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Unter karibischer Sonne Anne, Mary und ich

Auf Parrot Cay, einer Insel des britischen Überseegebiets Turks und Caicos, kann man luxuriös Urlaub machen. An die Geschichte der Insel, die einst Piratinnen Unterschlupf bot, erinnert kaum noch etwas.

© Andrea Diener Einst Versteck für Piratinnen, heute Rückzugsort für Prominenz: Das Ferienhaus von Donna Karan auf den Turks- und Caicos.

Es waren einmal zwei furchtlose Piratinnen namens Anne Bonny und Mary Read. Sie lebten, wenn sie nicht gerade auf hoher See Schiffe kaperten, zusammen mit ihrem nicht ganz so furchtlosen Mitstreiter „Calico“ Jack Rackham in einem winzigen Steinhäuschen auf einer dicht bewachsenen Insel, die zuerst Pirate Key, dann Parrot Cay genannt wurde. Letzteren Namen bekam die Insel erst in jüngerer Zeit verliehen, um Urlauber des in der Zwischenzeit auf ihr entstandenen Luxusresorts nicht gar so sehr zu verschrecken. Das geschah lange vor dem Erfolg der Hollywoodfilme um die Piraten der Karibik, sonst hätte man den Namen womöglich belassen.

Andrea Diener Folgen:

Ich komme nicht auf dem Seeweg, ich komme von New York aus eingeflogen. Eine Rollbahn nur hat der Flughafen in diesem Kaff namens Providenciales, dann geht es zu Fuß über heißen Asphalt in ein flaches, ziemlich unglamouröses Terminal. Rechts ein Porträt von Queen Elizabeth II., dem offiziellen Staatsoberhaupt dieser Ansammlung von Inselchen rechts der Bahamas, links stehen hüftbeschwingt zwei Herren in bunten Hemden und mit Sonnenbrillen auf einem Podest, die auf ihren Instrumenten etwas spielen, was man landläufig wohl als „karibische Rhythmen“ bezeichnet. Ich schaue nach links, ich schaue nach rechts, aber es fällt mir gerade nicht leicht, die Informationslage auszuwerten. Ist das jetzt England oder Karibik? Auf jeden Fall befinde ich mich in einer Weltgegend, in der Passkontrollschlangen musikalisch und live beschallt werden.

Ureinwohner, Kolumbus, Piraten

Ganz offiziell sind die Turks- und Caicos britisches Überseegebiet des Vereinigten Königreiches und die Einwohner, die als „Belongers“ bezeichnet werden, britische Staatsbürger. Also doch Europa, nur ein bisschen wärmer, angenehme 28 Grad im leicht durchwindeten Schatten. Vor der Ankunftshalle stehen Palmen und wiegen sich sanft in der Meeresbrise, gerade so, wie man es von der Karibik erwartet.

Und dann das Staatswappen! Dreimal Meeresgetier auf einem gelben Schild angerichtet, wie ich es vermutlich später noch auf den Teller bekomme, von grazilen rosa Flamingobeinen festgekrallt, und oben auf dem Helm nistet ein heraldisch respektloser Albatros. Das ganze Programm wird also mit Fauna bestritten, das ist kein Wunder, denn die Geschichte der Turks- und Caicosinseln ist schnell erzählt. Ein paar Ureinwohner, vermutlich strandete Christoph Kolumbus hier, dann Franzosen und Spanier, ein paar Siedler von den Bahamas, zwischendurch Piraten und Engländer beziehungsweise englische Piraten. Und nun die Gesamtbevölkerung von sechsundvierzigtausend Belongers, die in weitverstreuten Siedlungen leben, in flachen bunten Häusern hinter Steinmauern, und überall dieses dichte Gebüsch und kaum ein Baum höher als fünf Meter. Ich fahre mit dem Shuttlebus zum Anlegesteg, wo bereits die Yacht wartet, die mich nach Parrot Cay bringen wird, und sehe unterwegs nichts, was auch nur entfernt als Stadt durchgehen würde. Die größte Menschenansammlung konzentriert sich anscheinend im örtlichen Supermarkt an der Ausfallstraße. Ich habe mir die Karibik anders vorgestellt, irgendwie karibischer, aber vielleicht sind die westlichen Caicosinseln nicht der richtige Ort, um danach zu suchen.

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