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Hotels Eine Krone für New York

16.07.2003 ·  Der ewige Zyklus von Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg New Yorks spiegelt sich im Neubau des "Four Seasons". Das monumentale Meisterstück des berühmten Architekten I.M. Pei wird vom neuen Besitzer vollendet .

Von Brigitte Scherer
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Der ewige Zyklus von Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg New Yorks ist sprichwörtlich. Selbst im tiefsten Tal zieht die Stadt Investoren an, die nicht jammern, sondern im Vertrauen auf eine bessere Zukunft handeln. Als in der Rezession nach dem ersten Irak-Krieg Anfang der neunziger Jahre in Soho und auf der Madison Avenue die Galerien leer standen und die Hotels bei der Belegungsquote froh waren um jeden Prozentpunkt über 65, wurde dennoch investiert wie nie zuvor. In die Hotels Manhattans flossen damals eineinhalb Milliarden Dollar, allein 360 Millionen kostete der Neubau des "Four Seasons" in der 57. Straße, bis heute eines der schillerndsten Beispiele für die Anziehungskraft spektakulärer Hotels im Immobiliengeschäft.

Denn das monumentale Meisterstück des berühmten sinoamerikanischen Architekten I.M. Pei, das von der zeremoniellen Treppe in der mehrere Stockwerke hohen Halle aus Kalksteinquadern bis zur magisch beleuchtenen Onyxdecke die feierliche Kühle eines ägyptischen Tempels ausstrahlt, brachte erst den zweiten Besitzern, einer Gruppierung aus Hongkong, wirtschaftlich Glück.

Das Hochhaus wird vollendet

Eine Million Dollar pro Raum hatte der architektonisch ehrgeizige Neubau verschlungen, nach traditioneller Rechnung hätte jedes Zimmer tausend Dollar die Nacht kosten müssen, um den japanischen Erstbesitzern eine Rendite zu erwirtschaften. Doch das gab der Markt nicht her, die Einführungspreise betrugen ein Viertel davon. Schließlich wurde das Haus verkauft, als Schnäppchen für 190 Millionen Dollar, kaum mehr als die Hälfte der Entstehungskosten, an eine chinesische Firmengruppe aus Hongkong. Zwei Jahre später, auf dem Höhepunkt der New Economy, ging das Hotel dann zu einem siebzig Millionen Dollar höheren Preis in die Hände des heutigen Besitzers über, eines Stofftierfabrikanten mit Namen Ty Warner.

Der liebt seine Erwerbung offenbar nicht nur in finanzieller Hinsicht und ist nun dabei, zehn Jahre nach der Eröffnung das eindrucksvolle, nach oben hinter gewaltigen Schmucklaternen sich verjüngende Hochhaus aus französischem Kalkstein so zu vollenden, wie es sein Schöpfer Ieoh Ming Pei ursprünglich geplant hatte. Der in New York lebende Pei selbst, nun weit über achtzig Jahre alt, überwacht das Design der neuen Spitze seines Hotels, das aussieht, als stamme es aus Fritz Langs Film "Metropolis".

Eine Krone aus Licht und Glas

Der 52 Stockwerke hohe Turm, mit einer Krone aus Licht und Glas zu einer theatralischen Skulptur veredelt, soll zu einem Wahrzeichen der Skyline werden. Die beiden Präsidentensuiten erhalten bei dieser Gelegenheit nicht nur noch größere Glasfenster, sondern auch eine neue Innenausstattung, die Luxus in eine moderne Sprache zu übersetzen sucht. Das bedeutet mit Ziegenleder bespannte Wände bis zum Siebziger-Jahre-Avantgarde-Schick eines Panton-Lüsters aus Perlmuttplättchen, flache Plasma-Fernsehbildschirme und eine raffinierte Technik, die aber vom Gast auch zu verstehen sein soll.

