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Montag, 13. Februar 2012
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Südafrika Der schwarzweiße Regenbogen

09.04.2010 ·  Südafrika ist ein Land so vieler Wirklichkeiten, dass man sie unmöglich in Einklang bringen kann - nicht einmal in Kapstadt, der unafrikanischsten Stadt Afrikas. Irgendwann kapituliert man - und merkt: Das ist gar nicht schlimm.

Von Jakob Strobel y Serra
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Liebe macht blind. Aber nicht farbenblind. Doch das sieht man erst viel später, weil man am Anfang ganz berauscht ist von der hemmungslosen Anti-Apartheid, die an der Victoria&Alfred Waterfront in Kapstadt zelebriert wird. Hier wird alles gemischt und nichts getrennt, schwarz und weiß, reich und arm, Glanz und Dreck, Original und Fälschung. Die Waterfront ist Herzkammer des südafrikanischen Tourismus, Wohnzimmer der Kapstädter aller Kolorierungen, Laufsteg der lokalen Jeunesse dorée, Arbeitsplatz schwer schuftender Schweißer und diskreter, mit ausgesuchter Höflichkeit nach Essensresten fragender Bettler. Vor allem aber ist sie das schönste Schlussbild jeder Afrika-Reise mit dem Tafelberg als Sensationskulisse, der wie eine starke, steinerne Amme seine Arme ausbreitet, um der Waterfront und ganz Kapstadt Schutz zu geben wovor auch immer, Gefahren gibt es genug.

In seiner Obhut liegt unter Königspalmen ein Sammelsurium unbekümmerter Künstlichkeit, zusammengewürfelt aus Luxushotels, Terrassenrestaurants, Souvenirsupermärkten, Rolls-Royce-Händlern, Biergartenimitationen, Playmobil-Piratenausflugsschiffen, viktorianischen Erbstücken, historisierenden Architekturbastarden mit brennender Liebe zu Erker und Giebel und jetzt auch dem Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft. Es ist ein wundervoll luftiges, schneeweiß schwebendes, an einen Papierlampion erinnerndes Riesennest aus dem Büro Gerkan, Marg und Partner. Zur Zartheit seiner gazegleichen Außenhaut wollen nur die Verbotsschilder nicht so recht passen, die mit enzyklopädischem Eifer auflisten, was man alles nicht ins Stadion mitnehmen darf - weder Schusswaffen noch Springmesser, nicht Speer, nicht Schild, keine Elektroschocker und Laserwaffen und schon gar nicht die alte Apartheidsflagge, manche Narben sind noch zu frisch.

Das Greenpoint Stadium hat mehr als vierhundert Millionen Euro gekostet, man lässt sich nicht lumpen, wenn die Welt zu Gast ist. Man lässt sich auch sonst nicht lumpen an der Waterfront. Hier stehen das angeblich teuerste Hotel des Kontinents, dessen Portiers zum schwarzen Anzug neckische Leoparden-Westchen tragen, und gleich im Dutzend Apartmentblöcke mit Wohnungen für zwei Millionen Euro und Blick auf die eigene Yacht. Sie liegt einträchtig neben rostigen Schleppern und ächzenden Seelenverkäufern, die aussehen, als sei ihre nächste auch ihre letzte Fahrt. Denn hier ist nicht nur Platz für Glamour, sondern auch für Werften, Docks, Kräne, Lagerhallen, ganz so, als sollte im Post-Apartheid-Südafrika selbst der Luxus nicht mehr den Schutz der Segregation genießen. Es riecht nach Farbe und Schweiß und Öl, die Luft ist voller Hammerschläge und Flüche und Funken, und unter die hochhackigen Alabasterschönheiten im "Kleinen Schwarzen" mischen sich die schwarzen Hafenarbeiter mit Blaumann und Schutzhelm und einer solchen Selbstverständlichkeit, dass einem die dunkle Zeit der Rassentrennung Jahrhunderte weit weg erscheint.

