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Veröffentlicht: 19.01.2013, 20:29 Uhr

Tourismus in Nordkorea Für immer Jong

Kreuzfahrten, Golfturniere und bald ein Luxushotel: Nordkorea versucht, Gäste ins Land zu locken, vor allem chinesische. Die sind zwar nicht so devisenstark wie westliche Ausländer. Doch es sind viele.

von Christoph Moeskes
© Martin Sasse/laif Soziale Pyramide: Nordkorea baut auf den Tourismus. Die gläserne Ruine des „Ryugyong“-Hotels in Pjöngjang soll demnächst eine Luxusunterkunft werden

Die Charmeoffensive begann im Sommer 2011 mit der ersten nordkoreanischen Kreuzfahrt. 130 chinesische Reiseveranstalter und Journalisten waren geladen, die Fahrt dauerte 21 Stunden und führte die Ostküste entlang. Für die Seefahrt hatte man die „Mangyongbong“, ein vierzig Jahre altes ehemaliges Frachtschiff, flottgemacht.

Besonders begeistert waren die Multiplikatoren aus China nicht, nachdem sie wohlbehalten von der Stadt Rason zum Kumgang-Gebirge gebracht worden waren. „Es gab Probleme mit dem Trinkwasser“, sagte einer, „auch die Toiletten waren in keiner guten Verfassung.“ Ein anderer sah „Verbesserungsbedarf“ in punkto Entertainment und Shopping. Ganz zu schweigen von den Plastikstühlen an Deck, dem Karaoke der Kellnerinnen unter beängstigend niedriger Decke, den stickigen Vier-Mann-Kabinen und der braunen Brühe aus dem Wasserhahn. Und doch folgte diese seltsame Veranstaltung, wie vieles im verarmten Nordkorea, einer einfachen Logik: Touristen müssen ins Land - vor allem chinesische. Die sind zwar nicht so devisenstark wie westliche Ausländer. Doch es sind viele.

Ferienfreuden sind das nicht

Das Bemühen der Führung, ausländische Besucher nach Nordkorea zu bringen, ist unübersehbar. Seit rund zwei Jahren führt sie eine regelrechte Tourismuskampagne durch. Und der neue Machthaber Kim Jong-un hat in seiner Neujahrsansprache „tiefgreifende“ wirtschaftliche und politische Reformen für 2013 versprochen.

22851147 Eine Melange, bitte! In Pjöngjang gibt es neuerdings ein Wiener Kaffeehaus auf dem Kim Il-sung Square © Martin Sasse/laif Bilderstrecke 

Das Konzept scheint aufzugehen. Rason, Starthafen der bizarren Kreuzfahrt, ist die Hauptstadt der gleichnamigen Sonderwirtschaftszone an der Grenze zu China und Russland. Fast zwanzig Jahre lang fristete das Gebiet ein kümmerliches Dasein. Dann kamen die Chinesen. Inzwischen rollen im Sommer täglich drei, vier Busse vom Grenzort Yanji nach Rason. Nordchina hat keinen Zugang zum Meer - Nordkorea hingegen reichlich.

310 Dollar kostet die fünftägige Standardtour ab Peking. Ferienfreuden sind dies allerdings nicht. Für die Sonderwirtschaftszone benötigt man zwar kein Visum, ansonsten unterscheidet sich Rason aber kaum vom übrigen Nordkorea. Bevor man seinen Fuß ins warme Ostmeer tauchen kann, müssen das örtliche Revolutionsmuseum und weitere Denkmäler besichtigt werden. Dazu werden die Touren von nordkoreanischer Staatssicherheit begleitet, und der Kontakt zur Bevölkerung wird unterbunden.

Kim Jong-Ils Golfrekord: 38 unter par

Und trotzdem ist es das, was einige suchen. „Nordkorea ist wie China in den 1980er Jahren“, sagen die Besucher aus dem großen Nachbarland. Nostalgie schwingt mit, wenn sich die Chinesen ins touristische Billigland vor ihrer Haustür aufmachen. Für viele ist es die erste Auslandsreise überhaupt. In der chinesischen Grenzstadt Dandong gibt es ein Dutzend Reisebüros, die Tagestouren ins nordkoreanische Sinuiju am anderen Ufer des Yalu vermitteln.

Das staatliche nordkoreanische Tourismusbüro befördert diese Kooperationen, wo es nur kann. Spätestens seit das Land wegen seines Nuklearprogramms mit UN-Sanktionen belegt wurde, ist der Fremdenverkehr eine der wenigen verlässlichen Einnahmequellen. Dabei ist sich das Regime bewusst, wie sonderbar die Gäste den Aufenthalt empfinden können - und münzt es gleich zum eigenen Vorteil um. „Nordkorea benutzt sein Image als verschlossenes Land und Einsiedlerreich, um die touristische Neugier zu wecken“, schreibt das Institute for Far Eastern Studies in einem Bericht.

Es dämmern goldene Zeiten, auch für westliche Veranstalter. Ende Mai 2013 finden die 3. „North Korean Open“ statt, ein Amateurturnier, das vom britischen Reiseveranstalter Lupine Travel mitausgerichtet wird. Besucher mit gutem Handicap brechen vielleicht den Rekord Kim Jong-ils von 38 unter par. Der „geliebte Führer“ soll ihn zur Eröffnung der Anlage 1987 aufgestellt haben, obwohl er vorher nie einen Golfschläger in der Hand gehabt hatte.

Authentisches Reiseerlebnis, mögliches Abhören inklusive

Offen indes sind die „North Korean Open“ nicht: Südkoreaner dürfen nicht daran teilnehmen. Das touristische Verhältnis zwischen den beiden verfeindeten Nachbarn ist mehr oder minder eingefroren, nachdem eine südkoreanische Touristin im Juli 2008 im Kumgang-Gebirge von einem nordkoreanischen Soldaten unter ungeklärten Umständen erschossen worden war. Seoul suspendierte daraufhin die beliebten Heimweh- und Wandertouren in die pittoreske Berglandschaft. Ob sich die jüngsten Ankündigungen Kim Jong-uns, das Verhältnis zu Südkorea zu verbessern, auf den Tourismus auswirken, ist derzeit ungewiss.

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