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Veröffentlicht: 20.04.2007, 12:16 Uhr

Kambodscha Das schnelle Leben in Phnom Penh

Kambodscha befindet sich mitten in der Aufarbeitung seiner düstersten Epoche, der Terror-Herrschaft der Roten Khmer. Das Volk will nach vorne sehen können und aus Phnom Penh wieder die „Perle Südostasiens“ machen.

von Katja Dombrowski
© AP In Phnom Penh drängt alles vorwärts

Phnom Penh zählt zu den finsteren Hauptstädten der Welt. Das ist wörtlich zu nehmen und wird unmittelbar sinnfällig, wenn man mit dem Flugzeug aus den Lichterteppichen der nahen Metropolen Bangkok, Kuala Lumpur oder Saigon aufgestiegen ist und in die Nacht von Phnom Penh einfliegt. Die Nacht dort ist schwarz wie Pech. Erst unmittelbar bevor das Flugzeug aufsetzt, tauchen aus dem Dunkel die Laternen am Russen-Boulevard auf, der breiten Chaussee, die vom Flughafen ins Stadtzentrum führt, und dann sieht man die Lichter des Pochentong Airports. Viel mehr Licht hat Phnom Penh nicht zu bieten. Und dennoch gibt es dunklere Städte. Monrovia zum Beispiel, die Hauptstadt Liberias in Westafrika, hatte bis vor kurzem überhaupt keinen Strom, und in Port-au-Prince auf Haiti werden die privilegierten Bewohner allenfalls für fünf, sechs Stunden täglich mit Elektrizität versorgt.

Im Vergleich dazu hat der Fortschritt in Phnom Penh längst Einzug gehalten. Nur jeder fünfte Haushalt ist dort noch ohne Strom, wer an das Elektrizitätsnetz angeschlossen ist, profitiert von diesem Zustand rund um die Uhr. So heißt es jedenfalls offiziell. Aber Kambodscha kriecht ja auch nicht gerade erst aus den Trümmern eines Bürgerkriegs. Die letzten Roten Khmer, die das Land in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre terrorisierten und Phnom Penh in eine Geisterstadt verwandelten, haben sich 1998 ergeben, das Land befindet sich mitten in der Aufarbeitung seiner düstersten Epoche. Das „Rote-Khmer-Tribunal“ hat im Juli vorigen Jahres begonnen, im kommenden Jahr soll die Handvoll noch lebender Verantwortlicher vor Gericht stehen. Das Volk hofft auf Gerechtigkeit für mehr als anderthalb Millionen Opfer. Und vielleicht hoffen die Menschen sogar noch mehr darauf, dass ihr kleines Königreich in den Augen der Welt endlich erlöst wird von dem brutalen Völkermord. Schluss mit der blutigen Vergangenheit, lautet die Devise. Kambodscha schaut nach vorn, Phnom Penh soll wieder die „Perle Südostasiens“ werden.

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Stadt des Glücks, Stadt der Sonne

Die Stadt, die im fünfzehnten Jahrhundert nach dem Fall des Angkor-Reichs erstmalig und 1866 dauerhaft zur Hauptstadt wurde, geht auf wie ein Hefefladen. Zurzeit hat Phnom Penh knapp anderthalb Millionen Einwohner, in fünfzehn Jahren werden es voraussichtlich doppelt so viele sein, anderen Prognosen zufolge schon in zehn. Die neuen Wohngebiete, die an den Rändern aufquellen, heißen „Sun City“, „World City“ und „Happiness City“. Schmale, tiefe Gebäude im Stil chinesischer Ladenhäuser reihen sich an frisch geteerten Straßen aneinander, alle sind der Form nach gleich, viele rosafarben gestrichen. Dorthin zieht die wachsende Mittelschicht. Im Zentrum wird eine informelle Siedlung nach der anderen geräumt; Investoren schütten Seen zu, um Bauland zu gewinnen. Was die Regierenden stolz als Entwicklung preisen, kommt mit dramatischen Nebenwirkungen daher: Die Armen der Stadt werden aus dem Zentrum aufs nackte Reisfeld vertrieben, ohne sauberes Wasser, ohne Strom, ohne Schulen und Arbeit. Und die Regenmassen, die der Monsun bringt, fließen durch die zunehmende Versiegelung des Stadtgebiets nicht mehr ab, sondern verwandeln sogar die großen Boulevards in knietiefe Kanäle.

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