Sie liegt aber nur sieben Seemeilen vor der Waterfront. Am Horizont schimmert wie ein ferner böser Traum die Gefängnisinsel Robben Island, auf der Nelson Mandela achtzehn Jahre lang eingesperrt war. Jetzt ist sie eher ein Gruselausflugsziel als ein Mahnmal der menschlichen Schlechtheit. Und das Pier für die Touristenboote - was für eine schöne Ironisierung der Geschichte - heißt "Nelson Mandela Gateway to Robben Island", als hätte es Mandela ständig benutzt und nicht nur ein einziges Mal in seinem Leben. Der Held aller Südafrikaner steht derweil stoisch und lebensgroß als Bronzeplastik gemeinsam mit den drei anderen Friedensnobelpreisträgern des Landes an der Waterfront. Ein wenig gedrungen wie ein karnevalistischer Schwellkopp sieht er aus, doch das ist den Leuten egal: Sie lehnen sich liebend gerne an Mandela, legen ihren Kopf an seine Schulter und lassen sich mit ihm fotografieren, stolz und gerührt, gleich ob schwarz oder weiß, jung oder alt, einzeln oder als Paar, es ist wunderbar zu sehen, wie sehr ihn alle verehren. Und dann fällt einem plötzlich auf, was man die ganze Zeit nicht gesehen hat: Alle Paare, die sich mit dem größten Südafrikaner aller Zeiten fotografieren lassen, sind schwarz oder weiß und keines ist schwarz-weiß.

Leben im Township

"Tik ist der Tod", sagt der Mann, der mit dem Leben davongekommen ist, aber nur ganz knapp. "Tik nehmen hier im Township alle. Es hält dich wach und frisst dich auf. Weißt du, dass es Hitler seinen Soldaten gegeben hat, damit sie in der Schlacht nicht einschlafen. Wir strecken es mit Waschpulver, das macht es noch stärker, das mit dem Waschpulver funktioniert übrigens mit jeder Droge, das ist das Beste. Und dann rauchen wir es wie Crack aus der Pfeife." Der Mann macht es mit seinem Schlüsselbund nach, denn eine Pfeife hat er seit vier Jahren nicht mehr. "Ich bin clean, Gott sei Dank", sagt er und hebt den Blick, der fast schon erloschen war und auch jetzt nur noch flackert in seinen trüben, müden Augen, langsam zum Himmel, um dem Allmächtigen Dank zu sagen. "Ich war ein Gangster und ständig im Knast, aber jetzt bin ich ein wiedergeborener Christ, ein Pfingstler, weißt du, das sind die, die in der Kirche klatschen und schreien." Der Mann lächelt, unmerklich fast, doch mit einer Unerschütterlichkeit, die nur Glauben geben kann. Dann kümmert er sich wieder um sein Gemüsebeet in der stacheldrahtumzäunten Vorschule des Townships Capricorn, die weiße Menschen mit guten Absichten und vielleicht auch schlechtem Gewissen spendiert haben, eine Trutzburg für fünfzig Kinder gegen Verwahrlosung und frühen Tod, ein Tropfen, nein, ein paar Moleküle auf den heißen Stein.

Township sagt man heute nicht mehr, weil es ein Rassistenwort ist, man sagt jetzt Location. Doch das macht es nicht besser und nicht schlechter, Capricorn bleibt Capricorn - ein typisches südafrikanisches Armutsquartier mit Minimalinfrastruktur, mit Kirchen, Schulen und Tante-Emma-Läden in ausrangierten Vierzig-Fuß-Containern, weil man die sicher abschließen kann; mit Dixie-Klos, angezapften Stromleitungen und Straßenlaternen, die tagsüber niemand ausschaltet und die dem Township ein seltsam surrealistisches Licht spenden; mit asphaltierten Straßen, durch die Einkaufswagen geschoben werden, die Autos der Allerärmsten, mit den blitzblank polierten BMWs der Drogenhändler und den Patrouillen des allgegenwärtigen privaten Sicherheitsdienstes ADT, der grimmig "Armed response" androht, wir schießen zurück, wenn ihr schießt, und zwar sofort. Denn ein Township ist kein Flüchtlingslager, kein Elendsabgrund, sondern Urbanität, wenn auch in ihrer primitivsten Form. Es ist die Heimat von mindestens jedem zweiten Kapstädter, von Menschen, die hier etwas zu verlieren und zu bewachen haben, Häuschen aus Stein und Wellblech mit Gardinen vor den Fenstern und Vorgärten mit Autoreifen als Jägerzaunersatz - Platz genug auch für ein bisschen Würde, nicht nur für Hoffnungslosigkeit.

