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Neuseeland : So weit die Räder tragen

  • -Aktualisiert am

Hart aber herzlich: In Otago ist Neuseeland noch so, wie es einmal war. Und seit die Fahrradfahrer kommen, ist die ganze Region wieder erwacht. Bild: Getty Images/Robert Harding Worl

Auf dem Otago Rail Trail ist alles noch so, wie es früher einmal war: Auf dem Otago Rail Trail entlang der alten Eisenbahnstrecke radelt man durch die Frühgeschichte Neuseelands.

          Wie ein narbiger Teppich entrollt sich das grasgrüne Maniototo-Tal, durchzogen von Bächen und Kanälen, eingerahmt von schroffen goldbraunen Hügeln und orangegrauen Bergen. Darüber der Himmel der Dämmerung. Weit und breit kein Mensch, nur der Wind, die Hitze und ein paar Schafe, die, aus der Ferne betrachtet, wie dicke Baumwollflocken ausschauen.

          Das ist sie also - die neuseeländische Seele: Central Otago. Land der Farmer und der Riesen-Steaks und Heimat einer Spezies Mann, von denen man im espressosüchtigen urbanen Neuseeland mit Ehrfurcht spricht. „Natürlich bin ich ein richtiger Cowboy“, raunt Stuart Duncan, Nussknacker-Kinn und schrankbreite Schultern, und man glaubt ihm das gern. Stuarts Haut ist ledern und rotbraun von der Arbeit auf den Weiden und Hängen. Seine Hände sind groß. Seine Waden gewölbt wie kleine Spoiler. Stuarts Reichtum ist Land, sehr viel Land mit vielen Schafen drauf; über 11 000 besitzt er.

          Früher war das hier kein Spaß

          Seine Familie lebt im kleinen Wedderburn seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, als hier im Süden der Südinsel die ersten Siedler landeten. Angelockt vom Ruf des Goldes, das seit 1840 gefunden worden war und 1861 einen gewaltigen Goldrausch auslöste, der zwei Jahre lang Europäer, Chinesen, Australier und Amerikaner ans Ende der Welt zog. „Damals waren die Flüsse gelb vor Gold“, sagt Sean Doyle, ein Geologe, der im Otago heute nach Goldvorkommen sucht. Einige Siedler blieben und machten den abgelegenen Landstrich zur Fleisch-, Wolle- und Obstkammer des Landes. Die Geschichte seiner Familie und der von Wedderburn, wo heute etwa dreißig Seelen leben, hat Stuart in einer kleinen roten Holzscheune ausgestellt und dokumentiert. Auf alten Schwarzweißfotos blickt man in ausgemergelte, gespenstergleiche Gesichter. Damals war das Leben in Otago kein Spaß. Heute ist das anders. Stuart strahlt und lacht. Der Grund für seine gute Laune hat einen Namen: Otago Rail Trail.

          Trinken, Trinken, Trinken - sonst machen die Beine schlapp.

          Der Radwanderweg führt, entlang der alten Central-Otago-Eisenbahnlinie, durch Schluchten, Täler und Tunnel, über Hügel, entlang von Flüssen wie dem Taieri, dem drittgrößten Fluss des Landes, und vorbei an all den Käffern, die die Zeit vergessen zu haben scheint. 152 Kilometer ist er lang, mitten durch das mystische Herz der Südinsel, wo man tolle Landschaften, eine Menge Geschichte und bizarre Menschen trifft. In Otago, sagt man, sei Neuseeland noch so, wie es einst mal war: ungehobelt, rauh - und natürlich hart, aber herzlich.

          Sturm nach der Stille

          Rund dreieinhalb Tage braucht ein normal trainierter Radler für die Strecke, ausgehend von dem Städtchen Middlemarch nach Clyde, das 1907 als letzte Station an die Bahn angeschlossen wurde. Die Strecke war bis dahin über 16 Jahre lang in die Berge gesprengt worden, um Otago über Dunedin mit dem Rest des Landes zu verbinden. Als immer mehr Autos und Lastwagen aufkamen, Benzin und Diesel billig waren, verlor die Eisenbahn als Transport- und Reisemittel ihre Bedeutung. 1990 wurde sie stillgelegt. Heute ist nur noch die Strecke zwischen Dunedin und Middlemarch als Touristenattraktion in Betrieb. Die restlichen Gleise wurden abmontiert. Auf der Suche nach Arbeit zogen viele Menschen in die Städte. Dörfer und Farmen verwüsteten. Nur kleine Bahnhöfe, Unterstände und Haltestationen blieben in der Leere zurück.

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