Manche Reisen beginnen schon lange vor der Abreise. Wer zum Beispiel nach Indien fahren will und im Konsulat für ein Visum ansteht, ist schon mittendrin, atmet als geduldiger Bittsteller den Geist der legendären anglo-indischen Bürokratie und bekommt angesichts der Länge der Schlange eine genaue Vorstellung von der Menschenfülle des Landes. Solche Einstimmungen sind allerdings selten geworden, weil immer weniger Länder ein Visum verlangen. Welche es noch sind, weiß das Auswärtige Amt von Amts wegen ganz genau. Auf seiner Website (www.auswaertiges-amt.de) erfährt man alles, was man wissen muß, etwa daß alle Deutsche, die in Afghanistan geboren sind, kein Visum für dieses Land brauchen, daß im Irak nur Soldaten der multinationalen Streitkräfte von der allgemeinen Visumpflicht ausgenommen sind und daß sich kein Land so kapriziös anstellt wie der Hauptbündnispartner und beste Völkerfreund, die Vereinigten Staaten. Hier kapituliert sogar das Außenministerium, verzichtet auf die Erklärung sämtlicher Details und verweist auf die Seite der Kollegen in Washington (www.immigration.gov).
Flagge statt Stempel
Wer ein Visum braucht, aber nicht selbst anstehen will, kann auf Visa-Beschaffungsdienste zurückgreifen, die alle Formalitäten erledigen und auf Wunsch den gestempelten Paß wieder beim Kunden abliefern. Je nach Aufwand kostet der Service meist zwischen zwanzig und achtzig Euro. Seit zehn Jahren im Geschäft ist die Visum-Centrale mit ihrer professionell gestalteten Website (www.visum-centrale.de). Überaus praktisch ist, daß man die notwendigen Originalformulare gleich herunterladen und sich beim "Visum Tracking" jederzeit über den aktuellen Bearbeitungsstand seines Visums erkundigen kann. Ähnlich gut ist die Seite www.visaexpress.de, auch sie hat die Formulare sogar für verschiedene Betriebssysteme parat und außerdem für jedes Land Links zu den Sicherheitshinweisen des Außenministeriums und der jeweiligen Botschaft. Einen ebenso guten Eindruck macht die Seite www.visum.de.
Deutlich bescheidener sind die Web-Auftritte von www.visafrankfurt.de und www.visumservice.de. Hier gibt es keine Downloads und keine Links, zudem nur eine bescheidene Auswahl an visumpflichtigen Ländern, und wenn man auf die Flagge des gewünschten Staates klickt, bekommt man statt Einreiseinformationen die Möglichkeit, online eine "Internationale Hißflagge im Querformat" zu kaufen. Zwei Meter mal dreifünfunddreißig Indien kosten stolze 191,70 Euro. Dafür gewinnt man mit dem Fahnentuch in der Warteschlange bestimmt spontan Sympathien.