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Veröffentlicht: 30.07.2015, 17:45 Uhr

Südafrika: Urlaub mit Walblick Die Mutter hüpft fürs Publikum

Nur noch mit Kameras gejagt: Seitdem Wale unter Schutz stehen, hat sich ihr Bestand erholt. Wenn bei uns Sommer und in Südafrika Winter ist, wird der Indische Ozean zu ihrer Kinderstube. Gut, wenn man die besten Logenplätze kennt.

von Elke Sturmhoebel
© Elke Sturmhoebel Für diesen Anblick lohnt sich noch die weite Reise: Ein Wal zeigt sich in voller Pracht, was Menschen deutlich stärker beeindruckt als Vögel.

Fosbury Flop nennt man das wohl. Die Kleine springt hoch, dreht den Rumpf und fliegt rücklings über die imaginäre Linie, um pfeilgerade auf der schiefergrauen Oberfläche zu landen. Chapeau! Die Zuschauer auf den Rängen jubeln und verlangen nach Zugaben. Wieder und wieder zeigt sie ihre Kunststücke und ist kaum zu bremsen. Ein echtes Naturtalent. Die Mutter kann stolz auf sie sein. Oder ist es ein Junge? Bei Walen weiß man das nicht so genau.

Zwischen Juni und November wird der Indische Ozean vor dem De Hoop Nature Reserve zur Kinderstube der Südkaper. Nachdem sich die Glattwale monatelang in antarktischen Gewässern die Bäuche mit Krill und Ruderfußkrebsen vollgeschlagen haben, kommt ein Großteil von ihnen im Südwinter zum Paaren und Kalben ans Westkap. Dabei ist De Hoop, 250 Kilometer östlich von Kapstadt, in Walkreisen besonders beliebt. An der 70 Kilometer langen Küste des Naturreservats gibt es weder Häfen noch Schiffsverkehr. Da herrscht komplette Ruhe. Beste Bedingungen also, um ein Kind aufzuziehen. Das Kalb ist bei der Geburt schon fünf bis sechs Meter lang und wiegt mehr als eine Tonne. Da ist es eine beachtliche Leistung, den schweren Körper aus dem Wasser zu wuchten und Hochsprünge zu vollbringen.

Wer dorthin will, muss es sich vornehmen

Etwa zehntausend Südkaper schwimmen in der südlichen Hemisphäre, so wird geschätzt. Seitdem Wale unter Schutz stehen, hat sich ihr Bestand erholt. Bis 1935 wurden Südkaper gnadenlos bis an den Rand des Aussterbens bejagt. Denn Walfängern galten die Southern Right Whales, wie sie auf englisch heißen, als die „richtigen“ Wale. Sie lieferten jede Menge Öl, Speck und Barten. Waren langsame Schwimmer und somit leicht zu harpunieren. Zudem trieb der bis zu 18 Meter lange und 60 Tonnen schwere Kadaver nach dem Erlegen oben, was äußerst praktisch war.

35534166 © Elke Sturmhoebel Vergrößern Südkaper sind erstaunlich akrobatisch – zumindest in jungen Jahren.

Das De Hoop Nature Reserve liegt nicht an der Strecke. Wer dorthin will, muss es sich vornehmen. Wir kommen auf unserer Mietwagenrundreise aus dem Osten und biegen in Heidelberg ab. Von dort ist der Weg nach De Hoop nur sparsam ausgeschildert, und wir müssen uns im weitverzweigten Pistennetz vor allem auf den Orientierungssinn verlassen. Der Zufall bringt uns nach Malras am Breede River zur einzigen mit Muskelkraft betriebenen Fähre Afrikas. Sie wurde bereits 1845 installiert und hat Platz für drei Autos. Fünf kräftige Männer aus dem Stamm der Xhosa leisten schweißtreibende Arbeit. Jeder wirbelt eine Kette, die an einem Schultergurt befestigt ist, um ein Stahlseil und gemeinsam ziehen sie die Ponton-Fähre auf Führungsrollen über den Fluss. Dabei sind die Männer laufend am Rotieren. Ist der Fährmann vorne angelangt, klinkt er die Kette aus und stellt sich hinten wieder an, um aufs Neue zu ziehen. Die Leute sind dabei erstaunlich vergnügt. Sie leisten einen wichtigen Job und sind stolz darauf. Schließlich ersparen sie den umliegenden Farmern einen Umweg über die 30 Kilometer entfernte Brücke. Vierzig Rand, umgerechnet drei Euro, kostet die Überfahrt.

Ein Naturreservat aus alten Farmen

Vom anderen Ufer ist De Hoop nicht mehr weit. Schon wenige Kilometer hinter dem Haupttor schaut man von der Kante der Inlandklippe hinunter auf die weite Küstenebene mit dem 36.000 Hektar großen Naturschutzgebiet. Am Horizont blitzt ein weißer Dünengürtel vor tintenblauem Meer. Rechts windet sich das Vlei, das Tausenden Wasservögeln Zuflucht und Nahrung bietet. Die Brackwasser-Lagune, die als Ramsar-Feuchtgebiet gelistet ist, versandet nach 16 Kilometern in den Dünen. Vor dem Vlei beziehen wir in einem hübschen Cottage Quartier.

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Das Naturreservat wurde 1957 gegründet. Dafür hatte der Staat ein Jahr zuvor zwei Farmen aufgekauft, und eine davon hieß „De Hoop“. Worauf sich die Hoffnung gründete, bleibt unklar. Viele der alten Farmhäuser im kapholländischen Stil stehen noch, sind weißgetüncht und reetgedeckt. Wir lassen uns am nächsten Morgen zum Frühstück auf der Terrasse vor dem historischen Hauptgebäude nieder und beobachten die hübschen braun-weiß gefleckten Bontebok, die mit ihren Jungen auf der großen Wiese weiden. Von den weltweit 1800 Buntböcken leben zwei- bis dreihundert dieser Antilopen hier.

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