10.07.2005 · Auf die Kleidung kommt es an: Der Sommer ist endlich da und mit ihm die Gefahr von Sonnenbrand. Neu entwickelte Textilien schützen vor schädlichen UV-Strahlen.
Von Rüdiger AbeleDie Sommersonne wird ihrem Namen gerecht: Sie scheint intensiv, viele Stunden am Tag. Doch wer sich draußen aufhält, sollte die Freuden nicht pur genießen - er muß sich vor einem Sonnenbrand schützen. Nicht nur das Unangenehme dieser Hautreizung gilt es zu vermeiden, sondern auch mögliche weiterreichende Folgen: Hautkrebs.
Wenn die Haut in ihren Tiefen geschädigt wird, ist sie ein guter Nährboden für diese bösartige Erkrankung. Dabei soll mit diesen Zeilen keiner Hysterie Vorschub geleistet werden, sondern dem bedachten Umgang mit der Sonne. Die UV-Strahlen im Sonnenlicht sind für den Menschen je nach Art und Intensität schädlich.
Es gibt unterschiedliche Arten: Die sehr energiereiche UV-C-Strahlung wird vollständig in der Atmosphäre absorbiert. Von der etwas energieärmeren UV-B-Strahlung werden ungefähr 90 Prozent durch die Ozonschicht zurückgehalten. Fast vollständig auf die Erdoberfläche gelangen die UV-A-Strahlen. Deren Energie reicht immer noch aus, um je nach Dosis die Haut des Menschen zu reizen.
Die Empfindlichkeit hängt allerdings auch vom Hauttyp ab - hellhäutige Menschen neigen meist eher zu Sonnenbrand als solche mit einem dunklen Teint. Kinder sind generell stärker gefährdet: Ihre Haut ist noch sehr dünn und hat noch nicht die volle Fähigkeit entwickelt, sich gegen die Sonne zu schützen. Es fehlt die Eigenschaft, schnell und ausreichend Pigmente zu bilden. Außerdem sind die Mechanismen zur Reparatur von UV-Schäden noch nicht voll ausgebildet. Das gilt vor allem für die ersten sechs Lebensjahre, und Säuglinge sollten am besten überhaupt nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden. Es ist ganz einfach, einen Sonnenbrand zu vermeiden: Bloß nicht raus in die Natur, auf daß kein UV-Strahl die Haut treffe. Doch so konsequent kann und möchte wohl niemand den Sommer verbringen.
UV-Schutz durch Textilien
Die einfachste und schnellste Schutzmaßnahme ist das Bedecken der Haut. Und besser als ein Sonnenschutzmittel ist es noch dazu: Die Cremes können nur einen Sonnenbrand verhindern, nicht jedoch Hautkrebs; denn selbst wenn die Haut nicht sichtbar verbrennt, dringen die UV-Strahlen in die Hautschichten ein und können sie schädigen. Einen gewissen UV-Schutz bietet jede Textilie. Doch abhängig von Farbe, Faser und Webart sowie dem Zustand des Kleidungsstücks, schwankt die Schutzwirkung erheblich. Diese wird meist mit dem USF- oder UPF-Faktor angegeben (UV-Schutz-Faktor oder Ultraviolet Protection Factor).
Dazu ein wenig Theorie: Der USF-Faktor ist höher, je dichter das Gewebe ist. Lockere Gewebe bieten einen geringeren Schutz. Bei gleichem Aufbau des Materials steigt der UPF mit dem Gewicht, wobei ein Gewebe einer Maschenware vorzuziehen ist. Einige Farbstoffe absorbieren die UV-Strahlen besser als andere - je dunkler, desto besser die Schutzwirkung. Auch von der Faserart hängt der UPF ab: Kunstmaterialien lassen weniger schädliche Strahlen an die Haut als Baumwolle und Viskose. Ist das Textil naß, sinkt in den meisten Fällen der UPF, weil das Wasser in den Zwischenräumen des Gewebes den Streueffekt besonders im Bereich der UV-Wellenlängen verringert und die Durchlässigkeit für diese Strahlen erhöht.
Australisch-neuseeländische Norm
Es gilt die Faustregel: Je dicker und dichter der Stoff, desto besser die Schutzwirkung. Aber selbst dünne und anschmiegsame Badekleidung gibt es schon bis Faktor 40 und darüber. Ein einfacher Test nennt einen Anhaltspunkt für die Schutzwirkung des Textils: Wenn der Stoff gegen das Licht gehalten und zugleich leicht auseinandergezogen wird, darf fast kein Licht hindurchscheinen. Das jedoch ist nur ein grober Schnelltest. Eher sollte man sich an den Etiketten orientieren, welche die Kleidungsstücke zieren. „USF 20“ steht beispielsweise darauf: das Textil läßt ein Zwanzigstel, also fünf Prozent, der UV-Strahlung durch.
Basis ist eine australisch-neuseeländische Norm mit folgender Klassifizierung: Bei einem USF von mehr als 40 - der von Experten für Sommertextilien empfohlene Wert - spricht man von einem hervorragendem UV-Schutz; es werden mehr als 97,5 Prozent der UV-Strahlen abgehalten. Bei einem USF 25 bis USF 39 ist es noch ein sehr guter, bei USF 15 bis USF 24 noch ein guter UV-Schutz. Alles mit einem USF-Faktor von weniger als 15 gilt als nicht ausreichend. Dazu zählt dann schon ein weißes T-Shirt aus Baumwolle, das ungefähr einen Schutzfaktor von 10 hat und somit 10 Prozent der UV-Strahlung durchläßt.
In Europa wurde das Prüf- und Zertifizierungssystem UV-Standard 801 entwickelt. Es berücksichtigt zusätzlich die Abnahme des UV-Schutzes durch täglichen Gebrauch, wie zum Beispiel Dehnung des Stoffes, Abnutzung und auch Nässe. Damit fällt der nach diesem Standard ermittelte Schutzfaktor immer niedriger aus, bietet aber für den Träger des Kleidungsstücks einen realistischeren Wert. Die nach dem Standard 801 ermittelten Schutzfaktoren nennen die maximale Verweildauer in praller Mittagssonne: Schutzfaktor 40 bedeutet eine 40mal längere Verweildauer als ungeschützt.
Sprays und Waschzusätze für mehr UV-Schutz
Mittel im Handel ermöglichen, jedes Kleidungsstück mit einem UV-Schutz auszurüsten. In Outdoor-Geschäften gibt es ein Spray der Marke „Granger's“; es sorgt für einen Schutzschild „mit einem Faktor von mindestens 15“, der bis zu fünf Wäschen halte, heißt es vom Hersteller. Drogeriemärkte offerieren ein Pulver des Herstellers Dr. Beckmann, das dem Waschpulver hinzugefügt wird und eine angegebene Menge Textilien mit einem UV-Absorber ausrüstet. Erreicht werde ein Lichtschutzfaktor von 30, sagt das Unternehmen.
Die Absorption halte etwa 15 Wäschen - also den Sommer über. Besonders wirksam sei es für Baumwoll- und Viskose-Textilien. Sparen ist hier am falschen Platz: Reicht der Absorber beispielsweise für drei Kilogramm Wäsche, sollte nicht mehr in der Trommel landen, um die volle Schutzwirkung zu erhalten.