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Veröffentlicht: 07.10.2013, 16:32 Uhr

Burj Khalifa 3000 Stufen in den Himmel

Ein Büro in den obersten Stockwerken des Planeten. Noch größerer Luxus ist es nur, in einen kleineren Nachbar-Turm umzuziehen – und selbst jeden Tag den Burj Khalifa zu sehen.

von Helge Sobik
© Getty Images Fotografiert von noch weiter oben: Der Burj Khalifa ragt auch aus Satellitenaufnahmen heraus.

Auf den letzten paar hundert Metern seines Weges zur Arbeit musste er ein, zwei oder drei Mal umsteigen. Mit der Wartezeit auf den passenden Anschluss dauerte das trotzdem selten mehr als zwei, drei Minuten. Das Verkehrsmittel pendelt in dichter Frequenz auf der Strecke und steht auf Knopfdruck bereit. Mohammed Alabbar nahm die kurzen Unterbrechungen seiner täglichen Dienstfahrt gerne in Kauf, denn sein Arbeitsweg war spektakulär. Er führte senkrecht nach oben: in den 154. Stock des Burj Khalifa, des höchsten Wolkenkratzers der Erde.

Die Express-Fahrstühle mit einer Geschwindigkeit von mehr als drei Stockwerken oder zehn Metern pro Sekunde beförderten den Mann, der die schneeweiße Dishdasha der Oberschicht der Emirate trägt, erst in den 43. Stock. Dort musste er in der Sky-Lobby umsteigen in den Lift, der ihn in den 76. Stock brachte. Dann noch mal umsteigen, 47 weitere Etagen nach oben rauschen. Schließlich von Ebene 123 aus das letzte Stück hinauf in das höchste Büro, das auf Erden zu vergeben ist. Oder mit dem Express-Lift direkt nach 123 und nur einmal den Fahrstuhl wechseln. Zu Fuß braucht man für die Reise länger. 2904 Stufen: Das könnte einen halben Tag dauern.

Wolken trüben selten den Blick

Vom Konferenztisch aus hätte Mohammed Alabbar den Tag über fast nach den Flugzeugen greifen können - wenn man denn die von außen silberblau schillernden Fenster öffnen könnte. Ersatzweise trat er auf die Terrasse hinaus. Wolken trüben den Blick von hier oben nur selten, die Sonne ist omnipräsent. Der Mann in der Spitzenposition konnte auf die Welt herabschauen. Und doch machte er sich wenig daraus, posierte nicht gerne für Shootings, reichte keine Fotos von seinem Arbeitsplatz herum und verlautbarte nicht mal, dass er an derart spektakulärer Stelle residierte. Im Gegenteil: Er ließ abwiegeln. Denn der Mann hatte zu tun. Damals und noch immer. Die Arbeit ist ihm wichtiger als eine Personality Show. Und jetzt ist er umgezogen in den weit niedrigeren Turm gegenüber. Der hat einen Vorteil: Von dort aus sieht er den Burj Khalifa, auf den er so stolz ist - und über den er noch gut drei Jahre nach Fertigstellung den Mantel des Geheimnisses gelegt hat.

Alabbar ist Vorstandschef des börsennotierten Baukonzerns Emaar. Seine Firma hat das mit 828 Metern höchste Gebäude der Erde binnen sechs Jahren hochziehen lassen. Im Januar 2004 begannen die Erdarbeiten an der Baugrube, am 4. Januar 2010 wurde der Tower eröffnet. Dabei war im Inneren noch längst nicht alles fertig, und über Monate wurde mit Hunderten Handwerkern weitergearbeitet. Emaar baut mit an der weit fortgeschrittenen Vision, Dubai aus dem Wüstensand zur Weltstadt emporwachsen zu lassen. Dieser Boom brachte Mohammed Alabbar die adäquaten Räume auf standesgemäßer Höhe weit über allen anderen in seinem Tower ein.

Der Verstand lässt es schwanken

Das Büro reicht über drei Etagen jenes Turmes, der sich in der Spitze bei Sturm konstruktionsbedingt um bis zu eineinhalb Meter zu jeder Seite bewegen kann. Zu behaupten, dass man es gar nicht spürt, wäre gelogen. Zu erzählen, man würde seekrank davon, wäre ebenfalls die Unwahrheit. Schon rund 30 Stockwerke tiefer, im höchsten Restaurant der Welt, dem „At.Mosphere“ auf Etage 122, glaubt man die leichte Schwingbewegung im jahreszeitlich unterschiedlich intensiven Wüstenwind zumindest dann zu spüren, wenn man auf die Toilette geht und dem Kopf kein Horizont mehr geboten wird, um die Ungleichmäßigkeiten für die Sinne wegzuverrechnen. So lange der Blick durch die Fenster in die Weite reicht, tariert das Hirn etwaige Bewegungen des Towers aus 330.000 Kubikmetern Beton, 39.000 Tonnen Stahl und 103.000 Quadratmetern Glas aus. Der Blick suggeriert, dass es keine Bewegungen gibt, weil sie so schwer vorstellbar sind. Und vor allem: weil sie Angst machen könnten.

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