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Reise nach Natal : Weihnachten in Weihnachten

Natal hat viel Sand zu bieten, auch am schönsten Strand in Ponta Negra. Im Hintergrund liegt die höchste Düne der Stadt, der „Morro do Careca“, eines der Wahrzeichen von Natal. Bild: Norbert Franchini

Ein besinnlicher Strandurlaub im Dezember? Womöglich gar am Heiligen Abend? Kaum ein Ort eignet sich besser dafür als Natal im nordöstlichen Zipfel Brasiliens.

          Der Stern weist den Weg. Wer unter seinem Schweif hindurch fährt und dabei das freundlich lächelnde und sich huldvoll verneigende Triumvirat einfach rechts liegen lässt, erreicht wenig später „Weihnachten„. Der Weg nach Natal wäre aber auch ohne die überlebensgroßen Gestalten und ihren in Stahlbeton gegossenen „Stern von Bethlehem“ kurz vor der Stadtgrenze kaum zu verfehlen: Natal liegt nämlich fast am äußersten nordöstlichen Zipfel Brasiliens, und damit gut 2500 Kilometer von der Hauptstadt Brasília entfernt, was der Strecke zwischen Frankfurt und Moskau entspricht. Nur Touros, 90 Kilometer nördlich von Natal, kommt auf dem südamerikanischen Festland dem afrikanischen und europäischen Kontinent noch ein wenig näher. (In Zeitzonen gerechnet trennen uns gerade einmal vier Stunden vom Norden Brasiliens.)

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die ersten interkontinentalen Besucher des neuzeitlichen Reichs der Heiligen Drei Könige kamen auf Schiffen und übers Meer. Unter ihnen war Anfang des 16. Jahrhunderts sogar Amerigo Vespucci, nach dem später die gesamte „Neue Welt“ benannt wurde. Fast 100 Jahre lang blieben die Ureinwohner danach noch wieder unter sich, nur einige französische Piraten nutzten den heimeligen Ort am Horn Südamerikas als Stützpunkt und trieben zugleich regen Handel mit dem Volk der Tupi an der Mündung des Potengi-Flusses. Erst Ende des
          16. Jahrhunderts eroberten die Portugiesen schließlich auch diesen Küstenabschnitt, der ihnen vermeintlich längst zustand.

          Die längste Schrägseilbrücke Südamerikas als neues Wahrzeichen

          Sogleich begann Jerônimo de Albuquerque Maranhão unter dem Kommando von Manuel de Mascarenhas Homem und im Auftrag von Gouverneur Francisco de Sousa am 6. Januar 1598 mit dem Bau einer Festung. Die Namen der handelnden Personen sind an dieser Stelle nicht weiter von Belang, das Datum ist es aber schon. Genauso wie der 25. Dezember 1599: Der Weihnachtstag gilt als das offizielle Gründungsdatum jener kleinen Siedlung, die sich anfangs großspurig „Stadt der Könige„ („Cidade dos Reis„), später „Cidade do Natal“ nannte. Beide Namen erklären sich natürlich nur durch die zwei besonderen Daten in der Geschichte der Stadt, denn Natal selbst blieb über viele Jahrzehnte nicht mehr als ein kleiner Marktflecken.

          Schon an der Stadtgrenze machen die Weisen aus dem Morgenland ihre erste Aufwartung, der „Stern zu Bethlehem“ weist hier allerdings den Weg zu den Stränden Natals.
          Schon an der Stadtgrenze machen die Weisen aus dem Morgenland ihre erste Aufwartung, der „Stern zu Bethlehem“ weist hier allerdings den Weg zu den Stränden Natals. : Bild: Norbert Franchini

          Noch 1810 zählte der Engländer Henry Koster gerade mal 600 Einwohner, zudem drei Kirchen und ein Gefängnis. Nach weiteren 100 Jahren des Dahindämmerns wurde die Stadt 1916 schlagartig ins 20. Jahrhundert katapultiert: Die Brücke „Ponte de Igapó“ verband „Weihnachten“ plötzlich mit dem Norden des Landes und damit irgendwie auch mit dem Rest der Welt.

          Inzwischen erhebt sich über den Potengi eine erst fünf Jahre alte gigantische Stahlkonstruktion: Auch die „Ponte Newton Navarro“, eine der längsten Schrägseilbrücken Südamerikas, gehört mittlerweile zu den Wahrzeichen Natals. Eigentlich soll die Brücke die Stadt mit dem noch zu bauenden neuen internationalen Flughafen „São Gonçalo do Amarante“ verbinden. Spätestens im für das Land so wichtigen Jahr 2014 sollen im Norden der Stadt die ersten Flugzeuge starten und landen. Derzeit aber ist an eine fristgerechte Fertigstellung auch dieses Großprojekts nicht zu denken, dazu später mehr.

          Der kahlköpfige Berg ist inzwischen gesperrt

          „Natal feliz!“ sagt der Brasilianer, was zwar auch mit „glückliches Natal“ übersetzt werden kann. Im Portugiesischen wird „Feliz Natal!“ aber fast ausschließlich als Segenswunsch in der Adventszeit verwendet und bedeutet nichts anderes als „frohe Weihnachten“. Nun ist das brasilianische Natal zwar eine stolze Stadt der Weihnacht, und es gibt auch einschlägige Geschäfte, die ganzjährig Christbaumkugeln und anderen Tand verkaufen, doch im jeweils neuen Jahr verschwinden die Lichterketten an den Palmen und Gummibäumen genauso wie die zahllosen roten Weihnachtsmann-Zipfelmützen, die sich die Einwohner im Dezember gerne überziehen – trotz der sommerlichen Temperaturen von gut 30 Grad.

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