26.10.2006 · Die Grupo Taca in Lateinamerika übernimmt Anteile an weniger erfolgreichen Fluggesellschaften in der Region und integriert sie. Dadurch stieg sie zur erfolgreichsten Fluggesellschaft zwischen Karibik und Pazifik auf.
Von Andreas SpaethDie Geschichte der Grupo Taca, der erfolgreichsten Fluggesellschaft zwischen Karibik und Pazifik, ist typisch für Lateinamerika: Eine in einem Land dominante, meist private Flugfirma übernimmt Anteile an weniger profitablen, meist staatseigenen Gesellschaften in der Region und beginnt sie durch gemeinsame Flugnummern, gegenseitiges Flugzeug-Leasing, gemeinsamen Markenauftritt und zentralisiertes Management zunehmend zu integrieren. So hat es Lan aus Chile inzwischen in ganz Südamerika gemacht und Grupo Taca in Mittelamerika.
Kritische Masse
Noch 1992 konkurrierte die bereits 1931 gegründete Taca als rein salvadorianische Gesellschaft mit fünf anderen kleinen Wettbewerbern der Nachbarländer. Bis 1997 dann waren die meisten davon in die neu geschaffene Grupo Taca eingegliedert. "Wir wollten ein Konsortium gründen, denn um zu wachsen, mußten wir über unsere Landesgrenzen hinaus expandieren", sagte der damals federführende Taca-Präsident Federico Bloch kurz vor seiner Ermordung im April 2004. "Wir brauchten eine kritische Masse, um wettbewerbsfähig zu sein, denn wir wußten, daß keine kleine Gesellschaft in Lateinamerika am Ende überlebensfähig wäre", sagte Bloch damals. Es gelang Taca, Anteile zwischen zehn und 49 Prozent an Gesellschaften der Nachbarn wie Lacsa, Aviateca, Nica und Sahsa zu übernehmen und in allen beteiligten Ländern nur noch als Taca aufzutreten. Kurzzeitig gehörte auch die andere wichtige Größe der Region, Copa aus Panama, dazu. Einzig in Peru ließ sich Taca auf eine Neugründung ein und übernahm 49 Prozent an Taca Peru.
Auswanderer als feste Größe
Sieben Länder bilden die schmale Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika, stellen die Verbindung her zwischen Mexiko im Norden und Kolumbien im Süden des amerikanischen Kontinents. Die wirtschaftliche und politische Entwicklung in Mittelamerika ist in den letzten Jahrzehnten sehr unterschiedlich verlaufen. Da gibt es Erfolgsgeschichten wie Costa Rica, wo Geschäfte und Tourismus florieren, ähnlich wie in Panama oder Belize. Guatemala und El Salvador liegen im Mittelfeld, während Honduras und Nicaragua die Armenhäuser der Region sind - hier beträgt das Pro-Kopf-Einkommen nur ein Zehntel dessen der reicheren Nachbarn. Das Flugzeug zu benutzen, können sich die meisten Menschen nicht leisten. Die einzige zuverlässige Größe im Verkehrsaufkommen der Fluggesellschaften der Region sind die Millionen von Auswanderern, die in den Vereinigten Staaten von Amerika leben und regelmäßig ihre Familien in der Heimat besuchen, ihnen vor allem aber Geld schicken.
In Ländern wie Nicaragua machen diese privaten Auslandszahlungen genausoviel aus, wie die gesamte Exportwirtschaft des Landes einnimmt. Doch allein die Reisen der ausgewanderten Latinos ergeben noch keinen profitablen Markt . "Insgesamt repräsentiert ganz Lateinamerika nur rund fünf Prozent des weltweiten Luftverkehrs, aber es ist für zehn Prozent der Verluste der Branche verantwortlich", sagt Alex de Gunten, Chef von Aital, der Vereinigung lateinamerikanischer Fluggesellschaften. Etwa dreißig Prozent aller Flugfirmen hier, wie etwa die brasilianische Varig, seien "quasi bankrott", schätzt Aital, rund 70 Prozent aller Wettbewerber der Region flögen Verluste ein.
Im Zeichen des Papageis
Bei den grenzübergreifend auftretenden Gruppen Lan und Taca ist das anders. An die bewegte, nun 75 Jahre währende Firmengeschichte der aus El Salvador stammenden Gesellschaft erinnert noch heute das in den dreißiger Jahren gewählte Firmensymbol: der Guacamaya, der Ara, eine farbenprächtige Papageienart, die in Mittelamerika heimisch ist und weiterhin das Taca-Logo ziert. Die Abkürzung Taca steht heute für "Transportes Aéreos del Continente Americano" und zeigt so den Anspruch, eine gesamtamerikanische Gesellschaft zu sein. Insgesamt werden zur Zeit 35 Zielorte in neunzehn Ländern angeflogen, das Streckennetz reicht von Toronto bis Buenos Aires und von San Francisco bis Santiago de Chile. Der wichtigste Knotenpunkt ist San Salvador, weitere "Hubs" sind San José in Costa Rica sowie Lima in Peru. Etwa vierzig Prozent der für 2006 erwarteten 3,5 Millionen Passagiere entfallen auf private Familienbesuche, den sogenannten ethnischen Verkehr, ein außergewöhnlich hoher Anteil. Die restlichen sechzig Prozent bestehen zu gleichen Teilen aus Urlaubern und Geschäftsreisenden.
Die jüngste Flotte
Die Distanz, die die Passagiere mit Taca zurücklegen, liegt im Schnitt bei fast dreitausend Kilometern, die meisten Reisenden müssen einmal umsteigen. Der durchschnittliche Flugpreis pro Strecke beträgt etwa 200 Dollar, dafür gibt es auf kurzen Segmenten in der Economy class keinen Service, auf längeren Routen freie Getränke und Gebäck. Seit dem Sommer kooperiert Taca mit United Airlines. Beide Gesellschaften bieten jetzt Ziele unter einer gemeinsamen Flugnummer an, gleichzeitig macht Taca lukrative Geschäfte mit Umsteigern auf Europa-Verbindungen von Iberia, Lufthansa und Air France. Die moderne Flotte aus derzeit 32 Flugzeugen besteht ausschließlich aus Airbus-Mittelstreckenmaschinen. Taca ist stolz auf die jüngste Flotte in ganz Amerika; das Durchschnittsalter beträgt zur Zeit 3,8 Jahre. Und bis Ende 2009 sollen 45 Airbus-Jets im Einsatz sein.