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Veröffentlicht: 04.04.2005, 09:42 Uhr

British Virgin Islands Segeln befreit

Segeln verändert die Menschen, wo immer sie es tun. Am intensivsten aber auf den British Virgin Islands, wo jedes Jahr Regatten abgehalten werden. Jeder kann mitsegeln, ob Amateur oder Profi.

von Ivo Goetz
© Ivo Goetz Blaupause auf den British Virgin Islands

Das Auge ist so groß wie eine Untertasse. Plötzlich war es da, und jetzt starrt es den Schwimmer an. Der Barracuda schwebt einsam im Wasser. Solange er waagerecht wie ein U-Boot im Tiefblau treibt, ist er harmlos. Heißt es. Nur wenn er kopfüber abkippt, schräg im Wasser hängt, ist er angriffslustig. Dreißig Meter unter dem Tier liegt ein Wrack. Es ist die RMS Rhone, die 1867 in einem Hurrikan sank. Berühmt wurde das Postschiff Ende der Siebziger. Das allerdings lag nur daran, daß Jacqueline Bisset im Film "Die Tiefe" mit Nick Nolte darin herumtauchte.

Das Wrack liegt vor Salt Island, einer der ungefähr sechzig Inseln, die zusammen die British Virgin Islands (BVI) bilden. Seit zweihundert Jahren stehen sie unter britischem Protektorat. Nachdem Christoph Kolumbus die Inseln 1493 entdeckt hatte, kam die Zeit der Piraten. Sie lauerten mit ihren Karavellen den Schiffen der spanischen Flotte auf, die Gold aus der neuen Welt nach Hause schafften. Viele der aufgebrachten Schiffe liegen unentdeckt auf dem Grund. Sie sind bis heute der Traum aller Schatzsucher.

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Massentourismus gibt es hier nicht

Massentourismus gibt es hier nicht. Die British Virgin Islands sind stolz darauf, keine einzige der internationalen Fast-food-Ketten zu haben. In den Buchten findet man kleine einfache Bars, in denen Rum und der gefährliche Painkiller verabreicht werden - eine Art Barracuda im Schnapsregal. Auf die Inseln kommt man also nur, wenn man Wasser mag. Das Meer und der Himmel übertreffen sich gegenseitig an Blautönen. Wo so viel Blau ist, muß sich der Reisende geradezu zwingend darauf bewegen. Und da Segelboote keine Motorgeräusche produzieren, sind sie die vielleicht einzige Art, die Einzigartigkeit der Inseln zu erleben.

Segeln 2 © Ivo Goetz Vergrößern Segeln verändert die Menschen, am intensivsten bei den Regatten vor den British Virigin Islands

Boote sind auf den BVI das Hauptverkehrsmittel. Wer selbst keines besitzt und hier Urlaub machen will, chartert sich eines. Es gibt sie in allen Größen und Preiskategorien. Mit einem Rumpf oder mit zweien als Katamaran. Für zwei oder auch zehn Personen. Dunkelblau oder ganz in Weiß. Für unerfahrene auch mit Skipper und Mannschaft. Die Hälfte aller Betten auf den BVI befindet sich an Bord von Schiffen.

Segler sind manchmal wie Barracudas

Die großen und besonders schönen Boote gehören reichen Amerikanern, Menschen, die Zeit haben, das ganze Jahr lang ihre Pension zwischen Florida und Curacao zu versegeln. Hier fahren sie mit großen Swan- oder Oyster-Jachten, den Bentleys und Daimlers unter den Segelbooten, durch den Sir Francis Drake Channel.

Segler sind manchmal wie Barracudas. Sind sie jung, kommen sie im Schwarm, werden sie älter, fahren sie einsam über die Meere. Obwohl es eigentlich nicht ihr Revier ist, treffen sich hier auch Seglergemeinschaften aus Europa, um dann sofort einen Schwarm zu bilden. Sie sind nicht so wohlhabend und vornehm wie die Amerikaner aus Neuengland, und manche haben offensichtlich vor ein paar Jahren noch mit dem Wohnmobil die Straßen unsicher gemacht. Obwohl sich auf den BVI alles auf oder am Wasser abspielt, kann sich der Segler auch an Land begeben. Es gibt mitunter sehr feine Jachtclubs, an denen man festmachen kann: The Bitter End Yacht Club auf Virgin Gorda gilt als einer der schönsten weltweit.

Wind, Wetter und der richtige Ankerplatz

An Land kann man wandern, ausgehen oder das mitgebrachte Schwarzgeld vor der Steuer verstecken. Neben den Cayman Islands legt der Sparer auch hier gern sein Geld ins Blaue hinein, ohne daß es darin versinkt.

Segeln verändert die Menschen, wo immer sie es tun. Andere Dinge werden wichtig, die an Land selbstverständlich sind. Wasser, Essen, Treibstoff. Nach kurzer Zeit interessiert sich der Segler nur noch für Wind, Wetter und den richtigen Ankerplatz für die Nacht, überhaupt für alles, was sich im Wasser abspielt. Man trifft sich, um an einer der traditionellen Regatten teilzunehmen, die hier jedes Jahr ausgetragen werden: Die BVI Spring Regatta zum Beispiel fand vorige Woche statt. Jeder kann mitsegeln, ob Amateur oder Profi - für beide gibt es verschiedene Boots- und Wettkampfklassen.

Von Insel zu Insel

Ein konstanter, nicht zu starker Passatwind bringt den Segler immer an einem Tag von Insel zu Insel. Die Wellen sind nicht hoch, denn hinter den Inseln ist man vor der Atlantikdünung geschützt. Die Navigation erfolgt auf Sicht. Lange nächtliche Überfahrten sind nicht nötig. Die BVI verteilen sich auf einer Meeresfläche, die kaum größer ist als der Genfer See. Die böigen Binnenseen Europas sind jedoch schnell vergessen. Wer nicht wie ein junger Barracuda im Schwarm der Dickschiffmieter treiben will, setzt sich auf eine Insel ab. Auf Sandy Spit zum Beispiel. Nur eine Palme steht darauf und ein paar Büsche, sonst nichts, nur eben der Sandfleck. Wie der Name schon sagt. Es sind immer wieder diese palmendekorierten Sandpfannkuchen, die den Menschen wie die Sirenen so lange anlocken, bis er endlich nachgibt und kommt. Vielleicht mit einem Segelboot.

Zu den British Virgin Islands fliegen KLM (www.klm.de) oder Air France (www.airfrance.de) über St. Martin. Delta (www.delta.com) und Iberia (www.iberia.com) steuern die Inseln über Puerto Rico an. Zwischen den Inseln verkehren einheimische Fluggesellschaften.

Die Jachten mietet man zum Beispiel über den deutschen Jachtcharterer kh+p (www.khp-yachtcharter.de, Telefon 0711/ 638282) oder bei The Moorings (www.moorings.com, Telefon 089/69350814).

Alle weiteren Informationen über The British Virgin Islands Touristboard, Telefon 02104/286671, im Netz unter www.britishvirginislands.de.

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