27.04.2009 · Am Frankfurter Flughafen kommt jeden Tag eine Maschine aus Mexiko an. Passagiere mit verdächtigen Symptomen werden noch im Flugzeug untersucht. Urlauber mit Ziel Mexiko können ihre Reise in der Regel umbuchen oder stornieren.
Deutsche Fluggesellschaften und Reiseveranstalter sind wegen der zunehmenden Fälle von Schweinegrippe in Alarmbereitschaft. Während Airlines von Flugstreichungen bislang absehen, haben Reiseveranstalter Ausflüge nach Mexiko City bis auf weiteres abgesagt.
Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa, die einmal am Tag nach Mexiko City fliegt, verteilt Informationsblätter an Reisende mit Verhaltens- und Gesundheitshinweisen. Von Flugstreichungen sieht die Airline aber bislang ab, ebenso wie Air Berlin, die mehrere Ziele in und um Mexiko anfliegt. Am Montag erwartet die Berliner Fluggesellschaft drei Maschinen aus der „erweiterten Region“ am Flughafen in Düsseldorf, sagte ein Sprecher. Die Passagiere könnten jedoch „ganz normal“ einreisen.
Schnelltest am Frankfurter Flughafen
Aus Mexiko ankommende Flugpassagiere werden unmittelbar nach der Landung in Frankfurt bei Verdacht auf Schweinegrippe untersucht. Zu den verdächtigen Symptomen gehören erhöhte Temperatur, trockener Husten, Gliederschmerzen und Appetitlosigkeit. Reisende, die möglicherweise erkrankt seien, würden noch im Flugzeug von Ärzten des Gesundheitsamtes und der Flughafenklinik untersucht, teilte das Gesundheitsministerium in Wiesbaden am Montag mit. Gegebenenfalls würden sie zur weiteren Untersuchung und Behandlung in die Frankfurter Universitätsklinik gebracht. Diese Regelung bestehe seit dem vergangenen Samstag.
Ergebnisse von Tests auf die Krankheit lägen nach sieben Stunden vor. Sollte ein Test positiv sein, erhielten Mitreisende und die Crew umgehend Medikamente, die einen Ausbruch der Krankheit verhindern sollen. Noch habe es am größten deutschen Flughafen in Frankfurt keinen Verdachtsfall gegeben, sagte ein Fraport-Sprecher am Montag. Sollte es jedoch entsprechende Hinweise geben, könne der Flughafenbetreiber Fraport schnell reagieren. „Die medizinische Station am Flughafen ist rund um die Uhr besetzt.“
EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou hat wegen der Schweinepest von Reisen nach Mexiko und in die Vereinigten Staaten abgeraten, „um das Risiko zu minimieren“. Touristen, die gegenwärtig vor Ort seien oder aus Mexiko zurückkehrten, sollten einen Arzt aufsuchen, empfahl Vassiliou am Montag in einer in Brüssel ausgestrahlten Videobotschaft. Die Gesundheitskommissarin wollte am Donnerstagnachmittag in Luxemburg mit den EU-Außenministern über mögliche Schutzvorkehrungen beraten.
Reiseveranstalter reagieren
Die beiden größten deutschen Reiseveranstalter, TUI und Thomas Cook, haben wegen der Schweinegrippe Reisen nach Mexiko City abgesagt. TUI bietet bis 4. Mai keine Ausflüge mehr in die Region an. Das Unternehmen hatte am Montag kostenlose Umbuchungen angeboten. Kunden der TUI können sich für nähere Informationen an eine eigens eingerichtete Telefonhotline unter der Nummer 0511-5678000 wenden. Auch die Veranstalter Meiers Weltreisen und Dertour Mexikotouristen bieten eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung an. Dies gilt für alle Kunden, die einen Aufenthalt in Mexiko gebucht haben und bis einschließlich 4. Mai abreisen, wie die Anbieter am Dienstag mitteilten. Dies betrifft den Angaben zufolge 1.404 Personen. Zurzeit befänden sich knapp 800 Gäste der beiden Unternehmen in Mexiko, erklärten die Unternehmen. Die Veranstalter informieren unter der Hotline 069-95882770.
Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass Reisen nach Mexiko grundsätzlich unter Berufung auf höhere Gewalt storniert werden können. Diese Option bestehe immer dann, wenn eine Reise erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt sei und dies zum Zeitpunkt der Buchung noch nicht absehbar war.
Hohe Umsatzeinbußen nach Sars
Nach Daten des Deutschen ReiseVerbands (DRV) zählen die Karibik und Mittel- und Südamerika nach den Vereinigten Staaten und Kanada zu den beliebtesten Fernreisezielen der Deutschen. Im Vorjahr reisten laut DRV etwa 155.000 Deutsche nach Mexiko. Ob sich die Schweinegrippe für die Branche zu einer Belastung ähnlich wie die Lungenkrankheit Sars vor ein paar Jahren auswirke, lasse sich derzeit noch nicht einschätzen, sagte eine DRV-Sprecherin. Damals hatten viele Kunden aus Angst vor einer Infektion auf Reisen verzichtet, was der krisenanfälligen Branche hohe Umsatzeinbußen einbrachte.