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Südafrika : Nachts im Museum

  • -Aktualisiert am

Im Garten hat man einen spektakulären Blick nach Westen über die Bantry Bay und den Atlantik bis nach Robben Island. Bild: Katharina Wilhelm

So viel Eleganz, so viel Kunst, und dann noch der Champagner-Keller: Das Ellerman House ist Kapstadts schönstes Hotel.

          Treppe hoch, den Flur entlang. Am Ende des Gangs müsste die Nummer 10 sein. An der Tür jedoch steht: 3. Ich finde mein Zimmer nicht. Was daran liegen könnte, dass der letzte Wein, den Manuel „Manny“ Cabello, chilenischer Sommelier des Ellerman House, uns präsentierte, der beste war. Ein Pinotage, samtig, volles Aroma. Es könnte aber auch daran liegen, dass das Hotel an der Bantry Bay in Kapstadt ein wenig wirkt wie das Haus eines guten Bekannten, den man zum ersten Mal besucht, das eng und verwinkelt ist, und in dem man befürchtet, auf dem Weg ins Bad die falsche Tür zu erwischen und plötzlich in einem Schlafzimmer zu stehen. Was prompt passiert. Ups.

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          Zurück auf dem Flur, sehe ich dann das Bild mit den Zulu-Kriegern beim Kriegstanz. Der Krieger in der Mitte trägt einen auffällig großen Schild, sein Speer ist kampfbereit erhoben, und sein Federkleid flattert wild um ihn herum. Und jetzt erinnere ich mich auch wieder an das Porträt der jungen Frau mit den blauen Rastazöpfen. Nach den Zulu-Kriegern geht es durch kolonialzeitliche Landschaften und an der Bibliothek vorbei, aus der mir Szenen aus der Lebenswelt der indigenen San in Erinnerung geblieben sind. So weist mir die Kunst den Weg zu meinem Zimmer.

          Dank des nahen Ozeans riecht es im Ellerman House überall nach Meer und Salz.
          Dank des nahen Ozeans riecht es im Ellerman House überall nach Meer und Salz. : Bild: Katharina Wilhelm

          Talita Swarts, Kunst-Concierge des Ellerman House, hatte uns tags zuvor die Bilder erklärt: „War Dance of Emigrant Zulus“ mit dem Zulu-Krieger von John Thomas Baines, einem britischen Künstler und Entdecker; „Portrait of a Girl“, gemalt von Alexis Preller. Auf einer anderthalbstündigen Führung zeigte die Aafrikanerin den Gästen die Schätze des Hauses. Und das sind einige: Achthundert Kunstwerke aus der Sammlung mit insgesamt tausend sind auf dem Grundstück des Ellerman House ausgestellt. Das erstreckt sich auf einer Fläche von rund sechs Hektar. Sogar in der Wäschekammer hängt hochwertige Kunst, und viele der Arbeiten in den Zimmern könnten genauso gut im Nationalmuseum hängen, sagt Swarts. Zu den Highlights zählen Originale von Gerard Sekoto, dem ersten international erfolgreichen schwarzen südafrikanischen Künstler, von John Meyer, einem der führenden modernen Künstler Südafrikas, und Penny Siopis, die als Urmutter der südafrikanischen Malerei gilt und sich mit Themen wie Diskriminierung und Vergewaltigung auseinandersetzt.

          Kein Stück der Sammlung steht zum Verkauf

          In einem mit Efeu bewachsenen Gartenhaus ist eine Galerie mit zeitgenössischer südafrikanischer Kunst eingerichtet, deren Bilder alle drei Monate gewechselt werden, da der Besitzer und Kunstsammler Paul Harris ständig neue Werke hinzukauft. Im Garten, von dem aus man einen spektakulären Blick nach Westen über die Bantry Bay und den Atlantik bis nach Robben Island hat, streiten sich Skulpturen untereinander und mit umherwandernden Hagedasch-Ibissen um die besten Plätze. Die Sammlung ist dreimal so viel wert wie das Haus selbst, sagt Talita Swarts. Das hat einiges zu bedeuten, denn das Ellerman House ist das exklusivste und teuerste Hotel Kapstadts. Entsprechend bewacht ist die Anlage, selbst in einem Viertel, in dem jedes Anwesen von einem hohen Zaun umgeben ist.

          Vorne Kunstmagazine, hinten das Meer: Villa für Augenmenschen
          Vorne Kunstmagazine, hinten das Meer: Villa für Augenmenschen : Bild: Katharina Wilhelm

          Für Gäste, die sich die Kunst lieber in Ruhe und auf eigene Faust anschauen möchten, gibt es eine „Self-guided iPad-Tour“, die einen durch das Gerät in der Hand mit Informationen versorgt und in die richtige Richtung lenkt. Verkauft oder ausgeliehen werden die Bilder nicht. „Sie gehören einer sehr speziell kuratierten Kollektion an, und wenn man eines herausnimmt, verliert die ganze Sammlung an Wert“, behauptet Talita Swarts. Aber wenn ein Gast von einem der modernen Werke völlig begeistert ist, stellt sie, die mit vielen der Künstler befreundet ist und sich in der Szene bestens auskennt, den Kontakt zu dem Künstler her. „Er hat ja noch mehr gemalt!“

          Mister Harris sieht man im Ellerman House nicht allzu häufig, von Videobotschaften auf dem Flachbildschirm in der Weingalerie einmal abgesehen. Der ehemalige Geschäftsführer von First Rand Limited, einer südafrikanischen Bankengruppe und zugleich eines der größten Unternehmen Afrikas, lebt in Johannesburg. Der Südafrikaner steht laut „Forbes“ auf dem vierzigsten Platz der Liste der vierzig reichsten Menschen Afrikas. Der Pensionär sammelt ausschließlich Kunst aus seinem Heimatland. Er kaufte das Ellerman House im Jahr 1988, nachdem er sich von seinem Nachgrundstück aus in die 1906 erbaute Villa verliebt hatte.

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