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Als Frau nach Indien : In einem verstörten Land

  • -Aktualisiert am

Geschlechter tollen: Beim „Fest der Farben“ bespritzen die Männer die Frauen mit Farbe, wie hier in Nordindien Bild: REUTERS

Sehnsuchtsziel und Tatort: Nachrichten von sexueller Gewalt gegen Frauen dominieren seit einigen Monaten das Bild des Subkontinents in den Medien. Ist Indien noch sicher für reisende Frauen?

          Indien, Curry, Zimt und Koriander. Heilige Flüsse und Pfade, die von Hightech und den Produkten der Unterhaltungsindustrie aus Bollywood gekreuzt werden, und zuvor wurde man ayurvedisch durchmassiert. Indien, Sehnsuchtsort von Hermann Hesse und den Hippies auf der Suche nach dem Sinn sowie von Menschen, die ihn im Yogakurs gefunden haben wollen.

          Seit neuestem ist das schöne Bild jedoch durch das hässliche Wort Gruppenvergewaltigung beschädigt. Indien, da denkt man unweigerlich an die Studentin aus Delhi, in einem Bus voller Männer mit Eisenstangen. An ein fünfjähriges entführtes Mädchen. „Incredible India!“, der Slogan des staatlichen Fremdenverkehrsamts, liest sich inzwischen anders als beabsichtigt. Unglaubliches Indien: Alle 20 Minuten wird dort eine Frau vergewaltigt.

          Auch ausländische Touristinnen wurden Opfer sexualisierter Gewalt. Eine Schweizerin wurde mit ihrem Mann beim Zelten in Madhya Pradesh von einer Gruppe Männer überfallen. Eine Britin sprang nach einer Belästigung aus dem Fenster ihres Hotelzimmers in Uttar Pradesh. „Nach den Horrorstorys beginne ich, mir Sorgen zu machen“, schreibt eine Frau, die drei Wochen durch Indien touren will, im Internetforum des Reiseführers Lonely Planet.

          Der Tourismus geht zurück

          Indien, das ist ein Traumziel für junge und junggebliebene Rucksacktouristen aus aller Welt. Das Thema Sicherheit von reisenden Frauen wird in der Szene heftig diskutiert. Manche halten es wie das indische Tourismusministerium, das von „Abweichungen“ spricht, wenn es um die Vergewaltigungen von Touristinnen geht. Andere sagen, Frauen aus dem Westen hätten ein Sicherheitsproblem. Sie tragen Bikinis statt Saris, halten den Blick nicht gesenkt und reden lauter als Inderinnen.

          Die Frauenrechtlerin Kamla Bhasin hält beide Positionen für falsch. Touristinnen seien nicht stärker gefährdet als einheimische Frauen. Sie ist eine Feministin vom alten Schlag, am Telefon spricht sie von den „Schwestern aus dem Westen“, wenn es um die vergewaltigten Touristinnen geht. Die Anfänge der zweiten Frauenbewegung hat sie Anfang der siebziger Jahre in Deutschland erlebt, als Soziologiestudentin an der Uni Münster. Zurück in Indien hat die Ökonomin in Entwicklungsprojekten gearbeitet. Kamla Bhasin sagt Sätze über ihre Heimat, die nachhallen: „Frauen in Saris werden vergewaltigt, drei Jahre alte Mädchen werden vergewaltigt.“

          Das Auswärtige Amt hat Anfang April eine Passage in seinen Sicherheitswarnungen ergänzt: „Reisende, vor allem Frauen, sollten sich - insbesondere vor dem Hintergrund zuletzt vermehrt berichteter sexueller Übergriffe - stets von Vorsicht leiten lassen.“ Deutlicher formulieren es die amerikanischen Behörden. Das State Department warnt, Frauen sollten nicht allein durch Indien reisen. Die britischen Kollegen führen eine ganze Liste von Dingen, die man als Frau vermeiden sollte, Taxi fahren etwa.

          Branchenzahlen deuten auf einen Imageschaden hin. Einer Befragung der indischen Handelskammer unter 1200 Reiseveranstaltern zufolge ist der Tourismus seit Dezember durchschnittlich um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Bei den Touristinnen sogar um 35 Prozent. Vor allem Amerikaner und Australier reisen lieber in Länder, in denen Frauen angeblich freier sind, nach Vietnam oder Laos.

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