Weiße aber haben dort nichts verloren. Wenn man einen weißen Menschen sieht, dann höchstens eine Hausfrau, die ihr Hausmädchen nach Hause bringt, das geht. Die Weißen wohnen in Constantia, zwei Prozent schwarze Bevölkerung ohne Hauspersonal, zehn Minuten von Capricorn entfernt, in Sichtweite an der Rückseite des Tafelberges. Sie leben zwischen Weinbergen, unter Frangipani, auf Rasengrundstücken, die zweihundert Capricorn-Familien Platz böten, in Häusern, die so weiß sind wie ihre Haut, in Gärten, in denen noch nicht einmal die Lauben aus Wellblech sind. Von Capricorn aus sind die Rebenreihen an den Bergflanken gut zu sehen, der älteste Wein Südafrikas wird dort angebaut, manche sagen, es sei der beste. "Unser Wein kostet dreißig Rand je Fünf-Liter-Kanister", sagt der Mann, den Gott gerettet hat, drei Euro, um das Elend wegzudröhnen, vor allem am Wochenende, wenn es Geld gibt und dann fast immer Gewalt, anders geht es nicht, der Leidensdruck ist zu groß. Acht von zehn Menschen in Capricorn sind arbeitslos, sechs von zehn haben Aids, keiner von zehn wird siebzig. "Wer hier älter als vierzig wird, hat Glück oder auch nicht", sagt der geläuterte Mann, der fünfzig ist und wie siebzig aussieht. Wie soll man da einem siebzehnjährigen Mädchen sagen, dass es nicht schon wieder schwanger werden soll, weil es sich so sein Leben verbaut. Es würde einem antworten: Ich will wenigstens ein paar Jahre mit meinen Kindern haben, bevor ich sterbe.

Die deutsch-südafrikanische Waffenbruderschaft

Die deutsch-südafrikanische Waffenbruderschaft steht felsenfest wie der Tafelberg und wird im Zweijahresrhythmus bei gemeinsamen Manövern weiter zementiert. Gesellschaftlicher Höhepunkt: der Empfang für die deutsche Kap-Gemeinde auf einem Kriegsschiff, dieses Mal die Fregatte "Niedersachsen", mausgrau der Stahl, blütenweiß die Uniformen, feuerrot der Sonnenuntergang, ein Bild wie aus dem Kriegsmarinepoesiealbum. Reden, Toasts, Freundschaftsschwüre, Applaus, Kameraden, das Büfett ist eröffnet. Die Kombüse hat sich ins Zeug gelegt, alle Achtung, Skulpturen aus Krebsen, Canapés als Bötchen, der Truthahn eine Fleischpyramide, dafür gibt es das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold. Der Mundschenk der Marine aber - zehn Tage verschärfter Arrest. Denn er hat halbtrockenen Wein zehntausend Kilometer weit aus Deutschland herangeschafft, eine Plörre zum Schiffeversenken, und das in Schussweite der Weinberge von Constantia mit ihren Sauvignons und Semillons, schweres Versagen, fast kriegsentscheidend, zwanzig Tage Arrest. Wenigstens gibt es deutsches Bier vom Fass, Ruhm und Ehre der Kriegsmarine gerettet.

An Bord schweres Geschütz, die Crème der deutschen Exilanten. Wie viele es genau sind, weiß noch nicht einmal der deutsche Generalkonsul, dreißigtausend, vierzigtausend, fünfzigtausend, er zuckt mit den Achseln. Man kennt sich, man plaudert, man lernt sich kennen, was machen Sie so? Nichts mehr, zur Ruhe gesetzt, sagt das ältere Ehepaar, sehr gepflegte Erscheinungen, teurer Schmuck, makelloses Make-up, sie eine Schönheitssalonschönheit mit glänzender Alterungsvorsorge, er Schnauzbartträger mit leichtem Übergewicht, Typ Bauunternehmer. Das Paar sieht nicht aus, als habe das Leben es viel Kraft und Mühen gekostet, jetzt sowieso nicht mehr. Wir wohnen jetzt in Clifton, dem Millionärsvorort Richtung Indischen Ozean, Steillage mit Meerblick, sehr schön, sehr sicher, sehr ruhig. Nein, auf die Weltmeisterschaft freuen wir uns nicht, wir werden nicht hier sein, den Rummel tun wir uns doch nicht an, wir sind doch nicht verrückt. Heiseres Lachen, degoutierender Blick, Nippen am Sekt - der ist auch halbtrocken, dreißig Tage Arrest! Aber sonst fühlen wir uns doch ganz wohl in Südafrika, trotz allem, trotz Präsident Zuma und seinen vielen Frauen, und erst die vielen Kinder, wie viele sind es jetzt, zwanzig, einundzwanzig, zeugungswütig der Mann, nein, der ist nicht unser Freund, ganz und gar nicht. Hysterisches Lachen, verächtlicher Blick, dann gönnerhafte Milde: Immerhin, dafür, dass wir von Schwarzen regiert werden, geht es ja gar nicht so schlecht.

