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Terminal www.hongkong

09.10.2003 ·  Es ist eine Todsünde in Hongkong, beim Essen den Fisch zum Entgräten auf den Rücken zu legen. Das bringt den Fischern Unglück, denn das umgedrehte Tier symbolisiert ein gekentertes Boot.

Von Jakob Strobel y Serra
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Es ist eine Todsünde in Hongkong, beim Essen den Fisch zum Entgräten auf den Rücken zu legen. Das bringt den Fischern Unglück, denn das umgedrehte Tier symbolisiert ein gekentertes Boot. Daraus lernt man dieses: Die Hongkong-Chinesen sind, erstens, äußerst abergläubisch und nehmen es, zweitens, mit dem Essen sehr ernst. Davon kann man sich auch auf der Website des Fremdenverkehrsamtes von Hongkong überzeugen (www.hkta. org). Sie widmet sich kaum einem anderen Thema so ausführlich wie Geisterglauben und Küchenkunst, einschließlich einer Erklärung des Fests vom "hungry ghost" und einer Animation zum richtigen Gebrauch von Eßstäbchen. Bevor man das alles und mehr über die Stadt erfährt, kann man sich davon überzeugen, daß Hongkong eine weitere Leidenschaft hat: das Spielen, und nicht nur um Geld. Die Homepage ist aus purer Lust an der Buntheit so verspielt, daß darunter manchmal die Übersichtlichkeit leidet. In einem endlosen Intro fliegen Vögel von links nach rechts, purzeln Teller von oben nach unten, hüpft ein Ziegenbock über die Seite. Dann erst kann man seinen Namen und sein Herkunftsland eingeben, um fortan in seiner Landessprache persönlich begrüßt zu werden. Bei Deutschland funktioniert das toll. Klickt man allerdings Afghanistan oder Sudan an, ist die Seite mit ihrem Latein am Ende.

Was das Netz sonst noch zu Hongkong bietet, ist überraschend schwach. Es gibt virtuelle Reisebüros wie www.hongkong-tour. com, bei denen man Touren durch die ehemalige Kronkolonie buchen kann, und Hoteldatenbanken wie www.hk-hotel.com, die übersichtlich die aktuellen Sonderangebote aufbereiten. Was in der Stadt los ist, erfährt man bei dem gut gemachten, elektronischen Veranstaltungskalender www.calendarone.com, der auch über andere Städte in Südostasien und Australien informiert.

Selbst bei den privaten Homepages muß man lange suchen, bis man etwas Brauchbares zu Hongkong findet - wie die unauffällige Seite eines gewissen Tobias (www.tobias-wrede.de/hk), der ein Praktikum in der Stadt gemacht hat und ein paar nette Tips hat, wo man ein Bier trinken oder seine Ruhe haben kann. Er wohnte übrigens in einem Sechsquadratmeterzimmer in einer Vierer-Wohngemeinschaft für knapp fünfhundert Euro, wobei der günstige Preis auch einer sechsspurigen Schnellstraße zu verdanken war, die in Höhe des dritten Stocks am Haus vorbeifuhr. Vielleicht bringt wenigstens das Glück.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2003, Nr. 234 / Seite R4
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