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Oman Wasser, nicht Öl

30.10.2006 ·  Wellness im Oman: Gerüche von Tausendundeiner Nacht. Daß man dabei Anwendungen genießt, ersonnen von einer Schottin, durchgeführt zumeist von Philippinas, bewacht von tibetischen Tempellöwen - schmälert das etwa den Genuß?

Von Markus Brügge
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Lehnen Sie sich zurück, schließen Sie die Augen - und denken Sie an Arabien und Wellness. Was sehen Sie? Mächtige Badehäuser, durch deren reichverzierte Fenster das Sonnenlicht auf prunkvolle Wasserbecken fällt? Prächtige Hammam, in deren wohlriechendem Dampf die Männer sitzen und übers Geschäft reden? Dunkeläugige Schönheiten, die sich in den Duft von Myrre, Weihrauch und Jasmin hüllen, wenn sie dem Bad entsteigen? Falsch, das war die türkische Badehauskultur - zugeben, traditionsreich und Jahrhunderte alt. Doch auf der arabischen Halbinsel, wo es zwar viel Öl, aber wenig Wasser gibt, hatte man mit Wellness lange nichts am Turban.

Natürlich haben auch hier die Frauen mit Kräutern experimentiert, haben Früchte mit Ziegenmilch gemischt und daraus Cremes gerührt, um ihre Jugend zu konservieren. Eine Kultur der Schönheitspflege aber, wie man sie etwa auf Sri Lanka oder Bali findet, hat es in den Ländern, in denen die Menschen vor 50, 60 Jahren noch in palmblättergedeckten Häusern hockten, nie gegeben. Eine Kultur der Zuverlässigkeit offenbar auch nicht. Jedenfalls kann Carol, oberste Hüterin des Chi-Spas im Barr Al Jissah-Resort, ziemlich in Rage geraten, wenn sie von den Handwerkern erzählt, die die Wellness-Oase gebaut haben. "Was für Lichter die mir in die Spa-Villen gesetzt haben! Blaue, rote und grüne Strahler, es sah aus wie in einer Disco aus den Achtzigern." Natürlich habe sich auch der ganze Bau verzögert, aber daran müsse man sich hier eben gewöhnen, sagt die gebürtige Schottin.

Daß das Resort ein hauseigenes Spa besitzt, versteht sich von selbst - schließlich gehört man zur noblen Shangri-La-Kette. Und welches Fünf-Sterne-Haus - egal wo auf der Welt - könnte es sich heute noch leisten, seinen Gästen keinen ausgedehnten Wellness-Bereich anzubieten? Selbst das altehrwürdige Al Bustan, einst aus einem Sultanspalast entstanden und das erste Luxushotel des Oman, unterzieht sich gerade einem aufwendigem Umbau, um künftig mit Sauna, Dampf- und Aromabad glänzen zu können.

Zar und Zimmermann

Und es sind nicht nur die Besucher aus Europa oder den Vereinigten Staaten, die es neben Kingsize-Betten und exquisitem Essen nach ein paar entspannten Stunden verlangt. Regelmäßig, so verrät eine von Carols Mitarbeiterinnen namens Lucy, kommen reiche Omani oder Gäste aus Saudi-Arabien ins Spa, um sich verwöhnen zu lassen - besonders beliebt ist übrigens eine sanfte Aufhellung der Haut. "Wir haben auch immer mal wieder Mitglieder der Königsfamilie hier", sagt Lucy später noch. Beeindruckend, aber nur solange bis man erfährt, daß auch noch die Stiefmutter des Cousins achten Grades des Sultans zur royal family gezählt wird.

