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Aserbaidschan : Unsere Stars aus Baku

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Baku tanzt, und das nicht erst seit bekannt wurde, dass der Eurovison Song Contest im Mai zu Gast sein wird Bild: dapd

Aserbaidschan veranstaltet Ende Mai den Eurovision Song Contest. Die Musik spielt hier schon lange. Und Musik ist in Aserbaidschan immer auch Politik.

          Der Direktor der Philharmonie ist unruhig. Er zupft an seiner Jacke, zieht die Hände aus den Taschen, steckt sie wieder hinein. Dann dreht er eine Runde zwischen den Sitzreihen und kehrt zurück. „Du kommst aus Deutschland, und wir bieten dir nichts als dieses Trauerkonzert?“

          Afet Mikayilow steht auf der mit Stuck verzierten Balustrade der Philharmonie in Baku. Durch die Türen weht ein eisiger Wind. Es ist kalt an diesem Tag, der im grauen Monat liegt, wie die Bakuer den Februar nennen; im Konzerthaus haben sie nicht einmal die Heizung angeschaltet, an diesem Tag, an dem es in der ganzen Stadt nur ein einziges Konzert gibt. Das ganze Orchester ist in Schwarz gekleidet. Die Musik, die sie spielen, ist getragen. Nach den Liedern gibt es keinen schallenden Applaus, keine Standing-Ovations, nur verhaltenes Klatschen.

          Kaum Musik, kein Tanz, nicht einmal Karaoke

          Am Trauertag Chodschali ist alles anders in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans: kaum Musik, kein Tanz, nicht einmal Karaoke. Die Aserbaidschaner gedenken der mehr als 600 Landsleute, die bei einem Massaker im Jahre 1992 während des armenisch-aserbaidschanischen Krieges im Dorf Chodschali in Nagornyi Karabach getötet wurden. Die Clubs, in denen sonst bis in die frühen Morgenstunden die Bässe wummern, sind still. Vor den Türen bilden sich keine Menschentrauben, die Bühnen bleiben leer. „We open tomorrow“, steht an einer Karaoke-Bar in der Altstadt - wir machen morgen wieder auf. Ein ungewöhnliches Bild für Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans, die Musikmetropole am Kaspischen Meer.

          Es ist viel geschrieben worden über den totalitären Staat, der seit 1993 vom Alijew-Clan regiert wird, über mangelnde Pressefreiheit und Unterdrückung, aber selten über das blühende Kulturleben, selten über Baku als eine der Kulturhauptstädte der Welt. Siebzig Jahre lang fristete die Musikkultur unter dem Joch der Sowjetunion ein bescheidenes Dasein, derzeit erlebt sie eine Renaissance.

          Der Weg  zum Eurovision Song Contest in Baku Bilderstrecke

          Wer durch Baku schlendert, der stößt an jeder Ecke auf Musik. Die Philharmonie, 1912 im Stil der italienischen Renaissance gebaut und 1936 zum Konzerthaus umfunktioniert, wird in diesem Jahr hundert Jahre alt. An der Hafenpromenade wurde vor vier Jahren das nach der traditionellen aserbaidschanischen Volksmusik benannte International Mugham Center eröffnet. Wie ein Raumschiff erhebt es sich über die Gestade des Kaspischen Meeres. Dort finden die besten Konzerte der Volksmusik statt. Gespielt wird mit dem Zupfinstrument Tar, der Trommel Gaval und dem Streichinstrument Kamandscha. Hinzu kommen jede Menge Clubs: das Green Theatre unter freiem Himmel, in dem immer wieder türkische Ensembles gastieren, oder der Face Club, in dem sich gerne russische Hiphop-Bands und DJs zeigen. Im Sommer jagt ein Festival das nächste. Es gibt das Mstislav Rostropovich International Music Festival, das Baku Jazz Fest, das Space of Mugham und das Music Festival in der Ortschaft Gabala in den Höhen des Kaukasus.

          Dass Baku zur Musikmetropole wurde, sei kein Zufall, sagt Jahangir Selimkhanow, Musikwissenschaftler, Mitglied des Europäischen Kulturparlaments und Mitbegründer von Yeni Musiqi, der Gesellschaft für zeitgenössische Musik in Aserbaidschan. „Der Ölboom Ende des 19. Jahrhunderts zog viele Künstler aus der ganzen Welt an. Zuerst kam der Jazz nach Baku, später dann die klassische Musik.“

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