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Abu Dhabi : Die Anmut der Leere

Die Anlage will den Dünen nicht die Schau stehlen. Bild: Qasr Al Sarab Desert Resort by Anantara

Nirgends ist die Wüste wüster als hinter der Oase Liwa im Süden des Emirats Abu Dhabi. Hier steht das Qasr Al Sarab-Resort und zeigt, was beduinische Gastfreundschaft bedeutet.

          Es ist nicht die Entfernung. Es sind die großen Sanddünen der Uruq ash Shayba, die uns umbringen könnten.“ So sprach Muhammad al Auf vom Stamm der Raschid, als sein unter qualvollem Durst leidender Reisegefährte Wilfred Thesiger ihn fragte, wie weit es bis zum nächsten Brunnen sei. Das war im Dezember 1946 und der Brite Thesiger der erste Europäer im östlichen Teil des Rub al-Chali, des „leeren Viertels“. Dort dehnt sich die größte Sandwüste der Welt. Sie bedeckt eine Fläche zweieinhalb Mal so groß wie Spanien, und in ihrem Osten, wo heute die Staatsgebiete der Vereinigten Arabischen Emirate, Omans und Saudi-Arabiens aufeinandertreffen, ist sie ganz besonders sandig. Hundert Meter und höher türmt sich hier mancherorts das zerriebene Gestein.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Orangerot und fahlgelb rieselt es durch die Finger. „Das Rote enthält mehr Eisen“, erklärt Taj, als wir oben auf dem Kamm einer Düne stehen, hoch über der gipsgrauen Talebene. „Die roten Sandkörner sind schwerer. Der Wind kommt hier immer von Norden und weht sie nicht so weit wie die gelben. Wer das weiß, kann sich leicht am Farbton der Dünenflanken orientieren.“ Und sofern man kein GPS-Gerät oder einen Kompass dabeihat, auch nur daran. Denn ringsum ist die Landschaft von einer geradezu ozeanischen Gleichförmigkeit.

          In der Lobby stehen Datteln und gewürzter Kaffee bereit – beides unentbehrlich, wenn Beduinen Gäste empfangen.

          Die Uruq ash Shayba ist nicht weit. Sie liegt irgendwo dahinten, jenseits der saudischen Grenze, die nur ein paar Kilometer südlich von hier verläuft. Aus dieser Richtung waren Thesiger und seine Handvoll beduinischer Begleiter 1946 bei der ersten dokumentierten Durchquerung dieser Wüste gekommen, um dann im weiten Bogen zum Westende der Liwa-Oase zu gelangen. So umgingen sie die höchsten Sandberge, darunter die gewaltige Moreeb-Düne, fast verdurstet und auf halb verendeten Kamelen. Wir dagegen sind mit gekühltem Mineralwasser hier und in einem weiß funkelnden Geländewagen. Aus dessen Reifen lässt Taj nun Luft ab, um dann die Düne hinabzubrettern und dabei in möglichst jeder Kurve eine orangegelbe Sandfontäne aufspritzen zu lassen.

          Aus dem Staub gemacht

          Unten angelangt hält er neben einer lochartigen Vertiefung. Von oben hatten wir hier einen kleinen Wüstenfuchs gesehen, der sich dann aber noch während unserer Abfahrt aus dem Staub gemacht hat. Was der Fuchs hier wollte, ist unschwer zu erkennen: Am Grunde des Loches schimmert klare Flüssigkeit. „Das würde ich nicht trinken“, sagt Taj, und er hat recht. Das Wasser schmeckt brackig. Wo es am Rand über den grauen Gipssand leckt, hat sich eine Salzkruste gebildet. Thesiger berichtet, die Beduinen hätten damals auch aus solchen Löchern getrunken und den Salzgeschmack des Wassers abgemildert, indem sie es mit Kamelmilch mischten. Dabei ist Kamelmilch in etwa so delikat wie fettarme H-Milch – sogar die, die man in Abu Dhabi in dem sagenhaften arabischen Restaurant des „Emirates Palace“ bekommt.

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