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Australien Am oberen Ende

Im Norden Australiens erlebt man eine wundervolle Welt, die ihre Wunden hat. Ein Nationalpark und eine Uranmine, Luxus-Lodges und Siedlungsgebiete der Aborigines treffen hier aufeinander.

© Richard I'Anson Versteinerte Geschichte: Auf dem Injalak Hill in Arnhemland lehnt Gary unter dem gemalten Ahnenkosmos der Aborigines. Er ist einer der wenigen, der die Erzählungen noch lesen kann.

Wie ein Ziegenbock springt die Propellermaschine durch die Luft und bringt uns dahin, wo es kein Handynetz mehr gibt. Darwin bleibt zurück, unten windet sich der Adelaide River durch Schwemmland, soweit das Auge reicht, Richtung Indischer Ozean, ein wegeloses Netz einander umschlingender und wieder freilassender Wasserarme, ein Ornament durch Mangroven, Busch und Gras, schillernd wie ein Ölfilm, grün, braun, lila, giftig gelb. Vogelschwärme und Wasserbüffel suchen das Weite, als die Maschine nach einer halben Stunde Flug ostwärts sinkt, dann sind da nur noch Bäume, und die Reifen greifen in rotbraune Erde.

Ursula Scheer Folgen:

Bamurru Plains, eine Safari-Lodge am Rande des Kakadu-Nationalparks, ist unser Ziel. Zwei Ranger in Khakihosen und Cowboyhüten stehen schon bereit, um uns im offenen Landrover den kurzen Weg zur Lodge zu bringen. Wir hätten auch mit dem Auto herkommen können, zwei Stunden dauert die Fahrt von Darwin. Aber im Top End, dem nördlichen Drittel des Northern Territorys, gehört es bei den schicken Lodges dazu, mit dem Flugzeug abgeholt zu werden. Zu Recht, denn was ist für Menschen aus zersiedelten Weltgegenden eindrucksvoller als der Blick über weites Land, das von oben gänzlich unberührt wirkt.

Region der Widersprüche

Aus bodennaher Perspektive ist das Top End eine Region voller Widersprüche. Wir fahren durch lockeren Busch, mal über Asphalt, mal durch Staub. Wallabys, diese kleinen Kängurus, hopsen unter Bäumen, die wir nicht beim Namen kennen, Wasserbüffel wiederkäuen in Grüppchen vor sich hin. Die Lodge gehört zu einer Farm, der Busch ist die Weide. Seit wann es hier Wasserbüffel gebe, fragen wir Tristan, den Mann am Steuer. Seit dem 19. Jahrhundert, sagt er. Asiaten hätten sie mitgebracht. Und was da drüben unter den Bäumen wachse, sei übrigens eine eingeschleppte Futterpflanze. Sieht wild aus, ist aber eine Kulturlandschaft, denken wir. Und im Kopf surrt die angelesene Landeskunde los.

Arm an Menschen ist das Northern Territory - auf sieben Quadratkilometer kommt gerade einmal ein Einwohner -, reich an Natur, indigener Kultur und Bodenschätzen. Doch diese drei Reichtümer wollen nicht recht zusammenpassen. Zwischen Australiens rotem Zentrum und dem Meer strecken sich Ebenen, Tafelberge, Schluchten, Flüsse und Schwemmland, das meiste davon ist traditionelles Siedlungsgebiet der Aborigines, die ein Drittel der Bevölkerung im Territorium ausmachen. Ein Anteil, so hoch wie nirgends sonst auf dem Kontinent. Knapp 10 000 Quadratkilometer des Landes, das sie als ihr Eigen beanspruchen, haben sie für den doppelt so großen Kakadu-Nationalpark zur Verfügung gestellt, mit heiligen Stätten und jahrtausendealten Felsmalereien. Die Unesco führt den Nationalpark, gleich doppelt auf seiner Welterbeliste, als Weltkulturerbe und Naturerbe. Seinen Namen leitet er übrigens nicht von Papageien ab, sondern von einer der fast zweihundert Aborigines-Sprachen, die hier gesprochen werden. Oder wurden.

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