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Sydney Harbour Bridge Eine Brücke für die ganze Welt

27.03.2007 ·  Die Harbour Bridge ist nicht die größte Brücke der Welt. Ihren Rang gewinnt sie aus dem Umstand, dass sie dort steht, wo sie steht und das majestätische Tor zur Weltmetropole Sydney bildet. Nun wurde die Ikone Australiens 75.

Von Andreas Obst
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Aus Stahl und Beton errichten die modernen Zivilisationen ihre größten Monumente, zu denen die Menschen pilgern, um ehrfürchtig aufzuschauen. Die natürlichen Materialien früherer Epochen haben ausgedient, auch wenn ihre Haltbarkeit für die Ewigkeit erwiesen ist. Die Erdwälle der Römer, die Pyramiden in Ägypten und die Tempel der Azteken sind Bauwerke, die ihre ursprüngliche Funktion längst verloren haben und heute nur noch als ästhetische Zeugnisse vergangener Epochen wahrgenommen werden.

Der Eiffelturm hingegen oder das Empire State Building erscheinen uns gegenwärtig, als seien sie gerade erst errichtet worden. Die architektonischen Ausrufungszeichen der Moderne bestimmt, dass sie Bestandteil des Alltags der Menschen sind. Ein Hochhaus ist eben zuallererst ein Haus, das hoch aufragt, das vielen Menschen Platz bietet zum Arbeiten und zum Wohnen und von dessen Dach man einen weiten Ausblick hat. Und je höher das Haus aufragt, desto weiter reicht der Blick.

Plan zur Brücke ein halbes Jahrhundert lang diskutiert

Eine Brücke dient zunächst vor allem der Verbindung zweier Stücke Land über einen Fluss, über eine Schlucht oder einen Arm des Meers. Die Brücke bildet die kürzeste Verbindung von hier nach dort. Während sich die Sensation des Hochhauses nach seiner Vertikalen bemisst, definiert sich der Rang einer Brücke nach ihrer Spannweite. Und auftrumpfen lässt sich hier wie dort mit der Menge an Material, das verbaut wurde. Dennoch sind auch Hochhäuser und Brücken zu Monumenten in der Ikonographie der Menschheit geworden - zeitlos und ewig.

Zu den spektakulärsten Brücken der Welt zählt die Sydney Harbour Bridge. Zunächst stand sie nur für die Erfüllung des Traums der frühen Kolonialisten, eine Verbindung zwischen Nord- und Südküste der Stadt zu schaffen, deren ewige Schönheit sich jenseits aller Menschenwerke den Gegebenheiten der Topographie verdankt. Der Plan für eine Brücke über die Hafeneinfahrt wurde ein halbes Jahrhundert lang diskutiert, bevor die Bauarbeiten Mitte der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts tatsächlich begannen. Der Stahl für das Monument musste zum Großteil aus England herbeigeschafft werden, der verbaute Granit und der Beton immerhin stammten aus Australien.

Das majestätische Tor zu einer Weltmetropole

Das war wichtig, denn dass die Sydney Harbour Bridge das berühmteste Bauwerk des Kontinents sein sollte, stand bereits bei der feierlichen Eröffnung fest - fast auf den Tag vor fünfundsiebzig Jahren, am 19. März 1932. Inzwischen allerdings zählt längst nicht mehr die Sensation des Machbaren eines solchen Bauwerks, weil es heute größere, längere und schwerere Brücken anderswo auf der Welt gibt. Auch mit der Zahl von Fahrzeugen und Menschen, die täglich die Sydney Harbour Bridge nutzen - auf acht Straßenspuren, zwei Bahngleisen, einem Weg für Fahrradfahrer und einem für Fußgänger -, lässt sich nicht mehr allein renommieren. Ihren Rang gewinnt die Brücke vielmehr aus dem Umstand, dass sie dort steht, wo sie steht: als majestätisches Tor zu einer Weltmetropole.

Als genügte das nicht, erhebt sich in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein weiteres Bauwerk, das als architektonisches Unikat vor fünfunddreißig Jahren nicht wider die Brücke gesetzt wurde, sondern gleichsam daneben, als ästhetisches Gegengewicht: Das Opernhaus von Syndey scheint mit seiner segelartigen Dachkonstruktion über das Wasser zu schweben - auf die Hafenbrücke zu oder von ihr weg, ganz wie es dem Betrachter erscheinen will.

Unvergleichlicher Blick aus der Höhe des Bauwerks

Vollends zur Ikone wurde die Sydney Harbour Bridge vor achteinhalb Jahren mit der Erfindung des „Bridge Climb“, der Brückenbesteigung vom östlichen Pylon auf dem begehbaren Stahlbogen hinauf zum Scheitelpunkt des Stahlkolosses, genau 134 Meter über dem Meer. Die Firma BridgeClimb ist heute das erfolgreichste Tourismusunternehmen der Stadt, fast zwei Millionen Menschen sind bisher über den Rahmen der Hafenbrücke gestiegen: 1439 Stufen hinauf und hinunter. Der Einfall für diese Attraktion kam dem Geschäftsmann Paul Cave. Sein Schwiegervater hatte als Familienschatz die erste Fahrkarte für die allererste Überquerung der Brücke mit der Eisenbahn aufbewahrt.

In Sydney gehört die Hafenbrücke zum täglichen Leben. Wer es sich leisten kann, wohnt so, dass er aus dem Fenster die Brücke sehen kann. Doch ganz unvergleichlich ist der Blick aus der Höhe des Bauwerks hinab: Man sieht in das kunstvoll mächtige Geflecht der Stahlkonstruktion, hinweg über die Schwingen der Oper, hinweg über die Dächer der Stadt. Hier oben, auf dem Gipfel der Sydney Harbour Bridge, meint man einen wundervollen Augenblick lang, die ganze Welt liege einem zu Füßen.

Information: Die Besteigung der Sydney Harbour Bridge dauert dreieinhalb Stunden und kostet ab 169 australische Dollar (knapp 102 Euro), je nach Tageszeit. Im Preis eingeschlossen sind die Führung in Gruppen bis zu zwölf Personen auf den Scheitelpunkt der Brücke und zurück sowie ein Gruppenfoto und ein Zertifikat. Informationen und Buchungen unter der Telefonnummer 0061/2/82747777 und im Internet: www.bridgeclimb.com.

Quelle: F.A.Z., 22.03.2007, Nr. 69 / Seite R14
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