Was Einheimischen wie Ausländern Gutes für Körper, Gesicht und Seele getan wird, hat allerdings nur wenig mit dem Ort zu tun, an dem sich das Spa befindet. Wohl haben die Architekten orientalisch verschnörkelte Fenster geplant, aus denen der Blick auf sandfarbene Felsen geht, die hinter dem Gebäude aufragen. Wohl verweist Carol stolz darauf, daß die Kerzen, die den Raum dezent beleuchten, von einer omanischen Firma hergestellt wurden. Doch tragen die Lichter allesamt ein Chi-Spa-Logo. Und auch sonst mutet alles hier mehr asiatisch als arabisch an.

Immerhin eine Omani als Azubi

Vermutlich würde einem die resolute Schottin für diesen Vergleich den Kopf gründlicher waschen - aber ein wenig erinnert das Konzept an McDonalds: Die große Linie ist gleich, egal ob man seinen Burger in Pinneberg oder Pittsburgh bestellt, die Standards müssen überall eingehalten werden, schließlich garantieren sie die Qualität. Man nimmt aber Rücksicht auf örtliche Eigenheiten und Gebräuche, schließlich soll kein Kunde verärgert werden: Kein Schwein in Dubai, kein Rind in Bombay und in Texas fallen die Portionen gewaltiger aus als in Paris.

Auf das Chi-Spa im Barr Al Jissah übersetzt, sieht das etwa so aus: Etwa 70 Prozent der Zutaten für die Masken, Cremes und Peelings werden importiert, das Konzept wurde mit Heilern aus Tibet erstellt, die meisten Treatments findet man auch im Chi-Spa Bangkok, das Carol zuvor mit aufgebaut hat - und man wird sie auch in den zehn neuen Spas finden, die die chinesische Hotelkette Shangri-La in den kommenden drei Jahren weltweit eröffnet. Sogar Carols Mitarbeiter kommen größtenteils aus Asien, eine Omani gibt es immerhin als Auszubildende.

Tibet und China

Auf die örtlichen Gepflogenheiten nimmt man selbstverständlich Rücksicht, alles andere wäre auch undenkbar: Männer und Frauen werden sich in den Saunen, Bädern oder Ruhebereichen nicht begegnen, schließlich schreibt die Schari'a eine rigide Geschlechtertrennung vor. So bietet man zwar Paarbehandlungen an - "für arabische Paare geht das aber nicht", erklärt Carol ernst, das würde nur zu Schwierigkeiten führen.

Und doch, sagt die Spa-Managerin, wolle sie sich von diesem Ort, an dem ihr Wellnesstempel ersteht, inspirieren lassen. Zunächst sind es nur Kerzen und einige arabische Kunstwerke, die die Inneneinrichter auf den einheimischen Märkten gekauft haben. Carol hat aber schon eine Gesichtsbehandlung mit Myrre und Weihrauch entwickelt, geriebener Weihrauch soll auch in einem Peeling den Körper der Kunden glätten - und wie sie aus Datteln und Joghurt eine wohltuend kühle Maske zaubert, darüber grübelt Carol noch.

Man kann ihn also doch erleben, seinen Traum von arabischer Wellness, eingehüllt in die Gerüche von Tausendundeiner Nacht. Daß man dabei Anwendungen genießt, ersonnen von einer Schottin, durchgeführt zumeist von Philippinas, bewacht von tibetischen Tempellöwen? Wer fragt schon nach solchen Kleinigkeiten, wenn er nach ein oder zwei Stunden strahlend wie Scheherazade aus dem Spa in die omanische Sonnenglut tritt.

Zwischen 1. November und 19. Dezember sowie zwischen 4. Januar und 31. März 2007 kostet eine Woche (sieben Übernachtungen mit Frühstück) im Shangri La's Barr Al Jissah inklusive Gulf-Air-Flug 1311 Euro pro Person. Weitere Informationen und Buchung unter www.ewtc.de oder telefonisch unter 02 21/80 11 120. Allgemeine Informationen zum Hotel findet man im Netz unter www.shangri-la.com; zu Reisen in den Oman unter www.omantourism.de.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29. Oktober 2006
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