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Veröffentlicht: 18.04.2013, 08:10 Uhr

Namibia Gegen Speikobras empfehlen wir Schrotflinten

Wir fuhren nach Namibia, um wilde Tiere zu sehen und die ältesten Landschaften der Erde. Mit dem Erbe von Deutsch-Südwestafrika wollten wir nichts zu schaffen haben. Doch wir entkamen ihm nicht und waren verblüfft.

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© IMAGO Die Natur als Brückenbauer: In den Erongo-Bergen im Herzen von Namibia, einer der ältesten geologischen Formationen der Erde, haben Wind und Wetter ihrer Phantasie freien Lauf gelassen und aus dem Stein lauter Skulpturen geschliffen.

Frau Kugel hatte einen Traum. Seit sie zum ersten Mal nach Ameib in den Erongo-Bergen gekommen war und all die Wunder gesehen hatte, wollte sie hier leben. Irgendwann war genug Geld da, um der Hauptstadt Windhoek den Rücken zu kehren und die Ameib Ranch mitsamt einem der spektakulärsten Naturschauspiele Namibias zu kaufen. Frau Kugel züchtete Vieh, baute eine Handvoll Gästebungalows, und da ihr Herz groß ist und ihre Mildtätigkeit grenzenlos, hatte sie eines Tages viel zu viele Angestellte und dreihundert Katzen, die immerhin dafür sorgten, dass sich keine Giftschlange der Farm zu nähern wagte. Jetzt ist Frau Kugel alt und krank, hat ihren Besitz notverkaufen müssen, genießt wenigstens lebenslanges Wohnrecht und erzählt all das ohne eine Spur von Verbitterung mit einem wunderbaren, wenngleich lückenhaften Lächeln in makellosestem Hochdeutsch. Sie klagt das Schicksal nicht an, trauert nicht den alten Tagen nach, schwärmt stattdessen von den guten neuen Zeiten seit der Unabhängigkeit 1990, ist auch im Greisenalter noch von glühender Heimatliebe beseelt, nennt sich stolz eine „Deutschnamibierin“ und sagt, dass man vom Leben nicht mehr erwarten könne, als am schönsten Ort auf Erden leben zu dürfen.

Jakob Strobel y Serra Folgen:

Wir hätten nicht gedacht, dass es die stille Frau Kugel gerne so dramatisch hat. Denn ihr schönster Ort auf Erden ist ein Fanal der Schönheit des Schreckens, ein steinernes Memento mori der Vergeblichkeit und Vergänglichkeit. Kaum eine geologische Formation des Planeten ist älter als Erongo, schon vor hundert Millionen Jahren gab es diese Ungetüme aus rotem Granit. Und in hundert Millionen Jahren hat die Erosion mit ihrer Unerbittlichkeit hier so ungeheuerliche Dinge geschaffen, dass sie uns an unserem Verstand zweifeln lassen: Ist das alles hier wirklich nur von Wind und Wasser modelliert worden? Wie können allein zwei Elemente einen Elefantenschädel so präzise wie die Sphinx von Gizeh aus einer Bergflanke schälen? Waren es nicht doch titanische Bildhauer mit Zyklopenmeißeln? Oder hunderttausend Generationen von Strafgefangenen, die Erongo zerhackt, zerschmettert, zerstückelt, zerstört und ganze Bergmassive in gigantische Steinbrüche verwandelt haben?

Die absurde Akribie der feuerroten Termitenhügel

Manche Gipfel haben sich in fragile Zinnen und Zacken aufgelöst, als seien sie sturmreif geschossen worden. Andere sind übersät mit Bohrlöchern und Bruchlinien, als habe ein himmlischer Sprengmeister hier ganze Arbeit geleistet. Und wieder andere Berge bestehen nur noch aus runden Felsen, aus Monstermurmeln, Riesenkieselsteinen, Steinpilzungetümen, die so tollkühn aufeinandergestapelt sind, als seien sie von einem göttlichen Kind dort drapiert und nicht von Wind und Wetter aus dem Steinmassiv geschliffen worden. Einige Granitkugeln, groß wie Mehrfamilienhäuser, sind schon ins Tal gerollt und haben die Phantasie der Menschen angeregt, so wie bei der „Bull’s Party“, deren Steinbälle in Wahrheit die versteinerten Hoden monströser mythischer Bullen sein sollen. Doch das Unglaublichste ist: All diese Kugeln hier, die in jedem anderen Land längst von einem Nationalpark geschützt wären, haben bis vor kurzem Frau Kugel gehört.

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