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Mit Kindern in Rom : Die erstaunlichste Stadt des Universums

  • -Aktualisiert am

Bei Kinderstudienreisen ist der Bewegungsdrang eingeplant: im Theater von Ostia Antica. Bild: Stefanie Bisping

Asterix-Fans unter sich: Wenn eine Horde von zehn Jungen bei einer Familienstudienreise die Ewige Stadt erkundet, ist das Tempo hoch.

          Der Tag, an dem man Rom zum ersten Mal sieht, ist keiner, den man leicht vergisst. „Das war so toll“, seufzt das Kind abends. „Hoffentlich vergeht die Zeit hier langsam.“ Sehr viel war bereits geschehen: Ein vollbesetztes Auto war verlorengegangen, ein antikes Stadion entdeckt, ein Hotel bis in den letzten Winkel erforscht worden, und stundenlang wurde gespielt; und das alles seit dem Nachmittag.

          Dabei hatte es ganz ruhig begonnen, mit einem Treffen der Gruppe in der Lobby: zehn Kinder, zehn Erwachsene und Reiseleiterin Sophie. Die Kinder sollten ihre Begleiter vorstellen und erzählen, warum sie hier sind. Julian hat die Reise von seiner Mutter zum Geburtstag bekommen, weil er und sein älterer Bruder Leandro, der auch dabei ist, große Asterix-Fans sind. Felix ist mit der Oma da, die ihm den Rom-Trip zur Konfirmation geschenkt hat. Der zehnjährige Oskar hat die Reise von seinen Großeltern bekommen. Dann sind da noch der kleine Julius nebst Bruder Tim sowie Finn, Justus und Vincent. Und wir: der elfjährige Julius und seine romsüchtige Mutter. Fast alle Kinder sind zwischen zehn und zwölf Jahre alt. Alle sind zum ersten Mal in Rom. Und das Beste: Alle sind – zufällig – Jungs.

          In vier Taxen fuhren wir zur Piazza Navona – doch eines kam nie an. Der Fahrer hatte erst verständig genickt und war dann einfach woanders hingefahren. Das war schade, denn so verpasste Finn das erste Eis. Sophie zeigte uns einen Brunnen mit einem Obelisken auf diesem sehr schönen Platz, der früher mal ein Sportstadion war. Julius Cäsar ließ es bauen, später vergrößerte es Kaiser Domitian. Wo heute Häuserreihen stehen, saßen bis zu dreißigtausend Zuschauer, wo wir Schokoladen- und Mangoeis aßen, fanden die Wettkämpfe statt. Der Eingang ist noch zu sehen: mehrere Meter unter der Straße, denn die Stadt ist im Lauf vieler Jahrhunderte auf ihrem Schutt in die Höhe gewachsen.

          Per Mikrofon an der Leine

          Dass Erwachsene und Kinder beim Abendessen an getrennten Tischen sitzen, nahm der eher schüchterne Elfjährige zunächst mit mäßigem Vergnügen zur Kenntnis. Doch schon bei der Pasta all’Amatriciana mit einer Soße aus Tomaten und Speck fanden alle intensiv ins Gespräch. Während die Großen noch beim zweiten Gang saßen, begannen die Kinder Verfolgungsjagden durch alle Etagen des Hotels. Gefasst ließ das Personal das Treiben geschehen.

          Per Mikrofon dirigiert Guide Sophie die Kinder. Wie durch ein Wunder geht keines verloren.

          Der Einstieg wird wegweisend für die nächsten vier Tage. Die Familienstudienreise prägen hohes Tempo, unablässiges Spielen und viel Pasta und Pizza. Während bei klassischen Studienreisen Kinder zwar zugelassen sind, aber belastbar sein müssen, betrachtet das eigens für Familien konzipierte Gegenstück eine Destination in erster Linie durch Kinderaugen. Die Erwachsenen, in unserer Gruppe alle erfahrene Studien- und Romreisende, dürfen aber auch mitmachen. Sie möchten Rom wiedersehen, die Stadt Kindern oder Enkeln zeigen und dabei selbst Neues erfahren. Dafür sorgt Sophie Ratschow, Reiseleiterin und promovierte Mediävistin, die sechs Kindheitsjahre in Rom verbrachte. Dass sie neben Fachwissen auch pädagogisches Geschick und viel Geduld besitzt, erweist sich als besonders nützlich. Bei den abendlichen Gelagen in den Trattorien der Umgebung wird sie Asterixbände, kindgerechte Rom-Literatur und Spiele verteilen; während der Busfahrt zu den Ausgrabungen Ostias liest sie vor; nie bremst sie kindlichen Wissens- und Bewegungsdrang.

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