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London Warum hat der Marienkäfer Flecken?

 ·  Kinder sind neugierig und haben viele Fragen. Antworten finden sie in den Museen Londons, die sich vorbildlich um ihre jüngsten Besucher kümmern. Ein Streifzug von der Antike zu den Dinoisauriern und weiter zur Lasertechnologie.

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In der Tate Modern fällt der zwei Jahre alte Caspar gerade aus dem Rahmen. Seine Familie posiert für ein surrealistisches Porträt, und der Kleine schwingt an dem freihängenden Gestell aus Metall hin und her, das die Gruppe in Szene setzt. Bitte mal stillhalten, sagt der Fotograf. Linus hat mit vier Jahren schon mehr Würde und drückt sich Mae Wests Lippen fest vor das kleine Gesicht, während Papa dank einer Maske aussieht wie Dalí. Mama hofft, dass der Hummer auf dem Hut hält. Ein, zwei Blitzlichter, und die Familie bekommt umsonst ein Erinnerungsfoto überreicht. Auf den Maltischen daneben häufen sich Papier, Stifte, Pinsel, Scheren, Klebstoff und Schablonen. Das fertige Kunstwerk wird an die Wand geheftet. "Mein Bild hängt in der Tate", sagt Linus beim Gehen. Auf den Galerien des in einem alten Kraftwerk untergebrachten Museums sind währenddessen Mitglieder des "Start Teams" unterwegs und leicht an ihren bunten T-Shirts zu erkennen. Sie organisieren Suchspiele, beleuchten den Hintergrund der einzelnen Werke, fragen Kinder nach ihren Interpretationen des Gesehenen, ermutigen sie zu eigenen Ideen, und wenn es nach Hause geht, geben sie ihnen noch ein kleines Geschenk mit auf den Weg.

Die Tate Modern ist nicht das einzige Museum in London, das an die Zukunft denkt: Wer sich als Kind für Museen begeistert, so das Kalkül, kommt als Erwachsener wieder, hoffentlich mit den eigenen Kindern an der Hand. Deswegen kümmern sich auch viele andere Museen in der britischen Hauptstadt mit vielfältigen Aktionen und Programmen um die jüngsten Besucher. Ganze Tage kann man als Eltern mit seinem Nachwuchs allein entlang der Cromwell Road zwischen Harrods und den großen Parks verbringen, an der sich das Victoria&Albert Museum, das Science Museum und das Museum of Natural History aneinanderreihen.

Keine Angst vor kaltem Blau

Das Victoria&Albert mit seinen Sammlungen von Kunst, Mode und Design richtet an jedem Wochenende und während der Schulferien sogenannte Discovery Areas ein und verwandelt sich dort in ein Museum zum Anfassen. Man kann in eine Krinoline oder ein Korsett schlüpfen, einen Stuhl selbst bauen, ein Schloss aus Glas entwerfen oder am eigenen Leib spüren, wie viel ein Kettenhemd wiegt. Damit soll man auch noch auf ein Pferd steigen und kämpfen? In den Südostasien-Räumen gibt es die Möglichkeit, Elefantenmasken zu basteln, Origami zu falten oder Muster für einen Kimono zu entwerfen. Und am "Free Art Desk" liegen Rucksäcke bereit, mit deren Hilfe man ein Fest für einen indischen Rajah ausrichten, eine Papierrolle nach chinesischer Art bemalen oder ein Londoner Palais einrichten kann. Die Rucksäcke sind für Kinder ab fünf Jahren gedacht, für jüngere Geschwister enthalten sie Malblätter und Spiele. So hat jeder etwas zu tun, während die Eltern im gepflegten Garten des Museums auf einen Stuhl des Cafés sinken - einem der schönsten in London übrigens.

Das Licht des "Deep Blue Café" taucht den Welcome Wing im Erdgeschoss des Science Museums dagegen in ein kaltes Blau, was die Kleinen nicht weiter stört. Während sie auf ihr Essen warten, beschäftigen sie sich mit den kostenlos verteilten "Activity Boxes". Um sie herum rattert und knistert es, aber nicht zum Spaß. Vielmehr wird hier Kindern zwischen fünf und acht auf spielerische Weise der Grundsatz aller Wissenschaft erklärt: Regeln und Mustern folgen und einen Beweis für eine Vermutung finden. Im untersten Stockwerk bekommen die kleinsten Besucher Schürzen übergezogen und werden an einem Brunnen voller Hebel, Trichter, Dämme, Rutschen und Schleusen mit den Gesetzen der Hydraulik vertraut gemacht. Mit Sandsäcken und riesigen Legosteinen muss anschließend auf der Kletterburg der Flaschenzug in Gang gesetzt oder an vibrierenden Scheiben ein Erdbeben ausgelöst werden; Höhepunkt ist das Einstürzen sämtlicher Bauklötze. Im dritten Stock des Museums ist gerade das neue "Launchpad" eröffnet worden. Hier geht es für Kinder über acht Jahre um fortgeschrittene Wissenschaft: Wie wandelt sich Kohlendioxid vom festen in den flüssigen Aggregatzustand um? Kann man Licht brechen und Geräusche sehen? Wie sieht die Welt durch eine Thermalkamera aus? Der mittlerweile berühmte "Kornspeicher" zeigt zudem, wie die Eisenbahn, das Rad und die Schraube die Welt verändert haben.

Eine Tasse mit Fell

Fragen über Fragen werden auch im Museum of Natural History beantwortet. Weshalb hat der Marienkäfer Flecken? Was hat die Natur mit der Mode zu tun? Wie überleben Fledermäuse im Winter? Gelöst werden die Rätsel in den kurzen Vorlesungen von "Nature Live". Wer nicht stillsitzen kann, bekommt einen Tropenhelm auf den Kopf gesetzt und ein Fernglas in die Hand gedrückt und wird mit einem Rucksack durchs Museum geschickt - ideal für Kinder unter sieben Jahren. Sie können auch in einen weißen Laboratoriumskittel schlüpfen und hinter die Kulissen des Museums schauen, etwa ins Darwin Center mit seinen siebenundzwanzig Kilometern Regalen. Sein ganzer Stolz ist Archie, der Riesenkrake, der vor den Falkland-Inseln gefangen wurde. Heute ist das neun Meter messende Tier samt Tentakeln in Meerwasser konserviert. Diese Tour muss allerdings im Voraus gebucht werden, jeden Wochentag zwischen 15 und 16 Uhr findet sie statt. Das weckt Lust auf mehr: Das Programm "Investigate" und die "Discovery Guides" machen die Kinder mit Tieren, Pflanzen und geologischen Schätzen vertraut. Und auf Reisen in das Innere eines Vulkans oder zu einer Forschungsstation in der Antarktis erforschen sie die Kräfte unseres ruhelosen Planeten.

Nach so viel Lernen mit Spaß ist die Zeit reif für eine Erfrischung. In der Tate Modern reicht man Linus noch eine Kopie der berühmten Felltasse von Meret Oppenheim. Tee oder Kaffee, der junge Herr? Haarige Frage. Orange Juice, please.

Informationen zu aktuellen Veranstaltungen und Öffnungszeiten findet man auf den Websites der Museen: www.tate.org.uk, www.vam.ac.uk, www. sciencemuseum.org.uk und www.Nhm.ac.uk.

Quelle: F.A.Z.
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