Rassisten sind eine zähe Rasse. Manche merken gar nicht, dass sie es sind, dass sie alles, was sie besitzen, Afrika verdanken, ohne Afrika je etwas gegeben zu haben. Und sie merken nicht, dass sie immer einsamer werden, nicht nur auf der „;Niedersachsen“. „Ich bin diesen Afrika-Pessimismus so etwas von leid“, sagt der Hotelier, dessen Liebe zu Südafrika in seinen Augen glüht wie jetzt die Abendsonne am Horizont. Er lebt seit Ewigkeiten hier, sein Vater ist ein berühmter deutscher Fernsehschnellsprecher, auch dem Sohn sprudeln Wortkaskaden aus dem Mund. „Wir haben wahnsinnige Fortschritte gemacht seit den ersten freien Wahlen 1994, unglaublich, reine Erfolgsgeschichte, hier hat sich so vieles bewegt, fast alles zum Besseren. Und die Fußball-Weltmeisterschaft wird großartig, ich freue mich wahnsinnig darauf. Sie wird für eine Galvanisierung Südafrikas sorgen, sie wird uns endgültig zur Regenbogennation machen“, sagt der Hotelier und sagt noch vieles, vieles mehr, ein kluger Mann mit klarem Blick, der weiß, dass es, wenn überhaupt, nur einen Verlierer der Post-Apartheid-Ära gibt: die armen Schwarzen in ihren Townships. Die Weißen haben so gut wie nichts verloren. Sie haben immer noch drei Autos und fußballfeldgroße Grundstücke und Apartments in Clifton oder Constantia, die niemand angezündet hat aus Rache und Zorn und Vergeltung für die Ausplünderung, die Unterdrückung, für all das schreiende Unrecht aus drei Jahrhunderten. Das ist das südafrikanische Wunder seit der Abschaffung der Rassentrennung. Es ist ein weißes Wunder.

Ein Ort vollkommener Unbestimmtheit

Kapstadt macht keine Angst. Angst macht vielleicht das, was man gehört, gelesen hat, aber nicht das, was man sieht und spürt. In Kapstadt bewegt man sich wie in jeder europäischen Stadt, tagsüber, nachts, zu Fuß, mit dem Auto. Man kann mit offenem Fenster durch das Zentrum fahren, in Johannesburg, sagen die Kapstädter, machen das nur Selbstmörder und Schwerverbrecher. In Kapstadt fühlt man sich nie bedroht und nie fremd. Man ist seltsam zu Hause und doch auch nicht - es ist so, als höre der Schwarze Kontinent am Tafelberg jäh auf, als liege zu seinen Füßen eine Stadt jenseits von Afrika, ein Ort bar jeder Geographie, ein Ort vollkommener Unbestimmtheit, elegant, europäisch, extrovertiert, exterritorial, ein bisschen kokett und kapriziös, ein Heimathafen für die Heimatlosen, früher wie heute, ein Nest für die Vertriebenen des Abendlandes, die vor dem Winter flüchten oder vor Steuerbehörden.

