http://www.faz.net/-gxh-740x0

Fünfzig Jahre James Bond : Die Venus des Agenten

James Bond ist eigentlich Jamaikaner. Hier musste er sein erstes Abenteuer bestehen, als er Jagd auf Dr.No machte. Und hier lässt sich sein Geist noch immer wunderbar beschwören - wenn da nicht das Problem mit Ursula wäre.

          Sie kommt nicht mehr. Sie wird nie mehr kommen, da können wir so lange warten, bis wir schwarz werden oder von den Sandflöhen am Laughing Waters Beach aufgefressen worden sind. Warum hat immer nur dieser unverschämte James Bond solches Glück? Vor fünfzig Jahren schlief er in Gestalt von Sean Connery genau an diesem Strand, unter diesem Mandelbaum, als er sich vom Sirenengesang des ersten aller Bond-Girls wecken ließ - von der umwerfenden, unvergleichlichen, wie eine schaumgeborene Geheimagenten-Venus dem karibischen Meer entsteigenden Muscheljägerin Honey Rider alias Ursula Andress, dieser Nixe im weißen Baumwollbikini, die das Lied von der Liebe unter dem Mangobaum trällerte und vom „boolooloop“ mit ihrem Liebsten träumte. Sie stand da wie eine Traumerscheinung, schwankend zwischen Tollkühnheit und Verletzlichkeit, Wagemut und Schutzbedürfnis und mit dieser explosiven Mischung allen Männern den Verstand raubend. Bond stimmt in das Lied ein, Honey erschrickt und fragt, ob auch er Muscheln suche. „Nein, hübsches Mädchen“, antwortet er frech und kommt näher. Sie zückt sofort ihr Messer, er darauf ganz unschuldig: „Sie werden sich doch wohl nicht an einem wehrlosen Mann vergreifen wollen“ - und alle Männer dieser Erde denken in diesem Moment: Bitte, bitte, greifen Sie nur zu, vergreifen Sie sich! Und auch wir, Asche auf unser Haupt, starren unverdrossen sehnsuchtstrunken aufs Wasser, das partout keine Männervergreiferin preisgeben will.

          Selbst wenn Ursula doch noch käme, wäre an Boolooloop nicht zu denken, denn heute ist man an einem der berühmtesten Strände der Filmgeschichte selten allein. Die jamaikanische Regierung unterhält hier mittlerweile ein Gästehaus, das man für Beach Partys mieten kann. Und so teilen wir uns Laughing Waters, das seinen Namen einem kleinen, wie schallendes Gelächter klingenden Wasserfall verdankt, mit einer Handvoll Dixieklos und Dutzenden einheimischer Familien - mit kickenden Kindern, schnatternden Frauen und feixenden Männern, die bei lärmenden Wettbewerben den schnellsten Biertrinker unter sich ermitteln. Wenigstens werden wir im Gegensatz zu Bond und Honey nicht von Dr.Nos Mörderbuben beschossen und können ganz gemächlich zu den Dunn’s River Falls schlendern, an denen unsere tapferen Filmhelden Zuflucht suchen und Ursula im pitschnassen Leibchen als Miss-Wet-T-Shirt-Pionierin eine unverschämt gute Figur macht.

          Massenkarawane der Monsterkindergartenkinder

          Die Wasserfälle des Dunn River an der jamaikanischen Nordküste gehören heute zur Freude Hunderttausender vor allem nordamerikanischer Touristen und zum Leidwesen einer Handvoll sentimentaler Bond-Fans zu den spektakulärsten Naturattraktionen der Insel - eine siebenhundert Meter lange Kaskade, die sich über Tausende von Steintreppen und Katafalken, Emporen und Becken ihren Weg zum Meer sucht und dabei eine berauschende Wasserskulptur erschafft. Besonders beliebt ist es, sie von unten nach oben im Massengänsemarsch hinaufzuwandern, und zwar nicht in stiller Andacht vor der Schönheit der Natur, sondern mit einem Gejohle und Gejauchze, dass einem Hören und Sehen vergeht.

          Weitere Themen

          Wagenknecht sieht kaum Chancen für Rot-Rot-Grün Video-Seite öffnen

          Bundestagswahl : Wagenknecht sieht kaum Chancen für Rot-Rot-Grün

          Die Spitzenkandidatin der Linken bei der Bundestagswahl, Sahra Wagenknecht, will mit ihrer Partei nach Union und SPD drittstärkste Kraft im Bundestag werden. Nach den Zahlen der Meinungsforscher liefern sich Linke, FDP, Grüne und AfD hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine mögliche Mehrheit scheint es nur für eine große Koalition oder für ein sogenanntes Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen zu geben.

          Unterwegs in Estland Video-Seite öffnen

          Baltikum : Unterwegs in Estland

          Nur eine Autostunde von der Hauptstadt Tallinn entfernt liegt der Lahemaa Nationalpark – der größte und älteste seiner Art in Estland. Er vereint Küste, Moore, Wald, ursprüngliche Dörfer und prachtvolle Gutshöfe.

          Topmeldungen

          Teilnehmer einer NPD-Kundgebung in Bautzen im Mai 2017.

          Zusammenarbeit mit der NPD : Wie rechts ist Bautzen wirklich?

          Ein stellvertretender CDU-Landrat aus Bautzen hat in Asylfragen mit Neonazis kooperiert – und wird dafür von mehreren lokalen Politikern gelobt. Denn die angespannte Lage in der Stadt hatte sich danach beruhigt.

          Apple Watch im Test : Jetzt läuft’s auch ohne iPhone

          Die Computeruhr von Apple geht in die dritte Runde. Sie braucht in der neuen Version das iPhone nicht mehr. Aber sie gönnt sich zur falschen Zeit eine Pause.

          UN-Vollversammlung : Iran entsetzt über „ignorante Hassrede“

          Mit seiner Rede vor der UN hat Donald Trump für Entsetzen gesorgt – und viel Applaus seiner Basis eingeheimst. Einer der vom amerikanischen Präsidenten Kritisierten wird heute die Antwort auf die Vorhaltungen liefern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.