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Reisesicherheit Vom Risiko zu bleiben

Mexiko, Venezuela, Kolumbien: Interessante Ziele, aber ist es nicht gefährlich, dorthin zu reisen? Welches südamerikanische Land sich mausert und welches man meiden sollte.

© AP/dpa Vergrößern Acapulco, vergangene Woche: Nach dem tödlichen Überfall auf einen Belgier schauen wirklich alle auf den Austragungsort eines Tennisturniers

Als 2006 der mexikanische Präsident Felipe Calderón den Kampf gegen die Drogenkriminalität zum zentralen Ziel seiner Amtszeit erklärte, konnte keiner ahnen, dass dies den Tod von 50.000 Menschen nach sich ziehen würde. Touristen blieben lange verschont vom Drogenkrieg, doch das hat sich jetzt geändert: Zwei Gewaltverbrechen erschüttern Acapulco, das einstige Jet-Set-Paradies am Pazifik. Anfang Februar drang eine Gruppe bewaffneter Männer in eine Hotelanlage ein und vergewaltigte sechs spanische Touristinnen. Ihre männlichen Begleiter, ebenfalls Spanier, wurden gefesselt und ausgeraubt. Am vergangenen Wochenende fand man die Leiche eines Belgiers, der in seinem Auto erschossen worden war.

Nach dem Vergewaltigungsfall sagte Luis Walton, Bürgermeister von Acapulco, was man oft von Behörden hört: Solche Delikte würden „überall auf der Welt“ geschehen, und es gebe bisher keine Hinweise, dass die Täter zur organisierten Kriminalität gehörten. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Gewalt in Mexiko alle sozialen Grenzen überschreitet und den internationalen Tourismus massiv bedroht. Die Marketingbemühungen des Tourismusministeriums verpuffen angesichts der anhaltend schlechten Nachrichten.

„Das Comeback Kolumbiens“

Im Gegensatz zu Mexiko scheint Kolumbien, nach den vielen Jahren der allgemeinen Unsicherheit, gerade ein Wirtschafts- und Stabilitätswunder zu erleben. Das Magazin „Time“ zeigte letztes Jahr auf seinem Titelbild den aktuellen kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos und schrieb dazu: „Das Comeback Kolumbiens“. In der Tat hat sich in Kolumbien, bis vor wenigen Jahren aufgrund von Schlagzeilen über Massenentführungen und Drogengewalt bekannt, etwas verändert. Während 2002 die Zahl der Entführungen durch die linken Guerrillas und informelle Banden auf 3.000 geschätzt wurde, spricht man heute von etwa 250 Fällen pro Jahr, die sich vor allem auf kolumbianische Bürger konzentrieren und abnehmende Tendenz zeigen.

Diese Entwicklung begann 2002 mit der achtjährigen Amtszeit von Álvaro Uribe. Dieser bekämpfte als Präsident die Guerrillas, zwang die rechten Paramilitärs zur Demobilisierung und verstärkte die Präsenz des Militärs im ganzen Land. Inzwischen steht Uribe unter Verdacht der Korruption, er soll an der Verfolgung von Journalisten und Gewerkschaftlern beteiligt sein sowie mit Todesschwadronen zusammenarbeiten. Dennoch empfindet die internationale Öffentlichkeit die aktuelle Lage als ziemlich sicher - und so wachsen das Vertrauen der internationalen Investoren und dementsprechend die Hoffnungen der Tourismusbranche.

Diese wirbt seit einigen Jahren für Reisen in Kolumbien mit dem Slogan „Das einzige Risiko ist, dass du bleiben willst“. Für viele Kolumbianer klingt das absurd. Denn die jüngsten Ereignisse wie die Entführung von zwei deutschen Rentnern durch die Guerrilla-Gruppe ELN im vergangenen November nahe der Grenze zu Venezuela zeigen, dass Kolumbien in Wirklichkeit noch weit davon entfernt ist, ein „sicheres Reiseland“ zu sein. Der Slogan soll demnächst durch eine neue Kampagne ersetzt werden.

Die Situation in Venezuela gibt weniger Anlass zu Optimismus. Als Hugo Chávez 1999 Präsident wurde, rief er die sogenannte „Bolivarische Revolution“ als Neugestaltung des nationalen politischen Lebens gegen den Neoliberalismus aus. Zum „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, der ideologischen Basis der Revolution, gehören soziale Reformen, die Enteignung und Verstaatlichung von Unternehmen und die staatlich betriebene Förderung von Erdöl, die 25 Prozent des Sozialproduktes sichert. Parallel zum oft problematischen politischen Prozess erlebt Venezuela seit Jahren ein Anwachsen der Kriminalität. Diese wird in der Regel auf die Korruption und die Überforderung der Regierung zurückgeführt.

Selbst in Ferienorten besteht Gefahr

Entführungen zur Erpressung und bewaffnete Überfälle, wovon auch ausländische Touristen betroffen sind, gehören seit mehr als zehn Jahren zum venezolanischen Alltag. Besonders beunruhigend sind die Zunahme der Straßenkriminalität und die soziale und infrastrukturelle Verwahrlosung in Caracas, wie sie erst vor wenigen Wochen der amerikanische Journalist Jon Lee Anderson in der Reportage „Slumlord“ im „New Yorker“ schilderte.

Caracas, mit 3.600 Tötungsdelikten im Jahr 2012, hat eine der höchsten Mordraten der Welt neben San Pedro in Honduras und Ciudad Juárez in Mexiko. Wie aber das deutsche Auswärtige Amt warnt, besteht außerhalb der Städte und selbst in Ferienorten wie auf der Insel Margarita die Gefahr von Überfällen. Und vor allem vor Reisen in die Grenzregion zu Kolumbien wird wegen der Präsenz illegaler bewaffneter Gruppen gewarnt.

Gewalt gegen ausländische Touristen ist eine besonders perfide Form der Kriminalität. Sie schadet nicht nur der inneren Sicherheit eines Landes, sondern auch seinem internationalen Image. Wie sich die Reisesicherheit in Mexiko, Kolumbien und Venezuela in kommender Zeit entwickeln wird, bleibt ungewiss, denn sie hängt von komplexen politischen Bedingungen ab. Für Reisen in diese Länder gilt, sich vorher gut über die gegenwärtige Lage zu informieren.

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Quelle: F.A.S.

 
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