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Tasmanien : Expedition in die Unterwelt

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Der Teufel, leibhaftig. Meist hat er schlechte Laune Bild: F.A.Z.-Ivo Goetz

Beutelteufel leben nur noch auf Tasmanien. Doch auch in der Urzeit-Welt der australischen Insel hat sich die Zahl der hundsgroßen Aasfresser in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Denn viele Tiere leiden an Krebs.

          Die Sonne glühte durch ein Wolkenloch und tauchte die Landschaft in unbekanntes Licht. Es war Winter, die Eukalyptusbäume waren voller Blätter, fremde Gräser und Farne legten sich in den Wind, und die Wiesen leuchteten in allen erdenklichen Grüntönen. So muss die Erde vor ein paar Millionen Jahren ausgesehen haben.

          Etwas von der Größe einer Katze mit getüpfeltem Fell und großen Augen verschwand so schnell, wie es aufgetaucht war, wieder im Gestrüpp. Ein rechteckiger Fellquader bewegte sich über eine Wiese, als wäre er ein ferngesteuertes Kinderspielzeug. Hasengroße Pademelons und etwas größere Bennet-Wallabies, beide aus der Familie der Känguruhs, saßen im Gras. Es war später Nachmittag in Tasmanien.

          Pelze mit glühenden Augen

          Der Wind wehte stark und böig; das Allradfahrzeug war kaum in der Spur zu halten. Geoff King, ein Farmer, dessen Familie seit Generationen im rauhen Nordwesten Tasmaniens am Arthur River verwurzelt ist, steuerte den Wagen an den Straßenrand. „Das getüpfelte Tier war ein Quoll, ein Tüpfelbeutelmarder“, sagte er. Der braune Fellhaufen, der auf der Wiese saß, war ein Wombat aus der Familie der Plumpbeutler. Durch uns aufgescheucht, streckte das Tier die kurzen Beine und rannte davon.

          So muß die Erde vor Millionen Jahren ausgesehen haben

          Geoff hob auf, was auf der Straße lag. „Das ist ein Wallaby, ein typischer roadkill.“ Er faßte in den Beutel, manchmal überlebt ein Junges und muß dann von Hand aufgepäppelt werden. Der Beutel war leer. Fährt man im Dunkeln über Tasmaniens Straßen, muß man sehr vorsichtig sein. Ständig huscht ein Pelz mit glühenden Augen im Scheinwerferlicht über die Straße, schlägt panisch Haken, flüchtet ins Gebüsch oder auf einen Baum.

          Bestialischer Gestank

          Die Tierwelt in Tasmanien ist einzigartig. Es gibt Schnabeligel, die wie eine Kreuzung aus Stachelschwein und Ameisenbär aussehen. Sie sind neben dem Schnabeltier die einzigen eierlegenden Säugetiere. Am häufigsten sieht man Beuteltiere, etwa das getüpfelte Quoll, einige Känguruharten, verschiedene Possums wie das Ringtailpossum, Ringelschwanzbeutler genannt, oder das Bandicoot, ein Kaninchenbeutler. Einige Mitglieder der Beuteltierfamilie werden nur mausgroß, andere wie das Forester-Känguruh, bis zu zwei Meter groß. Sie alle sind Nachfahren der großen fleischfressenden Raubbeutler, die den australischen Kontinent vor 15 Millionen Jahren bewohnten.

          Geoff warf das überfahrene Wallaby in eine Plastikwanne auf der Ladefläche des Toyotas. Ein ziemlich blutiges Brushtailpossum, auch Fuchskusu genannt, mit Jungem lag schon darin. Es stank bestialisch. „Damit lockt man Teufel an“, sagte er. Wir hatten uns nämlich mit Geoff getroffen, um Tasmanische Beutelteufel in der Wildnis zu beobachten. Der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) heißt hier Tasmanian Devil, ist ein hundsgroßes, sehr robustes Beuteltier mit kurzem schwarzem Fell, ein paar weißen Flecken und Streifen und einem sehr kräftigen Gebiß.

          Wie man Teufel anlockt

          Dieser Beutelmarder lebt nur noch auf Tasmanien. Vom australischen Festland ist er vor ungefähr 600 Jahren verschwunden. Er frißt fast ausschließlich Aas. Deshalb nimmt Geoff den roadkill mit. Ist der Teufel im Freßrausch, wird er sehr oft selbst zum Verkehrsopfer, wenn er sich in einen Kadaver auf der Straße verbissen hat. Geoff räumt auch deshalb überfahrene Tiere von der Fahrbahn. Mittlerweile hantiert er mit einem Draht und dem stinkenden Fuchskusu. „Wir ziehen jetzt den Kadaver hinter dem Auto durch das Gelände und legen so eine Geruchsspur, die den Teufel anlockt.“

          Wir fahren durch hügeliges Grasland, zwischen Felsen hindurch, die von farbigen Flechten bedeckt sind. Das Meer an der Küste der zweihundert Kilometer breiten Bass Strait, die Tasmanien vom australischen Kontinent trennt, ist vom Wind aufgewühlt, wirft sich auf die Felsen, übertönt alles. Wir sind an Geoff Kings alter Fischerhütte angekommen. Hier sollen wir Teufel finden.

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