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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Tourismus in Nordkorea Für immer Jong

 ·  Kreuzfahrten, Golfturniere und bald ein Luxushotel: Nordkorea versucht, Gäste ins Land zu locken, vor allem chinesische. Die sind zwar nicht so devisenstark wie westliche Ausländer. Doch es sind viele.

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© Martin Sasse/laif Soziale Pyramide: Nordkorea baut auf den Tourismus. Die gläserne Ruine des „Ryugyong“-Hotels in Pjöngjang soll demnächst eine Luxusunterkunft werden

Die Charmeoffensive begann im Sommer 2011 mit der ersten nordkoreanischen Kreuzfahrt. 130 chinesische Reiseveranstalter und Journalisten waren geladen, die Fahrt dauerte 21 Stunden und führte die Ostküste entlang. Für die Seefahrt hatte man die „Mangyongbong“, ein vierzig Jahre altes ehemaliges Frachtschiff, flottgemacht.

Besonders begeistert waren die Multiplikatoren aus China nicht, nachdem sie wohlbehalten von der Stadt Rason zum Kumgang-Gebirge gebracht worden waren. „Es gab Probleme mit dem Trinkwasser“, sagte einer, „auch die Toiletten waren in keiner guten Verfassung.“ Ein anderer sah „Verbesserungsbedarf“ in punkto Entertainment und Shopping. Ganz zu schweigen von den Plastikstühlen an Deck, dem Karaoke der Kellnerinnen unter beängstigend niedriger Decke, den stickigen Vier-Mann-Kabinen und der braunen Brühe aus dem Wasserhahn. Und doch folgte diese seltsame Veranstaltung, wie vieles im verarmten Nordkorea, einer einfachen Logik: Touristen müssen ins Land - vor allem chinesische. Die sind zwar nicht so devisenstark wie westliche Ausländer. Doch es sind viele.

Ferienfreuden sind das nicht

Das Bemühen der Führung, ausländische Besucher nach Nordkorea zu bringen, ist unübersehbar. Seit rund zwei Jahren führt sie eine regelrechte Tourismuskampagne durch. Und der neue Machthaber Kim Jong-un hat in seiner Neujahrsansprache „tiefgreifende“ wirtschaftliche und politische Reformen für 2013 versprochen.

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© F.A.Z.

Das Konzept scheint aufzugehen. Rason, Starthafen der bizarren Kreuzfahrt, ist die Hauptstadt der gleichnamigen Sonderwirtschaftszone an der Grenze zu China und Russland. Fast zwanzig Jahre lang fristete das Gebiet ein kümmerliches Dasein. Dann kamen die Chinesen. Inzwischen rollen im Sommer täglich drei, vier Busse vom Grenzort Yanji nach Rason. Nordchina hat keinen Zugang zum Meer - Nordkorea hingegen reichlich.

310 Dollar kostet die fünftägige Standardtour ab Peking. Ferienfreuden sind dies allerdings nicht. Für die Sonderwirtschaftszone benötigt man zwar kein Visum, ansonsten unterscheidet sich Rason aber kaum vom übrigen Nordkorea. Bevor man seinen Fuß ins warme Ostmeer tauchen kann, müssen das örtliche Revolutionsmuseum und weitere Denkmäler besichtigt werden. Dazu werden die Touren von nordkoreanischer Staatssicherheit begleitet, und der Kontakt zur Bevölkerung wird unterbunden.

Kim Jong-Ils Golfrekord: 38 unter par

Und trotzdem ist es das, was einige suchen. „Nordkorea ist wie China in den 1980er Jahren“, sagen die Besucher aus dem großen Nachbarland. Nostalgie schwingt mit, wenn sich die Chinesen ins touristische Billigland vor ihrer Haustür aufmachen. Für viele ist es die erste Auslandsreise überhaupt. In der chinesischen Grenzstadt Dandong gibt es ein Dutzend Reisebüros, die Tagestouren ins nordkoreanische Sinuiju am anderen Ufer des Yalu vermitteln.

Das staatliche nordkoreanische Tourismusbüro befördert diese Kooperationen, wo es nur kann. Spätestens seit das Land wegen seines Nuklearprogramms mit UN-Sanktionen belegt wurde, ist der Fremdenverkehr eine der wenigen verlässlichen Einnahmequellen. Dabei ist sich das Regime bewusst, wie sonderbar die Gäste den Aufenthalt empfinden können - und münzt es gleich zum eigenen Vorteil um. „Nordkorea benutzt sein Image als verschlossenes Land und Einsiedlerreich, um die touristische Neugier zu wecken“, schreibt das Institute for Far Eastern Studies in einem Bericht.

Es dämmern goldene Zeiten, auch für westliche Veranstalter. Ende Mai 2013 finden die 3. „North Korean Open“ statt, ein Amateurturnier, das vom britischen Reiseveranstalter Lupine Travel mitausgerichtet wird. Besucher mit gutem Handicap brechen vielleicht den Rekord Kim Jong-ils von 38 unter par. Der „geliebte Führer“ soll ihn zur Eröffnung der Anlage 1987 aufgestellt haben, obwohl er vorher nie einen Golfschläger in der Hand gehabt hatte.

Authentisches Reiseerlebnis, mögliches Abhören inklusive

Offen indes sind die „North Korean Open“ nicht: Südkoreaner dürfen nicht daran teilnehmen. Das touristische Verhältnis zwischen den beiden verfeindeten Nachbarn ist mehr oder minder eingefroren, nachdem eine südkoreanische Touristin im Juli 2008 im Kumgang-Gebirge von einem nordkoreanischen Soldaten unter ungeklärten Umständen erschossen worden war. Seoul suspendierte daraufhin die beliebten Heimweh- und Wandertouren in die pittoreske Berglandschaft. Ob sich die jüngsten Ankündigungen Kim Jong-uns, das Verhältnis zu Südkorea zu verbessern, auf den Tourismus auswirken, ist derzeit ungewiss.

