21.03.2007 · In Il Borro befindet sich eines der schönsten Urlaubsangebote der Toskana. Die Modedynastie Ferragamo besitzt dort knapp drei Dutzend Häuser. Doch wer in Il Borro seine Zeit verbringen möchte, muss das nötige Kleingeld haben.
Von Rainer Schauer„Agriturismo“ in der Toskana ist kein Urlaub auf dem Bauernhof mit Kuh, Katze und Schwein; „Agriturismo“ im von Burgen gekrönten Hügelland zwischen Florenz und Montepulciano bedeutet kultivierte Freizeit in rustikal-eleganten Bauernhäusern oder Villen, die in der klassischen toskanischen Architektur des neunzehnten Jahrhunderts erbaut wurden. Zypressenalleen, Olivenbaumhaine, Weinberge und Weizenfelder bis zum Horizont vervollkommnen das Bild von einem gottgesegneten Land unter südlichem Himmel.
Eines der schönsten und exklusivsten Urlaubsangebote der Toskana versteckt sich an einer schmalen Landstraße dreißig Kilometer nordwestlich von Arezzo in der Nähe des Örtchens San Giustino Valdarno, es heißt Il Borro. Das sind knapp drei Dutzend Häuser und siebenhundert Hektar Land am Fuße der Pratomagnoberge, in denen der Arno entspringt.
Aufenthalt für mehr als 30.000 Euro pro Woche
Der verfallene Adelssitz, der zuletzt dem Herzog von Aosta gehörte, wurde von Ferrucio Ferragamo gekauft, dem ältesten Sohn des legendären Schusters Salvatore Ferragamo aus Florenz. Ferrucio Ferragamo ließ die Gutsgebäude renovieren, die Weizenäcker, Lavendel- und Sonnenblumenfelder und vierzig Hektar Weinland wieder bestellen und baute das Herrschaftshaus der einstigen Besitzer, den um 1840 erbauten Palazzo della Fattoria, zu einer luxuriösen Ferienvilla um. Der nur einen Katzensprung entfernte und zum Gutshof gehörende Weiler Il Borro sowie die rund um den Weiler angesiedelten Bauernhäuser wurden ebenfalls renoviert und in Ferienhäuser umgewandelt.
Die im teuren Landhausstil eingerichtete 1200 Quadratmeter große Villa mit Swimmingpools, Butlerservice und Chopinflügel im Salon kostet pro Woche weit über dreißigtausend Euro. Großfamilien, deren Namen niemand nennt, und Großunternehmen nutzten dieses Angebot, sagt Pier Leonardi Utari, der Generalmanager von Il Borro, der einen kurzen Blick auf die Villa gestattet, von wo aus der Blick über eine Schlucht hinweg auf den für jedermann zugänglichen Weiler Il Borro geht, dem Feriendorf, in dem ein Haus ein Zehntel der Villa zu mieten kostet.
Den Verputz als Momentaufnahme konserviert
Große Eichen- und Esskastanienwälder umgeben den Weiler, der wie eine Festung auf einem Bergkegel liegt. Über eine römische Brücke führt der kopfsteingepflasterte Weg hinauf zu dem mittelalterlichen Häuserensemble, das aus Natursteinen gemauert ist und in dessen Gärtchen sich Rosen und Geranien an das Mauerwerk lehnen.
Wären da nicht zwei Frauen mit ihren Katzen auf einer Bank und der Hund mit dem seltsamen Namen „Briciola“ (Krümel), dann glaubte man, ein aussterbendes Dorf vor sich zu haben. Dieser Eindruck ist gewollt, denn die Restaurateure von Il Borro haben den Verfall kunstvoll eingefroren, den blätternden Verputz wie in einer Momentaufnahme konserviert.
Es ist nicht weit bis Florenz oder Siena
Das gibt Il Borro mit seinem originalen Marktplatz, seinen kopfsteingepflasterten Gässchen, efeuumrankten Torbögen und seiner alten Kirche den Eindruck von Authentizität. Dazu passen nur nicht die Andenkenlädchen, Gemäldegalerien und Töpferwerkstätten in den einzelnen Häusern, von denen neun als Feriendomizile vermietet werden.
Das Gemeinschaftserlebnis Dorfurlaub in Il Borro findet jeden Abend seine Fortsetzung in der vor der Brücke gelegenen Osteria, wo die vielfach ausgezeichneten Rotweine von Ferragamo auf den Tisch kommen. Bei toskanischen Gerichten und einer Flasche Il Borro, Piolissena oder Pian di Nova kann man dann den Urlaubsplan für den nächsten Tag besprechen: Koch-, Mal- oder Reitkurs auf Il Borro oder Ausflüge in die Kultur. Nach Florenz, Siena, San Gimignano oder Volterra sind es nur fünfzig Kilometer.