Emiraten in den nächsten Jahren sorgfältig geplante Realität werden wird.

Der Computerspielklassiker unter den Städtebausimulationen, "Simcity", scheint das Trainingsgerät der Strategen in den Emiraten zu sein. Gebiete in der Wüste werden entstehen, die "Gazelle" oder "Die Wiesen" heißen, Polofelder und Golfplätze in die Dünen planiert. "Lost City", eine verlorene Stadt, wird jahrtausendealte Baustile wie eine Theaterkulisse darstellen. Aufwendig konstruierter Luxus macht die Simulation der antiken arabischen Wohnwelten dann auch noch benutzbar. In Dubai City wird ab Mitte des Jahres ein Light Rail System entstehen, ein fahrerloses Nahverkehrssystem auf Schienen. Die weiteren Projekte sind nicht alle aufzuzählen.

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