Zehn Jahre lang hatten zwei Millionen Südkoreaner das Kumgang-Gebirge besucht. Das Gelände, in dem die Südkoreaner wandern und kraxeln konnten, war eingezäunt; es gab ein südkoreanisches Hotel und etliche Duty-free-Shops. Pjöngjang hatte sich die Besuchserlaubnis mit 50 Dollar pro Person fürstlich entlohnen lassen. Diese Einnahmen fehlen seither. Doch jetzt kommen die Chinesen. Im Oktober 2012, ein gutes Jahr nach der Kreuzfahrt, landete die erste Chartermaschine aus der chinesischen Hafenstadt Dalian.

Auch für westliche Besucher wird es attraktiv, ein bisschen Diktatur zu gucken. Die längste Zeit verirrten sich allenfalls Politfreaks und Nerds ins „Yanggakdo“, das größte Ausländerhotel Pjöngjangs. Jetzt ist der 45-stöckige Monolith mit Drehrestaurant ausgebucht, zumindest im Sommer, wenn Arirang läuft, das pompöse Massenspektakel. Dass man sich als Tourist noch immer nicht frei in der Hauptstadt bewegen kann, stört die wenigsten. Im Gegenteil: Die Unterbringung auf der gut bewachten Yanggak-Insel trägt eher zum authentischen Reiseerlebnis bei - mögliches Abhören inklusive, wie ein zweiminütiger Film auf Youtube neuerdings nahelegt.

Pjöngjang hat ein Hotelproblem

Etwas mehr Annehmlichkeiten dürften es aber schon sein. Das Hotel „Yanggakdo“, 1987 von Franzosen geplant, dann aber wegen unbezahlter Rechnungen von den Nordkoreanern allein fertiggestellt, ist in die Jahre gekommen. Die tausend Zimmer sind abgewohnt, und es gibt nur einen einzigen Internetanschluss, der ausschließlich zum Schreiben von E-Mails genutzt werden darf. Auch die 1985 errichteten Doppeltürme des „Koryo“-Hotels, ebenfalls von Drehrestaurants gekrönt, haben ihre besten Zeiten hinter sich.

Außer in diesen Hotels dürfen Ausländer nur noch im „Potonggang“ und „Morangbong“ übernachten. Das „Potonggang“ wurde 1972 für eine südkoreanische Politdelegation gebaut. Damals war es das modernste im Land, obwohl man durch die Fenster nur verschwommen nach draußen sehen konnte. Seit 1991 gehört es der südkoreanischen Mun-Sekte. Die hievte es zwar auf höheres Niveau, doch werden die 162 Zimmer fast ausschließlich von japanischen Exilkoreanern belegt. Allein das „Morangbong“ verfügt über vergleichbaren Standard. Aber es hat nur zwölf Zimmer, die meist Diplomaten und UN-Mitarbeitern vorbehalten sind.

Wohin also mit den devisenstarken Besuchern? Pjöngjang hat ein Hotelproblem. Da trifft es sich, dass jetzt Kempinski ein Auge auf das Land geworfen hat und die gigantische Bauruine des „Ryugyong“-Hotels zum Leben erwecken will. Das „Ryugyong“ sollte 1987 das größte Hotel der Welt werden; 3000 Zimmer waren geplant. Doch dem Staat ging zwei Jahre darauf das Geld aus. Der pyramidenförmige Bau blieb unvollendet, bis der ägyptische Mobilfunkbetreiber Orascom 2008 begann, die 105 Stockwerke mit eisbergblauem Spiegelglas zu verkleiden.

Ohne chinesische Beteiligung geht es nicht

Dieses Werk möchte der Luxushotelbetreiber nun weiterführen. „Wir glauben, dass sich Nordkorea mittel- bis langfristig öffnet und gerade im Reisebereich sich ein sehr interessanter Markt entwickelt“, sagt Kempinskis China-Chef Michael Henssler. Bis Ende 2013 sollen die Stockwerke 70 bis 100 eingerichtet sein. In den Stockwerken 5 bis 70 sollen Büros und Appartements entstehen, in den Etagen 3 bis 5 soll es eine Shoppingmall geben. Als Gäste der 350 Hotelzimmer erwartet Henssler zunächst „Kader des nordkoreanischen Regimes“, später internationale Delegationen und Touristen.

Das „Ryugyong“ könne eine „Gelddruckmaschine“ werden, glaubt Reto Wittwer, Vorstandsvorsitzender der Kempinski AG. Ohne chinesische Beteiligung allerdings geht es auch hier nicht. Betreiber des Luxushotels wird Key International sein, ein Joint Venture mit der staatlichen Beijing Tourism Group. Mit diesem Unternehmen war Kempinski vor 25 Jahren der Einstieg in den chinesischen Markt gelungen.

Der Weg nach Nordkorea

Rundreisen Touren in die Sonderwirtschaftszone Rason werden von Koryo Tours (www.koryogroup.com) und von Young Pioneer Tours angeboten (dprk.youngpioneertours.com). Sie kosten allerdings mehr als bei chinesischen Veranstaltern.

Reiseberichte Über die Kreuzfahrt der „Mangyongbong“ gibt es einen Bericht auf Youtube. Ein Einblick in die Haustechnik des „Yanggakdo“-Hotels ist ebenfalls auf Youtube zu sehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich im 5. Stock Abhöranlagen befinden.

Veranstaltungen Die 3. „North Korean Open“ finden vom 25. bis 27. Mai 2013 statt. Lupine Travel organisiert die komplette Reise für ca. 1200 Euro, www.northkoreanopen.com.

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