Mehr als hundert Gebäude hat Pei in der ganzen Welt gebaut, unter ihnen die Louvre-Pyramide, die Bank of China in Hongkong, den Anbau an das Historische Museum in Berlin. Doch vom Glanz der Architektur allein kann selbst in New York ein Hotel nicht existieren. Obwohl das Haus schon kurz nach der Eröffnung zum Star der Mode-, Film- und Werbewelt aufgestiegen war und das "Power Breakfast" in seinem Restaurant noch immer so populär ist, daß Warteschlangen morgens zum Kaffee dazugehören wie die sieben Sorten unterschiedlich braunen, doch gleich weichen Toasts, kann Hoteldirektor Thomas Steinhauer nicht zufrieden sein.

Der 11. September veränderte alles

Schon vor dem 11. September wies die vorher traumhafte Belegungsrate zu traumhaft hohen Zimmerpreisen eine Tendenz nach unten auf. Die Hauptzielgruppe der kanadischen Luxushotelgruppe Four Seasons, die das New Yorker Schaustück managt, sind Dienstreisende aus den obersten Chefetagen. Und sobald die Wirtschaft zu lahmen beginnt, tun sich in dieser Klientel Lücken auf. Dem steuerte das New Yorker Haus mit Pauschalarrangements und einem "Familienprogramm" gegen. Plötzlich bestanden vierzig Prozent der Kundschaft aus Privatreisenden, und die vorher schwach gebuchten Wochenenden waren so gut ausgelastet wie zu den Boomzeiten der New Economy nicht.

Der 11. September dann veränderte alles. Bis heute sind die Geschäftsleute aus dem Ausland nicht vollzählig zurückgekehrt, ingesamt ein Fünftel weniger ausländische Besucher weist die jüngste Statistik für Amerika aus. Viele Urlauber haben noch immer Angst vor einem Flug nach New York. Zwar reisen die Amerikaner zur Zeit am liebsten innerhalb ihrer Landesgrenzen, und auch die einheimischen Geschäftsleute bestätigen die Erfahrung, nach der die Klientel der Spitzenhotellerie zumindest in der Neuen Welt als die stabilste gilt: Sie ist in Krisenzeiten seltener unterwegs, aber sie reist im selben Stil wie immer.

Service bleibt das A und O

Doch leiden New Yorker Spitzenhotels wie das "Four Seasons" zur Zeit an der ungleichmäßigen Auslastung: achtzig Prozent Belegung zwischen September und November, sechzig im Januar und im Hochsommer, und der Monatsumsatz schwankt dabei um bis zu dreißig Prozent; die Personalkosten für den Rundumservice aber sind im gewerkschaftsdominierten New York keine sehr variable Größe.

Service jedoch ist und bleibt das A und O eines Luxushotels, auch wenn er sich anpaßt an die Bedürfnisse des globalen Nomaden. So ermöglicht der Concierge des "Four Seasons" dem Gast den Einkauf beim benachbarten Nobelkaufhaus Bergdorf Goodman rund um die Uhr. Und die neu gekaufte Hose oder das Kostüm werden bei Bedarf auch blitzschnell geändert, damit der Gast trotz verlorener Koffer oder vergessener Kleidung picobello auftreten kann.

In der Hotellimousine kann er auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel schon sein Essen auf das Zimmer bestellen, bei der Ankunft dort wird es sofort serviert. Und hinter dem verlockenden Namen "Travel Tastes" steht die Lunchbox aus dem Hotel, die man nach der Abreise auf dem Weg zum Flughafen gemütlich, aber zeitsparend im Auto verspeist. Hoteliers, die so viele Ideen haben, wissen: Nach Zeiten der Dürre kam in New York immer wieder auch ein neuer Boom.

Informationen auch über Pauschalarrangements: Telefon: 00212/758 5700; Internet: www.fourseasons.com

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2003, Nr. 163 / Seite R2
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Jahrgang 1943, freie Autorin im „Reiseblatt“.

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