Home
http://www.faz.net/-gxj-6v56a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Australien Runter mit der Armbanduhr!

Australiens Outback erscheint auf den ersten Blick staubig und unwirtlich. Bei einer Safari durch das Hinterland offenbart sich die Vielfalt der Natur.

© Stefan Locke Vergrößern Der Uluru leuchtet, als strahle er von innen. Hinaufklettern solle man aber nicht, bitten die Aborigines.

Auf Reisen ist man ja so einiges gewohnt, aber das ist dann doch die Höhe: Da steht dieses Kamel seelenruhig am Straßenrand, fototechnisch exzellent angeleuchtet von der orangerot untergehenden Sonne, man wechselt schnell noch das Objektiv, um die perfekte Szene möglichst perfekt abzulichten, und dann streckt es einem einfach die Zunge raus. Da hängt ihm dieser nasse, rosafarbene Lappen rechts aus dem Maul, und in seinem Blick liegen eine Mixtur aus Angriffslust und Raserei, obwohl es sich nicht von der Stelle rührt. Also wirklich, unerhört! Das machten Kamele nun mal so, um Feinde abzuschrecken, sagt Phil, der Reiseleiter, und tatsächlich ist das Tier nur die Vorhut einer kleinen Herde, die sich in den Büschen versteckt.

Kamele ja nun nicht typisch für Australien; die Siedler brachten sie im vorletzten Jahrhundert mit, seitdem entwickeln sich die Tiere prächtig. Inzwischen sollen es anderthalb Millionen sein, und die Regierung erwägt gar, Hunderttausende von ihnen aus Hubschraubern abschießen zu lassen. Denn sie saufen Kängurus, Emus und vor allem den großen Viehherden der Farmer das äußerst knappe Wasser weg. Obendrein stoßen die Wiederkäuer auch noch große Mengen Methangas aus, etwa eine Tonne pro Jahr und Kamel, was Australiens Klimabilanz ziemlich verhagelt. Doch die Dezimierung der Tiere dürfte nur schwer zu verwirklichen sein. Das Land ist so riesig und weit, dass einem sogar auf mehrtägigen Touren durch das Outback nur selten Kamele begegnen.

Wie Sibirien, aber in heiß

Die ungeheure Ausdehnung des Landes und seine Kargheit werden einem schon beim Anflug auf Alice Springs vor Augen geführt. Eine steinerne, staubig-rötlich schimmernde Wüste mit grünen Punkten dehnt sich weit bis zum Horizont, nur unterbrochen von schnurgeraden roten Streifen, nämlich den unbefestigten Straßen, die das Land durchziehen. Vereinzelt sind Sträucher und Bäume zu erkennen, Letztere vor allem an zumeist ausgetrockneten Flussläufen. Das Outback erstreckt sich über gut einem Sechstel Australiens, es ist viermal so groß wie Deutschland, und spätestens bei der Landung in Alice Springs, dessen Flughafen vor der Stadt zwischen Hügelketten liegt, kommt einem der Gedanke: Das hier ist Sibirien, aber in heiß.

Die Temperatur ist dann doch gerade noch angenehm. Etwa fünfundzwanzig Grad misst das Thermometer, das scheint ideal für die kommenden Tage in der Wildnis zu sein. Das Flugzeug aber wendet direkt auf der Landebahn, so als könnte es hier keinesfalls jemanden absetzen. Dann merken wir: Es gibt nur einen Verbindungsweg zum Terminal. Alice Springs war einmal bedeutende Telegraphenstation und ist heute eine Kleinstadt mit siebenundzwanzigtausend Einwohnern. Alice sei "ein Netz verbrannter Wege, wo Männer in langen weißen Socken unaufhörlich in Landcruiser einsteigen oder aus Landcruisern aussteigen", spottete einst der Schriftsteller Bruce Chatwin. Auch er war hier, weil der Ort der ideale Ausgangspunkt für Erkundungen im Outback ist. Die nächsten Großstädte sind anderthalbtausend Kilometer entfernt, als Nachbarorte gelten winzige Siedlungen in etwa vierhundert Kilometern Entfernung.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben