22.08.2004 · Der Urlaub im Ferienhaus kann ein teurer Spaß sein. Zumindest in der Hauptsaison. Von September an kennen die Preise aber nur noch eine Richtung: abwärts.
Von Hendrik AnkenbrandAlle Sommer wieder zieht der Verfall in die stilvollen Gemäuer der Ferienhäuser und -wohnungen an der französischen Riviera ein: der Preisverfall zum Ende des Augusts, der Vermieter verzweifeln und Urlauber jubeln läßt.
Am Beispiel von Frankreichs nobler Ferienregion läßt sich Jahr für Jahr eindrucksvoll beobachten, wie die Nachfrage das Angebot auf dem Ferienwohnungsmarkt in Europa regelt. Da drängelt sich Mitte August die High-Society in St-Tropez, und das spartanisch möblierte Sechs-Personen-Appartement kostet pro Woche 1426 Euro.
Drei Wochen später beginnt der Auszug der Massen aus dem Edel-Dorf - und der neue Wochenpreis für ein und dieselbe Immobilie beträgt noch gerade mal ein Viertel der Ursprungssumme, zerteilt wie von der Guillotine.
Nach den deutschen Schulferien
Hotelzimmer, Mietwagen, Restaurantmenüs - alles, was sich in Europas Ferienregionen zu Geld machen läßt, ist dort in der Hochsaison teurer als im Rest des Jahres. Selten jedoch sind die saisonalen Preisunterschiede so drastisch wie bei Ferienhäusern. Denn in diese zieht es überwiegend deutsche Familien, die an die Schulferien gebunden sind.
Fallen dann wie in diesem Jahr die Sommerferien von drei der bevölkerungsreichsten Bundesländer zusammen, könnten Ferienhäuser in der Hochsaison "vier- bis fünfmal" vermietet werden, heißt es beim Deutschen Tourismusverband. Weil die deutschen Länderregierungen durch ihre Ferienregelung indirekt die französische, spanische oder italienische Urlaubssaison verkürzt haben, steigt die Nachfrage und in der Folge die Preise - nur um in der Nebensaison dann um so steiler abzustürzen.
Wer sich im September Urlaub leisten kann, kann deshalb jetzt manches Schnäppchen machen. "Tolle Häuser", die vor ein paar Wochen noch völlig überteuert gewesen seien, seien jetzt "wirklich günstig" zu haben, sagt Helmut Scheel, Präsident des Verbands Deutscher Ferienhausagenturen.
Regionale Unterschiede
Allerdings stehen nicht überall in Europa die Urlaubsregionen im Zeichen des roten Septembers. Preiswert ist das Angebot vor allem dort, wo in der Nebensaison die Nachfrage ausbleibt, also vor allem in den typischen Familienurlaubsgebieten wie den französischen Küstenregionen oder an der spanischen Costa Blanca. Auch die skandinavischen Länder gehören zum Billigsegment, allen voran das Mutterland aller Ferienhäuser, Dänemark.
In Italien, seit jeher das Lieblingsreiseland der deutschen Ferienhausurlauber, gibt es indes erhebliche regionale Unterschiede: In der Nähe des Gardasees kann eine sechsköpfige Familie im September bereits für 225 Euro in der Woche nächtigen. "Urlaub zum Taxipreis" nennt dies Lothar Krins, Geschäftsführer des Ferienhaus-Marktführers Interhome. Weiter südlich gelten dagegen auch im Herbst immer noch Ferrari-Konditionen. In der Toskana haben die Preise in der Regel auch im September praktisch nichts an ihrer horrenden Höhe eingebüßt.
Direktbuchen ist billiger
Für Frankreich, Spanien und Dänemark jedoch gilt: Preisstürze im September bis zu 60 Prozent sind vereinzelt drin. Wer ein Schnäppchen ergattern will, muß Kataloge wälzen. Ferienhausverbands-Präsident Scheel rät, die Angebote der verschiedenen Agenturen zu vergleichen. Oft fallen Zeiträume im September bei einer Agentur schon unter die Rubrik Nebensaison, während beim Konkurrenten für dieselbe Region immer noch die Preise der Hauptsaison gelten.
Noch günstiger läßt es sich wohnen, wenn man auf die Vermittlung durch eine Agentur verzichtet und das Haus vom Eigentümer direkt mietet. Denn dann spart der Kunde die Provision, die sonst bis zu 30 Prozent betragen kann.
Anzeigen in der Zeitung und im Internet
Dieses "Schwarzbuchen", wie Interhome-Geschäftsführer Krins das Mieten von Privat tituliert, ist in Deutschland ohnehin die Regel. Die Anzeigen stehen in Zeitungen oder im Internet, welchen Anteil sie genau am schätzungsweise sechs Milliarden Euro schweren Umsatzvolumen von Ferienhausanmietungen deutscher Urlauber haben, ist jedoch unklar. Von 60 bis zu 90 Prozent geistern die unterschiedlichsten Werte durch die Branche.
Klar ist jedenfalls: Die Privatvermietung schmälert den professionellen Agenturen wie Interhome die Umsätze. Deshalb versuchen diese, die Kunden zu locken, indem sie an deren Sicherheitsbedürfnis appellieren. Buche der Kunde bei seinem Unternehmen, sei er im Gegensatz zur Miete von Privat bei einer Insolvenz des Anbieters abgesichert, sagt Geschäftsführer Krins. Eine Reiserücktrittsversicherung kann man allerdings auch für das direkt gemietete Ferienhaus abschließen. Oder den Betrag sparen und lieber noch eine Woche länger in der Finca entspannen.
Hendrik Ankenbrand Jahrgang 1978, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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