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Baurausch : Spanien betoniert seine Mittelmeerküste gedankenlos zu

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Wer durch Spanien reist, wird immer wieder überrascht von der Einsamkeit weiter Landstriche, von der Anmut einer Natur, die unter einem vollendeten Himmel Wälder, Felder und Steinwüsten vereint. Zumindest an den Küsten könnte solch ein Anblick bald zur Rarität werden.

          Wer durch Spanien reist, wird immer wieder überrascht von der immensen Einsamkeit weiter Landstriche, von der Anmut einer Natur, die unter einem vollendeten Himmel Wälder, Felder und Steinwüsten vereint. Selbst in der Nähe stark besiedelter Zentren lassen sich noch weitgehend unberührte Landschaften und Buchten finden, und schon wenige Kilometer jenseits der großen Feriensiedlungen fühlt man sich mit dem Land allein. Das ist ein wunderbares Reiseerlebnis. Es könnte bald zur Rarität werden.

          Denn in Spanien herrscht Boom. Kaum ein anderes Land in Europa hat ähnlich hohe Wachstumsraten bei Bevölkerung und Wirtschaft, wobei ein Großteil des Aufschwungs der Bauindustrie zu verdanken ist. Vor allem der Wohnungsbau läuft auf vollen Touren, doch in vielen Fällen sind die Immobilien nicht für Einheimische gedacht, sondern für Fremde, die vom Mittelmeerklima an die spanischen Küsten gelockt werden. Spekulanten und Konstruktionsfirmen haben zwischen Costa Brava und Costa del Sol ihr Dorado gefunden, allerorten entstehen Luxuskomplexe mit Golfplätzen, oft sind sie schon vor Baubeginn als Ruhesitze oder Zweitwohnungen an finanzkräftige Ausländer, darunter viele Briten und Deutsche, verkauft. Die Gemeinden freuen sich über die Steuereinnahmen und die entstehenden Arbeitsplätze zuerst beim Bau, dann im Dienstleistungssektor. Und wer wollte es diesen Orten verdenken, die weder auf Industrie noch auf Landwirtschaft zählen können, daß sie ihr Heil im Tourismus suchen, zumal das die Nachbarn ja auch tun.

          Nachträgliche Legalisierung

          Je flächendeckender das geschieht, um so unattraktiver wird aber das Ergebnis. Küstenstädte wie Benidorm und jüngst auch Alicante werden von wohlhabenden Urlaubern schon gemieden, weil sie rettungslos verbaut sind. Viele der neuen Projekte dürften zu einem ähnlichen Ergebnis führen. Ein Beispiel dafür ist schon heute Marbella. Die dreißigtausend illegalen Wohnungen, die dort mit einträglicher Duldung nicht nur des einstigen Bürgermeisters Jesus Gil y Gil auf städtische Grünflächen gesetzt wurden, sind größtenteils Spekulationsobjekte und für die andalusische Bevölkerung unerschwinglich. Der Gemeinde wurde vor kurzem die Kompetenz über die Verwaltung ihres Baulandes entzogen. Sie liegt jetzt bei der andalusischen Regionalregierung. Ob in Marbella mit dem Abriß einzelner Hochhäuser ein Exempel statuiert oder mit der nachträglichen Legalisierung der Macht des Faktischen das Wort geredet wird, ist noch offen.

          Auch vor den Inseln macht der Betonboom nicht halt. In Andratx auf Mallorca wird mehr gebaut denn je, weil sich Gemeinde und Inselrat nie über die Änderung der antiquierten Bauvorschriften aus den siebziger Jahren geeinigt haben. Auf Ibiza wurden in ländlichen Gebieten ganze Siedlungen illegal hochgezogen. Anschließend widmete man den Boden in Bauland um. Auch die umstrittene Autobahn auf der Balearen-Insel hat wohl keinen anderen Zweck, als das Umland als bebaubar einstufen zu können. Auf Teneriffa fordern derweil verschiedene Umweltschutzorganisationen, daß die Europäische Union den geplanten Großhafen Granadilla nicht mitfinanzieren soll, da dieser die Artenvielfalt gefährde und der Ausbau des bestehenden Hafens weit weniger negative Folgen hätte.

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