Nur eine einzige Angst hat man in Kapstadt: träge zu werden vor lauter Annehmlichkeiten. Man sitzt in den Cafés in der Fußgängerzone, wahrscheinlich der einzigen südlich der Sahara, und lässt den Kosmopolitismus an sich vorbeischlendern, geht abends in die Kneipen an der Long Street mit ihren viktorianischen Zuckerbäckerschnörkeleien, die eigentlich für die Jungen und die Backpacker reserviert ist, zur Weltmeisterschaft aber Fanmeile für alle sein wird - in Kneipen, die Ché Guevara geweiht und mit seinen Porträts in Andy-Warhol-Manier ausstaffiert sind, dazwischen aber eine echte Ikone verstecken, eine mit Maria, man kann ja nie wissen, vielleicht gibt es Gott ja doch. Oder man sitzt in den schönen Weinbars am Heritage Square, einem alten Lagerhallenkomplex aus der Zeit der niederländischen Ostindischen Kompagnie, der auf superchic gemacht ist, so wie die ganze Stadt, mit Gourmetrestaurants, Kunstgalerien, Boutiquehotels und dem Charme der guten bösen alten Zeit, die manchmal mit einem höhnischen Grinsen in die Gegenwart glotzt: Die Knaufe an den Türen der Hotels sind in Kniehöhe befestigt, damit sich die Schwarzen früher beim Öffnen der Türen für die Weißen automatisch verbeugen mussten. Heute halten sich die Rassen gegenseitig die Türen auf, die Jungen kennen es nicht anders, wie denn auch. Für uns ist die Apartheid Unterrichtsstoff, nicht Lebenserfahrung, so weit weg wie für die Zwanzigjährigen in Deutschland Erich Honecker, sagen die drei Studenten, wohlerzogene Weiße mit Flausen, aber keinen Ressentiments im Kopf. Sie sitzen in einer Studentenkneipe im Observatory-Viertel hinter der Universität, einer Gegend voller Strandbars mit echtem Sand mitten in der Stadt, falscher mexikanischen Cantinas und richtigen Friseursalons, die nach Sonnenuntergang Bier zum Haareschneiden servieren und Tanzmusik zur Dauerwelle spielen. Schwarz und weiß sind hier die Gäste, schwarz und weiß die Kellner, nur die Paare nicht, selbst hier nicht. Warum, wissen sie auch nicht so genau, sagen die drei Studenten, es ergibt sich eben nicht.

Greifbare Geographie

Afrika endet nicht in Kapstadt. Es endet eine Stunde weiter südlich, dramatisch, wütend, grandios, so, wie es sich für einen Kontinent gehört. Langsam verschwinden links und rechts der Straße zum Kap der Guten Hoffnung alle Spuren von Zivilisation, bis es irgendwann nur noch Buschland gibt - nur noch Lilien und Erikas, nur noch Kap-Kobras und Horden marodierender Paviane, die den Autofahrern auflauern wie Wegelagerer. Und dann ist das Ende da: Wie ein riesiger Sporn stößt das Kap ins Meer und teilt es in zwei Ozeane, wie ein steinerner Bug rammt es sich in die tosende Gischt und wirft tückische Felsen weit ins Wasser hinaus. Man sieht sie nicht, aber die Fontänen, die sich an ihnen brechen. Wie viele Schiffe haben sie im Sturm nicht gesehen, wie viele Rümpfe wurden hier aufgeschlitzt? Hier steht man nun, zweihundert Meter senkrecht über dem tobenden Meer, und vergisst schlagartig Kapstadts exterritoriale Unbestimmtheit. Denn nirgendwo sonst auf Erden spürt man so eindeutig, wo man ist, nirgendwo sonst wird Geographie so greifbar, nirgendwo sonst die Landkarte so leibhaftig wie am Kap der Guten Hoffnung. Alles liegt hier hinter einem und nichts davor, nur Wasser bis zum Südpol. Alles ist hier bestürzend einsame Endlichkeit. Man sollte nicht zu lange bleiben.

Anreise: Die Fluggesellschaft South African Airways fliegt täglich von Frankfurt über Johannesburg nach Kapstadt. Für die Einreise genügt ein mindestens noch sechs Monate lang gültiger Reisepass.

Arrangements: Der Reiseanbieter Tui bietet ein großes Südafrika-Programm an, zu dem unter anderem auch Ausflüge und Tagestouren in Kapstadt und Umgebung gehören. Neben den Sehenswürdigkeiten der Stadt werden das Kap der Guten Hoffnung und die Weinregion von Stellenbosch besucht. Informationen gibt es im Internet unter www.tui.de oder im Reisebüro.

Informationen: South African Tourism, Friedensstraße 6-10, 60311 Frankfurt, 069/9291290, im Internet unter www.southafrica.net.

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