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Bale-Nationalpark in Äthiopien : Generation Wolf

  • -Aktualisiert am

Unterwegs im Überfluss: Äthiopischer Wolf im Bale-Nationalpark, wo es mehr Kleinsäuger als in der Serengeti gibt. Dennoch wird es eng für den Äthiopischen Wolf. Bild: Günter Kast

Durch den Bale-Nationalpark streifen die letzten Wölfe Äthiopiens. Wer sie sehen will, muss sich beeilen, denn die Räuber sind vom Aussterben bedroht.

          Plötzlich bleibt sie stehen, legt den Kopf leicht zur Seite, schaut Neville Slade für einen Moment direkt in die Augen. Ein wenig kokett wirkt das. Nur fünfzehn Meter ist sie von seinem Geländewagen entfernt. Die Wölfin scheint regelrecht für ein Foto zu posieren.

          „So nahe bekommt man sie sehr selten zu sehen“, flüstert der Tierschützer v0n der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). In einem Erdloch taucht plötzlich der Kopf einer Riesenmaulwurfsratte auf, der Lieblingsbeute der Räuber. Sofort geht die Wölfin in Lauerstellung: Sie duckt sich, winkelt die Hinterläufe wie eine Sprungfeder an, unter dem rötlich-braunen Fell zucken die angespannten Muskeln und Sehnen. Doch die Ratte wittert die Gefahr und huscht schnell zurück in ihren schützenden Bau. „Es gibt hier mehr Kleinsäuger als in der Serengeti, Nahrung im Überfluss“, sagt Slade. „Der Bale-Nationalpark ist eigentlich ein Schlaraffenland für die Wölfe.“

          Das Schutzgebiet mit seinen mehr als 4000 Meter hohen Bergen, fast so groß wie das Saarland, dehnt sich gut 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Addis Abeba aus. Nur etwa 5000 Touristen kommen pro Jahr. Die meisten Äthiopienbesucher beschränken sich auf den Norden, sie besuchen die Felsenkirchen in Lalibela und Gheralta, die alten Kaiserstädte Gondar und Axum. Dabei ist die Anreise in den Bale-Park ziemlich bequem: Chinesen, die auch hier wie in so vielen afrikanischen Ländern, tatkräftig und nicht uneigennützig in die Infrastruktur investieren, haben eine für das arme Land untypische, weil schlaglochfreie Straße in die alpine Landschaft gelegt. Im Hochtal von Gaysay grasen Bergnyalas und Bohor-Riedböcke, zwischen ihnen suchen Paviane und Warzenschweine nach Futter. Sie alle lassen sich von dem neuen Highway aus bequem beobachten. Erst in Dihso, einem kleinen Dorf, beginnt eine holprige und bei Regen rutschige Allradpiste hinauf zum Web-Plateau, wo die Wölfe leben. Am Wegesrand tauchen verschleierte Frauen auf, die meisten Menschen beten zu Allah. Die Frauen sind allein und auf Pferden unterwegs. Sie sammeln Holz für die kalten Nächte in den Bergen. Begleitet werden sie dabei nur von ihren Hunden.

          Zwischen Schakal und Fuchs

          Die Landschaft hier oben auf 3400 Metern erinnert mehr an Island als an die Savannen Afrikas, animiert eher zum Lachsfischen als zu einer Safari. Sich zurückziehende Gletscher haben kleine Seen geformt, hinter dem Zeltcamp stürzt ein Wasserfall in einen natürlichen Pool, in dem Enten und Gänse schwimmen. In der ersten Nacht zieht Sturm auf, kalter Regen klatscht gegen die Planen, zwischen den Böen hört man die etwas unheimlichen Rufe der Klippschliefer, optisch eine Mischung aus Hase, Maus und Meerschweinchen. Am nächsten Morgen hängen die Wolken so tief wie in den schottischen Highlands. Awel Sultan, der Guide, stellt Eimer mit glühender Holzkohle ins Küchenzelt. Zwischendurch blickt er immer wieder durch sein Fernglas. „Mein Vater ist Wolf-Scout in den Diensten der Tierschützer. Irgendwo dort draußen ist er jetzt unterwegs, um die Rudel von den Menschen und ihren Viehherden fernzuhalten.“ Nicht etwa, weil die Wölfe Rinder reißen, sondern weil sich die Räuber bei den Hirtenhunden mit Tollwut und Hundestaupe anstecken könnten.

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