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Malaysia Sieben Jungfrauen kostet die Gunst der Götter

Sabah im Nordosten von Borneo ist eine wilde Schönheit voller Mythen und Legenden. Die Tränen einer verratenen Witwe rauschen hier für alle Zeiten ins Tal. Und die größte Attraktion des Landes stellt den Verstand der Besucher auf eine harte Probe.

© picture-alliance / DPS Vergrößern Scheuer Herrscher des Horizonts: 4095 Meter ragt der Kinabalu in den Himmel, höher als jeder andere Berg zwischen Himalaja und Papua-Neuguinea. Doch als sei ihm seine eigene Größe nicht geheuer, verbirgt er sich meist hinter einer Wolkenwand.

Jedes Glück hat seinen Preis. Und nie ist er zu hoch. Wilson zum Beispiel, der dem Volksstamm der Sino-Kadazan angehört, hat es doppelt so viel gekostet wie seinen Freund Arthur, der ein Kadazan-Dusun ist. Arthur hat vor vierzehn Jahren fünftausend Ringgit inklusive eines Wasserbüffels für seine Braut gezahlt. Wilson sollte vor zwei Jahren fünfzehntausend Ringgit hinblättern, konnte die Brauteltern dann aber auf elftausend minus Wasserbüffel herunterhandeln, knapp dreitausend Euro. „Alles wird eben teurer, auch Ehefrauen“, sagt Wilson seufzend, doch von Reue oder Klage ist in seinem Seufzen keine Spur. Sein Glück scheint ein gutes Geschäft gewesen zu sein.

Jakob Strobel y Serra Folgen:  

Nicht, dass hier Missverständnisse aufkommen: Arthur und Wilson, unsere beiden Fahrradführer, mit denen wir einen Tag lang durch Borneos Bukolik radeln und gerade an einem rauschenden Fluss am Fuß des Mount Kinabalu rasten, haben sich keinesfalls bei dubiosen Heiratsvermittlern gefügige Damen aus exotischen Ländern besorgt, sondern nach alter Väter Sitte und den ehrenwerten Regeln der Urvölker Borneos ihre Bräute käuflich erworben. Feilschen gehört dabei zum Ritual, wobei peinlich darauf geachtet wird, die Würde der Familien nicht zu verletzen. Deswegen legen die Brautwerber die von ihnen gebotene Summe in Form von Streichhölzern auf den Tisch, wobei jedes Hölzchen tausend Ringgit sind und der Preis der Braut nicht nur nach ihrer Schönheit und ihrer Bildung, sondern auch nach dem Rang der Familie taxiert wird. Dann zieht sich die andere Seite mit den Streichhölzern zurück, diskutiert hinter verschlossenen Türen und legt anschließend mit einem Lächeln ihr Gegenangebot vor. Jetzt sind die anderen abermals an der Reihe, wieder Rückzug, wieder Diskussionen, wieder Gegenangebot. Das Streichhölzchenschicksalsspiel geht so lange, bis man sich geeinigt hat oder auch nicht.

Gackernde Hühner, glotzende Wasserbüffel

Wir würden von Arthur und Wilson allzu gerne weitere Details über diesen offensichtlich für alle Seiten profitablen Menschenhandel erfahren. Doch unsere Diskretion verbietet uns unverschämte Fragen etwa nach Korrelationen von Brautpreis und Beinlänge. Und außerdem drängen unsere beiden Frauenkäufer zum Aufbruch, weil sich der Himmel drohend verdunkelt. Sie packen ihre Blackberries ein, schwingen sich in voller Kampfradlermontur auf ihre Mountainbikes, mit denen sie auch in jeder westlichen Großstadt eine gute Figur machen würden, und schon brausen wir zwischen gackernden Hühnern und glotzenden Wasserbüffeln davon.

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