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Surfen in Neuseeland : Bis ans Ende der Welle

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Steiniger Weg: Manu Bay begründete vor 50 Jahren Raglans Ruhm als Surfstädtchen. Bild: Evan Timpy

Raglan ist Neuseelands legendärster Surfspot. Und ein guter Ort, sich im endlosen Sommer zu verlieren.

          An guten Tagen bekommen die Kassiererinnen im Supermarkt an der Bow Street glasige Augen. Immer wieder konsultieren sie ihre Smartphones und die Kundschaft: Wie stark ist die Dünung, wie regelmäßig kommen die Wellen herein, und an welchem Point brechen sie am schönsten - in Manu, Indicators, Whale Bay oder doch in Ruapuke? Es sind Fragen, die man in Raglan oft gestellt bekommt: an der Tankstelle, in der Bäckerei oder eben im Supermarkt, dem einzigen im Ort. Im neuseeländischen Sommer verdreifacht sich die Einwohnerzahl auf etwa 9000, zwischen Mai und September bleiben die Einheimischen dagegen weitgehend unter sich. So wie früher.

          Jahrzehntelang war Raglan nämlich ein ganz normales Dorf an der Westküste der neuseeländischen Nordinsel, sehr beschaulich sagen die einen, ganz langweilig die anderen. Behütet vom Mount Karioi, der wie ein angebissener Apfelschnitz im Südwesten aufragt und am Naturhafen Whaingaroa gelegen, ist seine Umgebung außerordentlich idyllisch. Die Neuseeländer fuhren trotzdem lieber an die Ostküste, weil sie die dunklen Vulkanstrände der rauhen Westküste nicht mochten, wo starke Strömungen das Baden gefährlich machen.

          „The Endless Summer“

          Vor fünfzig Jahren, am Weihnachtstag 1963, kam der Amerikaner Bruce Brown nach Raglan und drehte ein paar Szenen für „The Endless Summer“, den legendären Surffilm, der seine Protagonisten einmal um die ganze Welt führt, nach West- und Südafrika, Tahiti, Hawaii, Australien und eben Neuseeland.

          Damals war Surfen außerhalb Kaliforniens eine Sache für ein paar Verrückte, den harten Kern. In Raglan hatte erst wenige Jahre zuvor der Einheimische Peter Miller sein selbstgebautes Malibu-Brett über die Weide eines Maori-Farmers geschleppt und den Surfspot entdeckt, der heute als Manu Bay bekannt ist, den vielleicht besten left-hand point break der Welt (was bedeutet, das die Welle vom Surfer aus gesehen rechts anfängt zu brechen und ihn nach links trägt). Weiter die Küste hinunter folgen Whale Bay und Indicators sowie das eine Stunde Schotterweg entfernte Ruapuke, ein wilder und einsamer schwarzer Strand, an dem sich Schafe und Wellen gute Nacht sagen.

          „The Endless Summer“ kam 1966 ins Kino. Der Film offenbarte Generationen von jungen Menschen die Vision von der ewigen Surf-Wanderschaft, immer auf der Suche nach der perfekten Welle, die natürlich so abgelegen und geheim ist, dass man sie ganz für sich hat. Es ist ein Mythos, der auch im Zeitalter der Surf-Industrie und ihrer millionenschweren Marketingkampagnen lebendiger denn je ist und die Menschen bis ans Ende der Welt führt. Raglan gilt heute als die beste Surfdestination Neuseelands und einer der besten Spots der Welt. Doch im Gegensatz zu anderen Surfstädtchen ist es keine Touristenkolonie. Junge Australier, Briten, Deutsche und Amerikaner surfen hier mit den Einheimischen, die nicht selten selbst als Besucher herkamen und dann hängengeblieben sind.

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