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Segelkreuzfahrt Zwischen Frachtern und Treidelloks

Wie soll das gehen, mit einem Viermaster durch den Panama-Kanal zu fahren? Ist der Mast nicht zu hoch? Das Schiff nicht zu klein? Auf der Starflyer kann man das Schauspiel erleben.

© Angelika Bucerius Kapitän Klaus steuert nicht nur sicher seinen Viermaster zwischen den Kontinenten hindurch, er ist auch für die Bordunterhaltung zuständig.

Das kann nicht gutgehen. Als die Starflyer, ein Großsegler-Kreuzfahrtschiff der Reederei Star Clippers, am ersten Abend unserer Reise auf die Stahlbrücke Puente de las Americas zuschwamm, ragen die dreiundsechzig Meter hohen Segelmasten beängstigend hoch in den Himmel und ganz offensichtlich über die Brücke hinaus. So wie der Panamakanal Pazifik und Atlantik verbindet, verbindet die Amerikabrücke als Teil der 33000 Kilometer langen Autostraße Panamericana Feuerland im Süden mit Alaska im Norden. Und unter dieser imposanten Überführung müssen wir durch.

Im vergangenen Jahr nutzten 13000 Schiffe die mittelamerikanische Wasserstraße. Das lässt sich die Republik Panama natürlich entlohnen. Nicht jeder kommt so billig davon wie Richard Halliburton, der für eine Gebühr von 36 Cent im Jahr 1928 durch den Kanal geschwommen ist. Von den insgesamt 1,7 Milliarden Dollar im Jahr 2011 stammen lediglich knapp drei Prozent von Passagierschiffen. Kreuzfahrt-Segelschiffe sind hier noch seltener unterwegs. Der Blick nach oben liefert eine gute Begründung.

Die Passagiere ziehen die Köpfe ein

Unser Viermaster ist rund 115 Meter lang, fünfzehn Meter breit und hat einen Tiefgang von 6,5 Metern. Der Großsegler bietet Platz für 170 Passagiere und 74 Besatzungsmitglieder. Länge, Breite und Tiefe unseres schwimmenden Gefährts machen uns beim Anblick der Brücke keine Sorgen. Damit werden wir uns beschäftigen, wenn wir in die erste der drei Schleusen fahren.

Kapitän Klaus Müller und seine Crew scheinen sich ihrer Sache sicher - oder gut versichert. Nur noch wenige Meter. Eindeutig: Das vordere Rahsegel wird mit der Brücke kollidieren. Automatisch ziehen einige Passagiere den Kopf ein. Ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren, fahren wir weiter und sehen plötzlich die Brücke über uns. Kein Knacken, kein Splittern. Wir passieren nur knapp, aber ohne Mastverlust das erste Hindernis auf unserer Reise von Balboa in Panama durch den Panamakanal in die Karibik nach Curaçao. Selbst der Kapitän erzählt später, dass ihm jedes Mal bang sei, ob die Tide wirklich so niedrig sei wie vorausgesagt. Rein nach Augenmaß sei er sich bei jeder Durchfahrt alles andere als sicher, dass sein Viermaster unbeschadet hindurchkommt. Doch, so fügt er hinzu, bislang habe es immer geklappt. Der Trick: Nur alle vierzehn Tage sei niedrigstes Niedrigwasser.

21505105 © Angelika Bucerius Vergrößern Neben dem Containerfrachter fühlt man sich wie in einer Nussschale. Und ab nächstem Jahr dürfen sogar noch größere Schiffe den Kanal passieren.

Weckruf vor der ersten Schleuse

Unmittelbar nach der ersten Herausforderung der Natur gönnt der Kapitän seinem Schiff und uns eine Verschnaufpause. Denn wenige Meter nach der Brückendurchfahrt legen wir an. Wären wir weitergefahren, hätten wir die Kanaldurchfahrt nur im Dunkeln erleben können. Das wäre für die Reederei zwar deutlich billiger gewesen, denn für nächtliche Passagen durch den Panamakanal verlangt die Kanalgesellschaft geringere Durchfahrtgebühren. Doch die Kreuzfahrtpassagiere sollen natürlich in den Genuss des technischen und landschaftlichen Schauspiels kommen.

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