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Dominikanische Republik : Die Sehnsucht nach dem ewigen Kuss

Eine Welt jenseits der Welt der Sorgen: Touristen sonnen sich in der Casa de Campo an der dominikanischen Südküste Bild: AP

Eines der schönsten, aber auch rätselhaftesten Länder der Karibik ist die Dominikanische Republik. Sie löst jedes Glücksversprechen ein, gleich ob teuer oder billig. Nur fragt man sich am Ende: Wo ist man eigentlich gewesen?

          Wir waren in Venedig und Portofino, in polynesischen Langhäusern und balinesischen Tempeln, in einem Künstlerstädtchen an der Costa Brava und einem Renaissance-Dörfchen in Mittelitalien, in Ritterburgen und Wandtapetenträumen, im All-inclusive-Arkadien und Last-Minute-Inferno, im Lustgarten der Semiramis und im melancholischsten Autowaschsalon der Welt. Wir waren nur ein paar Tage unterwegs und haben uns nicht besonders beeilt, immer beschützt von den Brandmauern touristischer Illusionen. Ganz zum Schluss haben wir uns das typischste Souvenir der Dominikanischen Republik gekauft: eine Puppe in Landestracht, die kein Gesicht hat, weil die Dominikaner sagen, sie hätten von vielem etwas und seien nichts eindeutig, deswegen könne es kein typisch dominikanisches Gesicht geben. Die Puppe ist sehr schön und seltsam verstörend.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Manchmal waren wir auch in der wirklichen Wirklichkeit. Und einmal, in der Hauptstadt Santo Domingo, traf sie uns mit der Wucht eines Fausthiebes: Als sollte endlich etwas eindeutig sein, als sollte auch der allerletzte Zweifel daran zertrümmert werden, dass einzig und allein die Dominikanische Republik die wahre Hüterin von Christoph Kolumbus' Erbe ist, thront das größte aller Denkmäler für den Entdecker Amerikas auf einem Hügel hoch über der Stadt - ein monströses Monument in der Form eines liegenden Kreuzes, zweihundertvierzig Meter lang, fünfundvierzig Meter hoch, fünfunddreißig Meter breit, aufeinandergeschichtet aus lauter steinernen Kreuzen, ein Kreuz aus Licht gen Himmel werfend, als wolle es dem Schöpfer die Hand reichen. Es ist das pharaonische Grabmal des Admirals, obszön in seinen Dimensionen, maßlos in seinem Anspruch, bedingungslos in seinem Gottesgehorsam. In die marmornen Außenwände ist die Rede eingraviert, die Papst Johannes Paul II. hier 1992 zum fünfhundertsten Jahrestag von Kolumbus' Heldentat hielt, und auch diese Botschaft ist eindeutig: Amerika, sei fest in Deinem Glauben und ehre die Männer, die Dir die Erlösung im Namen des Allmächtigen gebracht haben!

          Die älteste Kneipe Amerikas

          Leibhaftig und lebensgroß in Bronze steht Kolumbus vor der Kathedrale von Santo Domingo, zu seinen Füßen eine Ureinwohnerin, barbusig, lendengeschürzt, den Admiral anhimmelnd und kein bisschen zornig darüber, dass die Spanier die geschätzten sechshunderttausend Taíno-Indianer auf der Insel innerhalb von anderthalb Dekaden ausrotteten. Darüber schweigt man lieber und heroisiert stattdessen die kurze goldene Epoche in der dominikanischen Kolonialgeschichte: Santo Domingo war der Grundstein des spanischen Weltreichs in Amerika, hier entstand die erste Kathedrale der Neuen Welt, die erste Festung, das erste Hospital, die erste gepflasterte Straße, die erste Kneipe. Und sie stehen bis heute unter Lorbeer- und Caoba-Bäumen in der Altstadt, einer unaufgeregten, unprätentiösen Rumpelschatzkammer voller weißgekalkter Fassaden, schmiedeeiserner Fenstergitter und steinerner Wappen - die schöne, schlichte Kathedrale aus hellem Kalkstein, in der die Evangelisierung des Doppelkontinents gefeiert wird; das quadratische Fort mit seinen Zinnen und Schießscharten, vor das ein Diktator Panzer, Hubschrauber und Torpedos gestellt hat wie ein kleiner Junge sein Spielzeug; die Ur-Taverne Amerikas, die sich jetzt als vornehme Piratenspelunke kostümiert; die Calle Las Damas, die María de Toledo, Neuspaniens Vizekönigin, jeden Tag mit ihrem Hofstaat entlangzugehen pflegte, um ihren Gatten bei der Arbeit im Fort zu besuchen.

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