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Tunesien Abdrehen in der Wüste

Eine günstige Alternative zum All: Die Wüste Tunesiens versetzt einen in ferne Sternenwelten. Eine Reise zu den Drehorten von Star Wars.

© Look Vergrößern Einsam in den Weiten der tunesischen Wüste

So eine Stille ist selten. Kein Windhauch dringt ans Ohr, kein Flügelschlag eines Vogels. Nur das Pochen des eigenen Herzens und ein sanftes Schmatzen, wenn sich ein Fuß vor den anderen setzt und dabei eine nur millimetertiefe Spur im feuchten Schlamm hinterlässt. Die Augen suchen den Horizont, irgendwo weit vorne die Grenzlinie zwischen Himmel und Erde, und täuschen sich doch. Deshalb wäre man auch nicht verwundert, wenn auf dem fast ausgetrockneten Salzsee Chott el Djerid ein Raumschiff landen und Prinzessin Leia im langen weißen Kleid und mit Schneckenfrisur herausklettern würde, hinterdrein Luke Skywalker, R2-D2 und wie sie alle heißen. Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie . . .

Tatsächlich hat George Lucas seinen Sternenkrieg hier begonnen, 1977 in Südtunesien. Von Deutschland aus gelangt man auf den „Planeten“ Tatooine, in dem man nach Djerba fliegt und dann auf dem Landweg nach Tataouine fährt, die reale Stadt, die dem Planeten einstmals den Namen gab. Der Weg durch diese Galaxie führt zunächst in das Berberdorf Matmata. Dort kommt Mohamed auf seinem Moped angeheizt und überredet die Durchreisenden, in seinem Laden ein Glas selbstgemachten Thymianhonigs zu kaufen. Und so hören wir, während wir frisch gebrühten Minztee trinken und die Sonne hinter den rot glühenden Bergen des Dahar-Gebirges untergeht, die ersten Geschichten von den Dreharbeiten.

Lucas hatte nach einem günstigen Drehort gesucht, weil ursprünglich keiner an den Erfolg seines Science-Fiction-Märchens um die zwei Seiten der Macht glaubte. Aber dann muss er sich gefühlt haben wie auf einem anderen Stern in dieser abgeschiedenen Welt zwischen Wüste, Salzseen und Gebirgszügen, in die das Bergvolk der Djebalia Höhlen wie Bienenwaben grub, um darin zu leben.

Dunkle Gänge der Macht

Seit den Tagen der Jasmin-Revolution hat Tunesien vor allem die Phantasie all jener beflügelt, die auch in anderen Ländern davon träumten, einen Diktator zu verjagen. Im Süden, wo Lucas den uralten Kampf von Gut gegen Böse inszenierte, begannen bereits vor mehr als zwei Jahren die Revolten, die sich schließlich ihren Weg in die Hauptstadt Tunis bahnten und im Januar 2011 zum Sturz von Präsident Zine El Abidine Ben Ali führten. Anders als an den staatlich geförderten Stätten des Massentourismus an der Ostküste kam selbst der kleine Wohlstand oft schon keine 50 Kilometer weiter Richtung Landesinnere ins Stocken.

Steil windet sich die Straße in Serpentinen auf den Djebel Dahar. Die Djeffara-Ebene und dahinter die Küste rücken nach jeder Kurve weiter in die Ferne, wie ein Aquarell in Ockertönen zwischen kahlen, vom Wind zerfurchten Anhöhen in Zinnoberrot. Die Dörfer in den Talsenken entdeckt das Auge erst, wenn plötzlich ein paar Schafe den Weg kreuzen und man instinktiv nach den dazu gehörenden Menschen sucht.

Viel zu gut versteckt sind die Eingänge der Höhlenwohnungen, einst Schutz gegen Angreifer aus der Ebene. Sie bieten immer noch kühlen Unterschlupf in den heißen Tagesstunden und Zuflucht hinter dicken Wänden, wenn mit der sinkenden Sonne die Kälte herankriecht. Die Lehmböden zwischen aufgeschichteten Steindämmen geben zum Leben wenig her. Ein paar Kräuter, ein bisschen Getreide, Kichererbsen.

Auf dem Planeten Tatooine

Eine Kulisse, wie geschaffen für den Planeten Tatooine: „Er ist klein, abgelegen und arm“, weiß der junge Jedi Obi-Wan Kenobi in „Episode I“ auf der Flucht vor der bösen Handelsföderation. In „Episode IV“ mault gar Luke Skywalker, der den Berber-Troglodyten gleich mit Tante und Onkel in einer Höhlenwohnung lebt: „Wenn es in diesem Universum ein helles Zentrum gibt, bist du hier am weitesten davon entfernt.“

Den Jungen zog es hinaus in die weite Welt. Heute kommen „Star Wars“-Fans von überall her, um seine Behausung in Matmata zu sehen. Aber wenn sie sich auf Lukes Spuren in die dunklen Gänge der Herberge „Sidi Driss“ zwängen, die von einem trichterförmig ausgegrabenen Innenhof horizontal in den Berg hineinführen, kommen sie meist zu einem ähnlich vernichtenden Urteil wie ihr Weltraumheld - und schlafen lieber nicht auf einem der 145 Feldbetten.

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Veröffentlicht: 25.09.2012, 12:14 Uhr