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Utah : Dies ist der Ort

Standbein, Spielbein: Delicate Arch im Arches National Park Bild:

Brigham Youngs Geste auf einem Höhenzug über dem Großen Salzsee von Utah erinnerte nicht zufällig an Moses. „This is the Place“, rief er, als er 1847 die frommen Siedler in ihre neue Heimat führte. Dem Besucher von heute geht der Satz immer wieder über die Lippen.

          Brigham Youngs Geste auf einem Höhenzug über dem Großen Salzsee von Utah erinnerte nicht zufällig an Moses. „This is the Place“, rief er, als er 1847 die frommen Siedler in ihre neue Heimat führte. Dem Besucher von heute geht der Satz mindestens an fünf Orten über die Lippen.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Delicate Arch

          Mit der Formulierung "a bit tough" hatte Rory für seine Tour geworben, die Hände müsse man benutzen, hatte er gesagt, und feste Schuhe seien unbedingt nötig, wenn man ihm auf einem kleinen Umweg zum Delicate Arch folgen wolle. Und ganz klein müsse die Gruppe bleiben, gut überschaubar. Wohl der Gefahren wegen - dachten wir. Aber dann nahm er doch jeden mit, der wollte. Und so ausgesetzt, wie er es beschrieben hatte, war der Weg nun wirklich nicht. Schön war vielmehr, dass es gar kein Weg war. Wir liefen mitten durchs Gelände.

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          Rory ging mit uns zu den Resten der Wolfe Ranch, kleine Häuschen, in denen sich John Wesley Wolfe Ende des neunzehnten Jahrhunderts eingerichtet hatte, um eine Krankheit auszuheilen; tausend Rinder hütete er in dem damals grünen Land. Er zeigte uns Indianerzeichnungen im Fels. Und er ging mit uns zu der Stelle, an der Indianer jahrhundertelang mit primitiven Werkzeugen Pfeilspitzen aus Steinen geschlagen haben, vielleicht während ritueller Handlungen. Ein kleines Feld ist übersät mit Steinen, die eigens für die Produktion hierhergebracht worden waren - und mit Abertausenden von Splittern. Aber dann wollten wir zum Bogen, dem Delicate Arch, der so schön ist, dass man in Moab, der kleinen Stadt am Eingang des Nationalparks, die Frage stellt: Mal abgesehen vom Delicate Arch, welchen Bogen finden Sie am schönsten?

          Diesem Delicate Arch, der seinen Namen der Schusseligkeit eines frühen Landvermessers und dessen Kartenzeichners verdankt und der eigentlich Landscape Arch hatte heißen sollen, entkommt man nicht. Er ziert das Autokennzeichen von Utah, er steckt im ganzen Bundesstaat hunderttausenfach in den Ansichtskartenständern, und er wird genutzt für jedmögliches Souvenir. In Moab gibt es sogar Archo Delicato Gelato in der Waffel. Aber auf den Anblick, wenn man ihn zum ersten Mal sieht, bereitet einen nichts vor.

          Wumm! Man glaubt den eigenen Augen nicht. Ganz plötzlich, nach einer Biegung des Wegs, steht er unmittelbar vor einem. Groß, viel größer, als man glaubte. Und doch erstaunlich fragil mit dieser Asymmetrie von Standbein und Spielbein. Man mag noch so viel über die geologische Besonderheit dieses Landstrichs aus Sandsteinschichten und Salzablagerungen gelesen haben, die dazu führt, dass hier auf engstem Raum zweitausend Bögen aus den Felsen gewaschen wurden - dieser eine zumindest sieht aus wie gebaut. Wie der Rest eines Tempels, eines Heiligtums, wie das Tor in eine andere Welt. Und das mag der Grund sein, weshalb so viele Besucher Wert darauf legen, im Bogen zu stehen und hindurchzuschauen - als sehe die Landschaft dahinter nun anders aus.

          Die Natur hat es so gefügt, dass der Fels gegenüber dem Delicate Arch wie zu einem Amphitheater ausgewaschen wurde. Und so nehmen die Besucher Platz wie bei einer Vorstellung und beobachten, wie die Farben des Steins sich mit dem Lauf der Sonne verändern und wie der Fels irgendwann von innen zu leuchten beginnt, und man würde sich nicht wundern, holten manche Besucher einen Bilderrahmen heraus, um ihn am ausgestreckten Arm vor sich zu halten, oder ein Claude-Glas, durch das die Adligen im siebzehnten Jahrhundert bei ihren Ausflügen die Landschaft in den goldenen Farbtönen der Gemälde von Claude Lorrain betrachteten.

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