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Wandern an der Lahn : Goethe war schon einen Schritt weiter

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Früher in jeder Brieftasche gern gesehen: Der Limburger Dom, einst abgebildet auf dem Tausend-Mark-Schein Bild: Stefan Finger

Auch an der Lahn gibt es einen Qualitätswanderweg – mit dem Fluss allerdings hat er über weite Strecken gar nichts zu tun.

          Streit bringt bisweilen Gutes – etwa in Runkel für das Baugewerbe. Dort hatten Maurer und Zimmerleute zwischen 1276 und 1288 alle Hände voll zu tun. Nachdem sich Heinrich von Westerburg mit dem Burgherrn, seinem Vetter, überworfen hatte, ließ er sich mit „Schadeck“ einen eigenen Adelssitz bauen – eine „Ecke zum Schaden der Burg Runkel“, wie sich der Name übersetzen lässt. Nicht irgendwo freilich, sondern direkt gegenüber auf der anderen Lahnseite, dreihundert Meter Luftlinie entfernt, aber deutlich höher am Hang. Westerburg wollte auf seinen Intimfeind hinunterblicken können und es genießen, dass dieser zu ihm aufschauen musste. So kommt es, dass Runkel nicht nur mit einem imposanten Feudalbau für sich werben kann, sondern mit deren zwei. Mit der vollständig erhaltenen Steinbogenbrücke von 1440 kommt eine weitere Sehenswürdigkeit ersten Ranges hinzu. Und hätte man die alte Steintreppe zur Anhöhe von Schadeck nicht in ein Mahnmal der Betonsteinzeit verwandelt, das hessische Örtchen könnte sich als Enklave des Mittelalters präsentieren – und wäre längst in ganz Deutschland bekannt.

          An historischen Baudenkmälern leidet das Lahntal auch andernorts keinen Mangel. Die Zahl der Burgen, Schlösser und Klöster ist enorm, alle paar Kilometer steht man vor beeindruckenden Gebäuden, mal aufwendig restauriert, mal als gespenstisch drohender Torso, der vom Untergang der Ritterkultur erzählt. Dazu kommen Wassermauern, Stadttore und höfische Parkanlagen.

          Trotz dieser Fülle an kulturgeschichtlichen Attraktionen wird das Lahntal erst seit 1994 systematisch beworben. Alle Fäden laufen seither bei Achim Girsig zusammen, der durch eine wissenschaftliche Studie zu den Entwicklungsmöglichkeiten des „sanften Tourismus an der Lahn“ auf sich aufmerksam gemacht hatte. Zunächst war es der neugegründeten „Lahntal-Kooperation“ darum gegangen, den 242 Kilometer langen Rheinzufluss als Paddelrevier zu vermarkten, ohne mit den Naturschützern in einen Dauerstreit zu geraten. Kommerzielle Kanuverleihe waren in diesen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen und hatten bei den Hütern von Flora und Fauna die Alarmsirenen aufkreischen lassen. Obwohl der Boom nachgelassen hat, liegen an der Lahn nach wie vor geschätzt eineinhalbtausend Leihkanus.

          Ein Bauwerk auf einem markanten Felsen

          Wenig später schwappte die Radlerwelle ins Tal. Die Touristiker beeilten sich, einen durchgehenden Radfernweg zu schaffen und ihn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, dem ADFC, zertifizieren zu lassen. Der Erfolg blieb nicht aus. Eine Viertelmillion Radfahrer werden hier jedes Jahr gezählt, und ein Abflauen der Nachfrage ist nicht in Sicht.

          Auf dem Fluss gehts auch, aber der Wanderweg erlaubt mehr Überblick: Die Lahn bei Runkel.
          Auf dem Fluss gehts auch, aber der Wanderweg erlaubt mehr Überblick: Die Lahn bei Runkel. : Bild: dpa

          Mit der Optimierung des Wanderangebots hatte man es weniger eilig: Erst im Jahr 2013 wurde der knapp dreihundert Kilometer lange „Lahnwanderweg“ eröffnet, ziemlich genau hundert Jahre nachdem Westerwaldverein und Taunusclub erstmals eine durchgehende Route von Wetzlar bis zur Mündung in Lahnstein markiert hatten.

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