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Quito Wenn die Kräuterhexe den Spitzenkoch herzt

Lange Zeit war die ecuadorianische Hauptstadt Quito für Gourmets eher eine Diaspora als ein Sehnsuchtsziel. Das hat sich geändert. Denn heute zelebriert man dort die Globalisierung auf dem Teller.

© Archiv Vergrößern Die Dachterrasse des Hotels Casa Gangotena in Quito

Es ist ein gutes Omen, wenn man in Quito vom Cotopaxi höchstpersönlich begrüßt wird. Denn ihr Hausberg, sagen die Quiteños, sei trotz seiner kolossalen Höhe von fast sechstausend Metern ein schüchterner Vulkan, der sich am liebsten schamvoll hinter einem Wolkenvorhang verstecke, obwohl er doch eine formvollendete Schönheit sei. Wenn er aber die Besucher mit dem Strahlen seiner schneeweißen Kuppe willkommen heiße und wie ein weißer Wal über den Wolkenwellen throne, dann seien die Götter den Besuchern wohlgesinnt und wünschten ihnen einen angenehmen Aufenthalt.

Stammgäste der ecuadorianischen Hauptstadt schwören Stein und Bein, dass der Cotopaxi in jüngster Zeit häufiger als früher Begrüßungskomitee spielt. Vielleicht liegt das daran, dass er auf die Stadt zu seinen Füßen wieder so stolz sein kann wie einst die Conquistadoren auf die 1534 gegründete Villa de San Francisco del Quito, die koloniale, von lauter Feuerbergen bewachte Schatzkiste Neuspaniens. Quito hat sich in den vergangenen Jahren mit hartnäckigem Trotz herausgeputzt, den klebrigen Firnis der Resignation weggewischt, zehntausend ambulante Händler samt ihren Ramschwaren aus dem historischen Zentrum verbannt, viele koloniale und klassizistische Gebäude restauriert und selbst Problemviertel wie das frühere Bohème-Quartier Ronda wiederbelebt, das jahrelang für anständige Menschen ein brandheißes Pflaster und fest im Griff der Drogendealer und Straßenprostituierten war.

Kannibalenspeisung im Kessel

Auch der bedeutendsten Kirche von Quito, dem Jesuitenglaubenshauptquartier La Compañía, hat man eine aufwendige Renovierung spendiert. Jetzt strahlt die Kirche wieder hochglanzpoliert - wenngleich eher im Dienste des Tourismus als zum Ruhme des Allmächtigen - und erschlägt die Besucher fast mit ihrem Churrigueresco-Stil, einer Art exaltiertem Turbosuperbarock. Die baumstammdicken Säulen sind nicht nur gedreht, sondern auch noch kanneliert und von gleich drei übereinandergestapelten Kompositkapitellen gekrönt - dorisch, ionisch, korinthisch als Trinität des Formenrausches, darunter macht man es hier nicht. Der Altar ist eine zwanzig Meter hohe Blattgoldorgie samt ikonografischen Delirium, auf dessen Gipfel ein rauschebärtiger Gott die Weltkugel wie eine Trophäe im Arm hält und über dessen Kopf eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes wie ein Monstermobile schwebt. Und an den Wänden lassen riesenhafte Höllengemälde alle irdischen Sünder erschaudern. Denn hier ist detailgetreu dargestellt, welche Strafen für welches Vergehen drohen: Den Mördern rammen rote Teufel Schwerter in die Schädel, die Ungerechten schmoren wie zur Kannibalenspeisung im Kessel, Säufer werden von feuerspeienden Affen verbrannt und eitle Frauen müssen sich von Spinnen zermartern lassen.

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