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Die Großen Seen : Spring da rein!

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Als das „Homestead“ noch Erziehungsanstalt war und der Sommer ein großes, nicht endendes Wilderness Camp: Sprungturm im See, 1960er Jahre. Bild: Phil Balyeat

Der Sommer wird hier niemals enden: Im Norden Michigans liegt ein Ort, an dem Amerika noch schön, alt und „great“ ist.

          Es ist eigentlich nur ein Satz aus fünf untereinandergeschriebenen Worten in Großbuchstaben, der da direkt neben dem Fenster an der Holzwand der Hütte am See steht, aber er verfehlt seine suggestive Wirkung nie: GO JUMP IN THE LAKE. Also, gleich los auf den Steg, und kopfüber hinein – der Himmel ist hier so hell und hoch und blau, dass man selbst beim einfachen Sprung in die spiegelglatte Seeoberfläche meint, man würde gleich schwerelos ein unendliches Universum aus watteweißen Wolken durchstürzen. Die „Great Lakes“ sind da, wo Amerika nicht erst wieder von Gottweißwem großartig gemacht werden muss, sondern immer schon war. Und das im doppelten Wortsinn.

          Sentimentale Reise

          Eine Reise in den Norden Michigans an die unzähligen Seen ist stets auch eine sentimental journey in ein anderes Amerika, das auf dem Kontinent so kaum noch existiert. Es ist das Amerika des „Official Preppy Handbook“ und seiner Hauptdarsteller. Erinnern wir uns kurz: Was Lisa Birnbach da im Jahre 1980 an Geheimwissen kompilierte, war nichts weniger als der Schlüssel zum Verständnis einer ganzen Gesellschaftsklasse, die mal als „WASPs“ (White Anglo Saxon Protestants), mal als „Preppies“ (von der für den Nachwuchs obligatorischen Preperatory School, der Vorbereitung auf die Elite-Colleges) bezeichnet wird. Es ist ein elegant-amüsantes Nachschlagewerk, das vom Madras-Muster des Umschlags bis zu den handgezeichneten Archetypen stilecht alles beschreibt, was dazugehört, wenn man dazugehören will: Listen der von Preppies bevorzugten Hobbys („Vögel beobachten, Badminton, Segeln“), Manierismen (nasales Sprechen mit geschlossenem Kiefer und Gebiss, der sogenannte „Lockjaw“), Abkürzungen (D. P. für Dom-Perignon-Champagner), Autos (Volvo, Jeep Wagoneer), Schuhe (Top-Siders, Loafers,) bis zum Einkleidungswalhalla Brooks Brothers, den adäquaten Hundesorten (ideal: Retriever; Mops geht nur als unterernährtes Rudel) und Urlaubszielen (Nantucket, Maine).

          Der obligatorische Kirschkuchen

          Mit etwas Glück findet man ihn also hier noch, den wettergegerbten Großvater in Khakis, Hush Puppies und Holzfällerhemd mit Pfeife im Mund und Strohhut auf dem Kopf, wie er im Angelstuhl am Seeufer unter uralten Kiefern die „New York Times Book Review“ liest, während aus dem Transistorradio ein Konzert mit Nachwuchstalenten aus der Musikhochschule Interlochen in Traverse City nebenan erklingt. Dass es all das noch gibt, die uralten Volvo Kombis, die Labrador Retriever, die Mummys mit Haarreif in shirt dresses beim Backen des obligatorischen Kirschkuchens oder auf dem Weg zur Tennisstunde, liegt vielleicht daran, dass ein Großteil der oftmals von den Vorfahren noch selbst gezimmerten Cottages an den Seen, die sich hinter der „Sleeping Bear“-Dünenkette wegducken, erholungssuchende Akademiker der Ostküsten-Universitäten in Illinois bevölkern. In einer der urigen Holzhütten mit einem Steg direkt am See hängt eine lustige Zeichnung an der Wand, direkt neben dem aus Limestone kunstvoll geschichteten Kamin mit Segelboot auf dem Sims. Sie zeigt Professor Henry und seine fast an Jacques Tatis Monsieur Hulot erinnernden Abenteuer: Von der falschen Abzweigung, die ihn über die Mackinac-Island-Brücke einmal bis fast zum Lake Superior hoch geführt hätte, über das erstaunte Inspizieren des gerade mit ihm kenternden Ruderboots bis zur vermeintlich entspannten Lektüre mit Pfeife im Deckchair, aus der ihn seine Frau aus der Küche mit der Aufforderung, schnell noch ein paar Kilo Kartoffeln mehr zu kaufen, unsanft zurück ins Leben ruft.

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