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Zeitreise nach Kroatien : Als der Kaiser baden ging

  • -Aktualisiert am

Der „Majestic Imperator“, ein Nachbau des kaiserlichen Hofzugs, fährt zweimal im Jahr von Wien nach Opatija. Bild: Majestic Imperator

Bis zum Ersten Weltkrieg traf sich das Alte Europa in Opatija an der österreichischen Adria. Dann änderte sich alles. Ein Nostalgiezug fährt heute in die für immer verlorene Epoche.

          Es gab einmal eine Zeit, in der lag Österreich am Meer. Und nein, damit ist nicht die Ära der Dinosaurier gemeint, sondern die Zeit zwischen 1890 und 1914. Zwar hatte das Kaiserreich seit dem 14. Jahrhundert einen Meerzugang, touristisch erschlossen wurde die österreichische Adria aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts - durch die Eisenbahn. Mit der Südbahn über den Semmering, Graz und Laibach gelangte man seit 1857 von Wien über Nacht nach Triest und ab 1873 auch nach Rijeka. Früher noch als in Venedig entstand im nahen Fischerdorf Abbazia 1881 ein erstes Hotel - das erste überhaupt an der Adria, betrieben von der Südbahngesellschaft.

          Beflügelt von einer geschickten PR und Promibesuchern wie dem kaiserlichen Thronfolgerpaar wuchs Abbazia zum wichtigen Kurort heran, mit Palmen, Ferienvillen und täglich aus Wien eingefahrenen Mehlspeisen. Es war eine heile Welt für eine adlige und großbürgerliche Elite, für die man den Historismus des Wiener Rings an der Kvarner Bucht nachbaute. Die Spannungen innerhalb des Vielvölkerstaates spürten die betuchten Gäste nicht - es sei denn, sie waren so aufmerksame Beobachter wie Richard Francis Burton. Der notierte in einem Reisebericht von 1888, wie feindselig einem ein italienischer Bauer begegnen konnte, wenn man ihn auf Kroatisch ansprach, und umgekehrt. Burton hat es in Abbazia (das heute Kroatisch Opatija heißt) denn auch nicht richtig gefallen - er fand unter anderem den Service mies. Das Personal musste man damals aus den Dörfern ringsum rekrutieren, das Phänomen Tourismus war den istrischen Bauern und Fischern zuvor unbekannt. Davon kann heute keine Rede mehr sein - Opatijas Gästezahlen der letzten k. u. k. Saison 1914 werden um ein Vielfaches übertroffen.

          Eine komplizierte, kosmopolitische Welt

          Das „Hotel Miramar“ will seine Gäste schon bei der Anreise in die gute alte Zeit zurückversetzen und chartert dafür den „Majestic Imperator Train de Luxe“, einen Nachbau des kaiserlichen Hofzuges. Einmal im Frühling und einmal im Herbst fährt der opulente „Imperator“ in neun Stunden von Wien nach Opatija, überquert dabei erst die slowenische und dann die kroatische Grenze. Aber kann man auch einfach mal so in die Vergangenheit reisen? Die Chancen sind nicht schlecht: Der Erste Weltkrieg, der vor hundert Jahren begann und die Monarchie hinwegfegte, hat Opatija verschont. Auch im Zweiten hat der ehemalige Kurort des Kaisers wenig abbekommen. Überall in Opatija sind oder werden heute die alten Häuser renoviert, und doch: die österreichische Adria kurz vor dem Krieg ist wie eine zum Platzen reife Frucht, deren Geschmack uns immer unbekannt bleiben wird.

          Es muss eine komplizierte und kosmopolitische Welt gewesen sein - im Habsburgerreich wurden allein elf Sprachen gesprochen. Gäste kamen wegen der Wärme und der heilsamen Luft (Aerosole!) aus ganz Europa angereist, darunter das österreichische und das deutsche Kaiserpaar, Georg I. von Griechenland, Nikolaus von Montenegro, Wilhelm IV. von Luxemburg, auch Schriftsteller wie James Joyce waren zu Gast. Im Park der Villa Angiolina hat man die Konterfeis der berühmtesten Touristen an die Mauer gesprüht - „I was in Opatija, too“. Die Villa ist der klassizistische Kern, um den herum Opatija in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs und gedieh. Gebaut wurde die Villa 1845 von einem reichen Bürger des nahen Fiume, heute Rijeka. Der Händler Iginio Scarpa lud gern in seine Villa ein und hatte gute Verbindungen nach Wien - sein Sohn heiratete die Tochter des späteren Finanzministers Österreichs. Früh sah Scarpa das touristische Potential von Opatija. Nach einer Pleite musste er die Villa Angiolina verkaufen. Sie gelangte 1882 an die erwähnte Südbahngesellschaft, die nach einem geeigneten Winterquartier für die Wiener Fahrgäste suchte - denn was soll man mit einer Bahnstrecke, die niemand befährt? Abbazia bestand da bloß aus Fischerhütten und einer Abtei (daher der Name: Abbazia und Opatija bedeuten „Abtei“ auf Italienisch beziehungsweise Kroatisch). Dank der vorgelagerten Inseln Krk und Cres und durch das umliegende Bergland ist der Ort vor Wind und Winterkälte geschützt, was man an den tropischen Pflanzen ablesen kann.

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