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Nationalpark in Kamerun Auf Großwildleinwand

Der Bouba-Ndjida-Nationalpark in Kamerun gilt als einer der artenreichsten Afrikas - ein Tierparadies, wäre da nicht der Mensch.

© Fabian von Poser Vergrößern Da ist was im Busch: Das Dickicht des Bouba-Ndjida-Nationalparks gilt als eines der größten Schutzgebiete Afrikas. Doch so idyllisch wie der Anblick des Buschbocks ist der Nationalpark nicht. Wilderer erlegten im Frühjahr mehr als 200 Elefanten

An den Ufern des Lidi-Flusses, dort, wo die Sonne morgens hinter turmhohen Urwaldriesen aufgeht und am Abend hinter den Strohdächern der Rundhütten versinkt, ist Afrika, wie man es aus Filmen kennt: In der Biegung des Flusses, in dem selbst in der Trockenzeit noch etwas Wasser steht, prusten Flusspferde im Sonnenuntergang Fontänen in die Luft, und ihre Geräusche hört man aus mehreren hundert Metern Entfernung.

Einige Kob-Antilopen trotten zum Wasser, immer auf der Hut vor Feinden, und im Sand entdeckt man bei genauem Hinsehen neben jeder Menge Elefantendung auch Löwenspuren. Oben am Hochufer auf der Terrasse der Bouba-Ndjida-Lodge sitzen währenddessen die Gäste im Kreis und nippen am Bier. Die Kegel der Petroleumlampen erhellen das Rund. Das Lagerfeuer prasselt. Es ist heiß wie im Treibhaus, doch mit jedem Moment, den die Nacht voranschreitet, verdrängt sie die Hitze des Tages.

Wilderer erlegten mehr als 200 Elefanten

Der Bouba-Ndjida-Nationalpark im Nordosten Kameruns gilt als eines der wildreichsten Schutzgebiete Afrikas: Elefanten, Giraffen, Löwen, Leoparden, Flusspferde und Antilopen streifen in solcher Zahl durch den Park, dass man getrost von einem Tierparadies sprechen kann. Schon 1968 wurde das Areal, das fast so groß wie das Saarland ist, zum Nationalpark erklärt. Gemeinsam mit dem Sena-Oura-Nationalpark im benachbarten Tschad bilden beide heute ein länderübergreifendes Reservoir.

Die Vielfalt der Tierwelt ist enorm. Doch die Idylle trügt, denn seit einiger Zeit dringen immer wieder Wilderer in den Park ein. Zwischen Mitte Januar und Mitte März brachten sie etwa 200 Elefanten zur Strecke, einige Schätzungen gehen von 450 bis zu 600 Tieren aus. Damals fanden die Parkranger fast täglich neue Kadaver.

21389707 © Fabian von Poser Vergrößern Wildnis im Visier: auf Safari im Bouba-Ndjida-Nationalpark

„Sie kamen mit Pferden, Kamelen und großkalibrigen Gewehren und schnitten den Tieren teilweise noch bei lebendigem Leib die Stoßzähne aus den Kiefern“, sagt Parkranger Adamou, ein Mann von mittlerem Wuchs und drahtiger Statur, als wir am nächsten Vormittag, auf der Ladefläche seines Pick-ups hin und her schaukelnd, durch den Park fahren. „An Sammelplätzen horteten sie das Elfenbein und deckten es mit Tierfellen zu. Später transportierten sie es ab. Kaum ein Tier konnte entkommen“, erzählt Adamou.

Jetzt, einige Wochen später, die Regenzeit ist mittlerweile in vollem Gange, kehrt Adamou mit uns an den unheilvollen Ort zurück. Die Kadaver der Elefanten sind noch immer da. Mit der Machete schlägt der Ranger einige Äste aus dem Unterholz, um sich einen Weg zu bahnen. Dann, kaum 20 Meter von der schlammigen Piste entfernt, über die der Jeep eben noch gerutscht war, liegen fünf bis auf die Haut zusammengeschrumpfte Kadaver. Fliegen schwirren umher, in der Luft liegt der säuerliche Geruch von Verwesung.

Kein Wächter am Eingangstor

Es war nicht das erste Mal, dass die Ranger dieses Bild sahen, doch noch nie kamen die Wilderer in solcher Zahl und technisch so gut ausgestattet. Tierschützer nehmen an, dass dahinter organisierte Banden stecken, die das Elfenbein über den Sudan nach Asien transportieren, um es dort für viel Geld als natürliches Viagra zu verkaufen.

So nahe am Sahel gelegen, stößt das dichte Grün Zentralafrikas in Bouba-Ndjida auf das helle Gelb der Wüste. Wer den Park betritt, dem wird schnell klar: Er befindet sich in der Wildnis. Durch das Dickicht staksen Giraffen, und kapitale Roan-Antilopen ergreifen Hals über Kopf die Flucht, als der Wagen näher kommt. Binnen Sekunden verschwinden sie in der wenig zugänglichen, hügeligen Savannenlandschaft, in der sich eine Artenvielfalt tummelt, die ihresgleichen sucht.

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Veröffentlicht: 15.09.2012, 21:08 Uhr